Bodenseeradweg und Fangverbot: Wer entscheidet am Bodensee was?

VN / 08.08.2024 • 17:40 Uhr
Bodenseeradweg und Fangverbot: Wer entscheidet am Bodensee was?
Verschiedene Institutionen kümmern sich am Bodensee um die unterschiedlichen Themen wie Mobilität, Wasserqualität und Fischerei. Wolfgang Schneider

Wem gehört der Bodensee? Teil 13: Viele verschiedene Institutionen treffen Entscheidungen, die den Bodensee betreffen – Wo es Kritik gibt.

Von Julia Baumann, Schwäbische Zeitung

Lindau Der Bodensee ist ein internationales Gewässer. Viele Entscheidungen werden von Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeinsam getroffen, Projekte gemeinsam geplant. Wo das gut gelingt – und wo es Kritik gibt.

Arbeiten die Länder um den Bodensee politisch zusammen?
Als „politisches Dach“ für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Länder und Kantone um den Bodensee bezeichnet sich die Internationale Bodensee-Konferenz. Unter diesem „Dach“ sind verschiedene Kommissionen und Arbeitsgruppen versammelt. Die IBK ist auch Geldgeber für Ideen und Projekte.

Die Mittel stammen aus den unterschiedlichen Mitgliedsländern, aber auch zum Beispiel aus dem Interreg-Programm Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein. Laut IBK stehen von 2022 bis 2027 allein aus diesem Programm rund 60 Millionen Euro zur Verfügung.

Bodenseeradweg und Fangverbot: Wer entscheidet am Bodensee was?
Zuletzt trafen sich Vertreterinnen und Vertretre der Internationalen Bodensee-Konferenz in Berlin. IBK

Fragt man die Mitarbeiter der IBK nach ihren wichtigsten Erfolgen, dann nennen sie unter anderem den Bodenseeradweg, der aus einer Initiative von 1983 entstand. „Die IBK konnte zahlreiche Hürden überwinden und die unterschiedlichen Standards und Vorschriften für Radwege in den Anrainerländern für die Bodenseeregion vereinheitlichen“, schreibt Sabine Fauth.

Auch das Bodenseeticket, ein einheitliches Ticket für Bus, Bahn und Fähre, wurde von der IBK initiiert. Mit dem Projekt Bodanrail 2045 soll der Schienenverkehr rund um den Bodensee aufeinander abgestimmt werden. Derzeit liegt der Fokus der IBK auf dem Thema nachhaltige Mobilität. Ein Ziel ist die klimaneutrale Schifffahrt auf dem Bodensee.

Wer kümmert sich um die Fischerei?
Bei der sogenannten Bregenzer Übereinkunft im Jahr 1893 haben sich Bayern, Baden-Württemberg, Österreich, Schweiz und Liechtenstein darauf geeinigt, einheitliche Regeln für die Fischerei am Obersee zu vereinbaren. Die entsprechenden Beschlüsse trifft die „Internationale Bevollmächtigungskonferenz für die Bodenseefischerei“ (IBKF).

Sie müssen immer einstimmig sein. Stimmberechtigt sind jeweils Vertreter aus den verschiedenen Landesregierungen. In Bayern sind das zum Beispiel Vertreter aus dem Landwirtschaftsministerium. Manche Fischer kritisieren, dass sie selbst kein Stimmrecht haben.

„In jedem Anrainerstaat gibt es auf verschiedenen Ebenen regelmäßige Absprachen mit den Berufsfischern“, schreibt die IBKF dazu auf Nachfrage der Lindauer Zeitung. Zudem gebe der internationale Bodensee-Fischereiverband (IBF) Wünsche und Anregungen der Fischer an die Sachverständigen weiter, die die Bevollmächtigten beraten.

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Die Bodensee-Fischerei wird ebenfalls reguliert. VN/Roland Paulitsch

Vor ziemlich genau einem Jahr hat eine Entscheidung der IBKF weit über die Region hinaus für Aufsehen gesorgt. Das Gremium beschloss, dass das Bodensee-Felchen drei Jahre lang nicht gefangen werden darf. Hintergrund sind die seit Jahren sinkenden Fangerträge, die zuletzt komplett eingebrochen waren.

Die dreijährige Schonzeit am Obersee trat Anfang des Jahres in Kraft. Das Verbot wird von verschiedenen Maßnahmen begleitet. Felchenlaich wird nun in Brutanstalten aufgezogen, bis die Tiere groß genug sind, dass ihnen Fressfeinde wie der Stichling nichts anhaben können.

Außerdem soll in verschiedenen Pilotprojekten getestet werden, ob der Stichling, der eigentlich nicht in den Bodensee gehört, gefangen und seine Population dadurch eingedämmt werden kann.

Ob und was das alles bringt, kann derzeit noch keiner sagen. „Frühestens im Sommer 2026 wird man abschätzen können, ob ein Effekt erkennbar ist“, schreibt die IBKF auf Nachfrage.

Wer kümmert sich um die Wasserqualität im Bodensee?
Den Bodensee rein halten – dieses Ziel hat sich die „Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee“ (IGKB) auf die Fahnen geschrieben. Die Wasserqualität des Bodensees sei einwandfrei, schreibt Matthias Nester von der IGKB auf Nachfrage. „Lokal können aufgrund von Starkniederschlägen kurzzeitig aufgrund von mikrobiologischen Belastungen Probleme auftreten, die zu einem Badeverbot führen können, jedoch keine Auswirkungen auf den gesamten Bodensee haben.“

Einige Fischer kritisieren, dass der Bodensee zu sauber sei. Der Phosphatgehalt sei zu niedrig, dadurch entstehe weniger Plankton und die Fische, allen voran die Felchen, hungern. Phosphor sei zwar ein wichtiger Pflanzennährstoff, der das Algenwachstum bestimme und somit auch Einfluss auf das Nahrungsangebot für die Fische habe, bestätigt Nester zwar. Eine Erhöhung der Phosphatwerte sehe die Gewässerschutzkommission allerdings kritisch.

Bodenseeradweg und Fangverbot: Wer entscheidet am Bodensee was?
Die Qualität des Bodensee-Wassers wird regelmäßig kontrolliert. VN/Roland Paulitsch

„Ein Hauptproblem von hohem Phosphorgehalt ist, dass für den Abbau von abgestorbenen Organismen, die an den Seeboden sinken, viel Sauerstoff in der Tiefe benötigt wird“, schreibt er. „Aufgrund des Klimawandels kommt es zukünftig seltener zu einer Zirkulation, durch die sauerstoffreiches Wasser in die Tiefe befördert wird. Nach wenigen Jahren würde die Sauerstoffkonzentration in der Tiefe daher stark abfallen.“

Auch durch die Grenzwerte der Kläranlagen sei kein Spielraum für eine Lockerung der Phosphatwerte gegeben. Die Anlagen filtern den Nährstoff aus dem Wasser, bevor dieses in den Bodensee fließt.

Das größte Projekt, an dem die Gewässerschutzkommission derzeit beteiligt ist, heißt „Seewandel-Klima“. Dort werden vor allem die Folgen des Klimawandels und von gebietsfremden Arten auf den Bodensee untersucht.

Die Bodensee-Serie ist eine Coproduktion von Vorarlberger Nachrichten, St. Galler Tagblatt, Thurgauer Zeitung und Schwäbischer Zeitung.

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