“Angenehme Tiere”: Leben mit einem Listenhund

Nina Franzoi hat seit zehn Jahren einen American Staffordshire Terrier. “Die beste Entscheidung ihres Lebens”, sagt sie.
Darum geht’s:
- Milo, ein American Staffordshire Terrier, ist der Hund von Nina Franzoi.
- Sie setzt sich gegen den schlechten Ruf von Listenhunden ein.
- Franzoi fordert, dass jeder Hundehalter einen Führerschein ablegen sollte.
Bludenz Da ist er, der Hundeblick. Mit großen Augen schaut Milo sein Frauchen an und checkt, ob auch alles in Ordnung ist. Denn: Das Rudel hält zusammen. Nina Franzoi (33) und ihr zehnjähriger American Staffordshire Terrier sind der Beweis dafür, dass der Hund der beste Freund des Menschen ist. “Er ist die beste Entscheidung meines Lebens”, sagt die Bludenzerin. Umso näher gehen ihr daher Anfeindungen gegen Listenhunde wie Milo. Die Diskussion um diese war aufgeflammt, als vergangene Woche in Oberösterreich eine Joggerin von einem Staffordshire Terrier getötet worden war.
“Ich finde es sehr schade, dass die Rasse immer noch so einen so schlechten Ruf hat, obwohl das so angenehme Tiere sind”, sagt Franzoi. Ihrer Meinung nach sei es unfair, dass Bisse von Listenhunden immer besonders aufgebauscht werden, und Angriffe von anderen Rassen gerne einfach unter den Tisch fallen. Denn geht es nach Franzoi, sollte jeder Hundehalter einen Führerschein ablegen. Egal, wie groß sein Vierbeiner ist. Teil davon sei nämlich auch ein Sachkundenachweis. “Da lernst du einfach, auch andere Hunde zu lesen und sie dementsprechend einzuschätzen. Nur so kann eine potenziell gefährliche Situation adäquat entschärft werden”, erklärt sie.

Besonderer Charakter
Am 1. Oktober hat Milo seinen zehnten Geburtstag gefeiert. Seit er acht Wochen alt ist, lebt der Rüde bei Nina Franzoi. Sie hatte ihn damals nach langer Recherche von einer Züchterin aus Niederösterreich geholt. “Ich habe die Rasse lieben gelernt, weil sie sehr besonders ist”, erklärt die diplomierte Krankenschwester. Die Hunde hätten einen eigenen Charakter, brauchen eine konsequente Erziehung, seien aber trotzdem sehr loyal und liebevoll.


Seit knapp zehn Jahren nimmt Franzoi ihren Milo also überallhin mit. Ein Spaziergang durch Bludenz zeigt: Er ist hier bekannt wie ein bunter Hund, und wird akzeptiert. Der American Staffordshire Terrier zieht viele Blicke auf sich. Meist sind die Reaktionen positiv. “Vor allem von Touristen”, sagt Franzoi. So richtig rund läuft der Rüde allerdings nicht mehr. Arthrose. Er hat bereits mehrere Operationen hinter sich. Bergauf und bergab tut er sich schwer. Als es am Sportplatz in Bludenz vorbeigeht, ist er quickfidel. Hier fühlt er sich wohl, und ist ein gern gesehener Gast.

Doch das Ziel ist ein anderes, es geht weiter. Ein deutlich kleinerer Hund kommt entgegen. Der scheint von Milo nicht viel zu halten und zeigt das auch. Franzoi hat ihren Milo eng an der Leine, er geht bei Fuß zu ihrer linken Seite. Und wenn sie mit strenger Stimme zu ihm spricht, gehorcht der Terrier sofort. Das Ergebnis von jahrelangem Training und mehreren Prüfungen. Franzoi sieht die Hundehalter in der Verantwortung. “Wie der Herr, so’s Gescherr”, sagt sie. “Du musst einfach ein Grundverständnis von deinem Hund haben. Viele kaufen sich kleinere Hunde oder Mischlingshunde und meinen, sie können einfach mit denen laufen gehen. Dabei verstehen sie ihre Hunde gar nicht, wissen nicht, wie sie reagieren, ob sie Angst empfinden oder sich gerade Stress in ihnen aufbaut.”
Unangenehme Situationen vermeiden
Anders ist das bei Franzoi und Milo. Die beiden kennen sich einfach. Da ist es auch kein Thema, als eine Gruppe Kinder vorbeikommt. Ein kleiner Bub fragt, ob der Hund beiße und streckt seine Hand aus, um ihm den Kopf zu tätscheln. Kein Problem. Dabei kann der Terrier mit seinen etwa 30 Kilogramm und dem großen Kopf schon einen angsteinflößenden Eindruck machen. Das weiß auch sein Frauchen. Aus Situationen, die unangenehm werden könnten, hält sie ihn daher von vornherein raus.


Auf einer Wiese trainieren die beiden die wichtigsten Kommandos. Eine ständige Wiederholung, damit nichts vergessen wird. Milo macht Sitz und Platz. Er bleibt und wartet auf das Kommando, wieder loszulaufen. So gehe das auch beim Einkaufen, berichtet die 33-Jährige. Durch die Stadt geht es weiter, denn das Ziel rückt näher. Ein kleiner Brunnen, der Höhepunkt des Spaziergangs. Hier bekommt der Terrier seine Abkühlung. Zufrieden steht er im Wasser. Plötzlich bellt ein Hund in der Ferne, Milo stimmt in einer unüberhörbaren Lautstärke mit ein. Das gefällt Nina Franzoi nicht. Sie holt einen Ball heraus und lenkt ihren Hund ab, damit er sich wieder auf sie fokussiert. “Es ist wichtig, zu wissen, auf welche Dinge der eigene Hund positiv reagiert.” Schon ist wieder Ruhe.



Dann geht es zurück. Ob angeleint oder nicht, Milo läuft neben seinem Frauchen und sucht immer wieder den Blickkontakt. American Staffordshire Terrier seien sehr lernwillig und immer darauf bedacht, ihren Besitzer glücklich zu machen, sagt Franzoi. Sie vermutet darin einen Grund, warum die Rasse früher oft für Hundekämpfe trainiert wurde. “Die Hunde möchten gefallen und hören nicht auf, solange sie die Besitzer anfeuern.”
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Auf dem Rückweg geht es wieder am Sportplatz vorbei. Na gut, einmal nach dem Rechten sehen, ist drin. Selbstbewusst und voller Freude stapft Milo zum Ausschank. Hier ist er auch oft am Wochenende. Ein Problem gab es laut Franzoi damit nie. Der Hund begrüßt ein paar Arbeiter, die dort sind. Danach geht es heimwärts. Zum Abschluss noch mal den Berg hoch, dann ist’s geschafft und als Belohnung wartet zu Hause auch schon der Nachmittagssnack.