Doris Knecht

Kommentar

Doris Knecht

Kommentar: Freibad-Tage, herrlich und unverzichtbar

VN / 07.07.2025 • 15:15 Uhr

Ferien! Egal wie alt ich bin, ich vergesse nie das Glück der ersten Ferientage. Endlich nichts tun, keine Schule, keine Hausaufgaben, kein Druck. Ausschlafen, im Pyjama frühstücken, mit den Geschwistern herumalbern. Und dann fuhren wir mit Fahrrad ins Freibad.

Ich weiß nicht mehr, was wir an den verregneten Tagen gemacht haben, wenn ich an Ferien denke, erinnere ich mich an Freibad-Tage. An das riesige Holztor, durch das wir das Bad betraten, an Liegewiesen und Kinderbecken und an den Dreimeter-Turm, an Hitze und Abkühlung, Eis und Pommes.

Am Wochenende las ich im „Standard“ über die vielen Freibäder, die zusperren mussten, weil die Gemeinden sich den Erhalt eines öffentlichen Schwimmbads einfach nicht mehr leisten können. Das ist ein Jammer und ein bitterer Verlust für die kleinen und großen Einwohner eines Ortes.

Was habe ich alles gelernt in unserem Freibad, wo wir mit den superschicken, von unserer Mutter selbstgenähten Sportbadeanzügen von den Sprungbrettern köpfelten. Wir konnten richtig gut schwimmen, etwas das heutzutage viel zu viele Kinder nicht mehr ordentlich können: Auch deshalb, weil es vor allem in den ländlichen Gegenden immer weniger Bäder gibt, an denen sie es lernen können, mit ihrer Klasse, mit ihren Eltern, in Schwimmvereinen. Nicht schwimmen zu können, nie gelernt zu haben, wie man sich über Wasser hält: Das kann in einer Katastrophe enden, und das tut es jedes Jahr viel zu oft.

Wir lernten aber noch viel mehr: Uns etwas zu trauen: federnd vom Ein-Meter-Brett köpfeln, mit zugehaltender Nase vom Drei-Meter-Turm springen, Rückwärtsköpfler, Salto vorwärts. Oder unsere Grenzen zu respektieren und zu sagen: Das ist mir zu gefährlich, das traue ich mir nicht zu; Salto rückwärts zum Beispiel.

So ein Freibad ist auch ein sozialer Ort, an dem Freundinnen und Freunde trifft, plaudert und spielt, sich Pommes teilt. Auch mit meinen eigenen Kindern verbrachte ich, kaum waren sie auf der Welt, viele Sommer in schattigen Wiener Freibädern, mit vielen anderen Kleinkind-Familien. Ganz früh mit der Straßenbahn hin, den Kindern die Schwimmflügel festgezurrt, sich Liegestühle geschnappt und dann die heißen Tage mit Plaudern und Plantschen verjubelt. Herrlich war das.

Auch wenn es, glaube ich, keinen Sprungturm mehr hat: Das Bad meiner Kindheit gibt es noch, zum Glück, es wurde renoviert und ist noch immer genauso beliebt wie früher. Länder und Bund sollten sich, auch finanziell, dafür verantwortlich fühlen, dass jede Gemeinde ihr Freibad erhalten und weiter betreiben kann. Mir fallen so viele Dinge ein, die ich eher für verzichtbar halte, als ein lebendiges örtliches Freibad, für Kleine und Große, mit Abkühlung und Eis.

Viel zu viele Kinder können heute nicht schwimmen: auch deshalb, weil es immer weniger Bäder gibt, in denen sie es lernen können.

Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.