Sehnsüchtiges Warten auf “weißes Gold” vom Himmel

VN / 02.01.2026 • 16:56 Uhr
Sehnsüchtiges Warten auf "weißes Gold" vom Himmel
Roland PaulitschSkilift Rossstelle im Skigebiet Mellau. Die Schlange ist lang. Alle wollen jene Flecken zum Skifahren nutzen, wo genug Schnee liegt.

Die Tourismusbranche hat die Weihnachtsferien recht gut überstanden. Doch jetzt bräuchte es dringend Naturschnee.

Mellau, Schruns, Bregenz Martin Kaufmann von der Geschäftsstelle der Bergbahnen Mellau nimmt die aktuelle Situation gelassen hin. Als ehemaliger Mitgrundeigentümer des schon lange geschlossenen Skigebietes Hirschberg kann ihn nichts mehr so schnell erschüttern. “Skifahren kann man bei uns. Natürlich nicht in vollem Umfang, wie das bei viel Naturschnee möglich wäre. Und es fehlt halt ein Speichersee für die Kunstschneeproduktion.”

Sehnsüchtiges Warten auf "weißes Gold" vom Himmel
Roland PaulitschHier geht’s gut zum Skifahren. Leider stand die Verbindungsbahn nach Damüls am Freitag nicht zur Verfügung.

Am Freitag war zudem die Gipfelbahn als Verbindung nach Damüls gekappt. Wegen zu viel Wind, sagten die einen, wegen eines technischen Problems, andere.

Verbindungslift fiel aus

Die Fahrt nach oben mit der Mellau-Bahn gibt den Blick frei auf das Dilemma. Der große Parkplatz ist mehr als nur halb leer, die Hänge im Talbereich sind nur leicht überzuckert. Immerhin genug für eine Gruppe Kinder, die dort mit kleinen Plastikbobs herunterrutschen.

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Roland PaulitschDer große Parkplatz an der Talstation der Mellaubahn hätte noch Kapazitäten. In Anbetracht der Rahmenbedingungen ist man in Mellau jedoch nicht unzufrieden.

Am Berg oben sticht die Diskrepanz zwischen den fast aperen Hängen und der bestens hergerichteten Skipiste ins Auge. Beim Rossstelle-Lift bildet sich eine lange Schlange. “Es ist halt leider die einzige Piste, die du fahren kannst”, bemerkt Johannes aus Heidenheim. Mit seinen Freunden stapft er zur Mellau-Bahn und fährt hinunter ins Tal. “Da der Verbindungslift nicht läuft, fahren wir jetzt mit dem Auto nach Damüls.”

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Roland PaulitschMach aus wenig das Allerbeste. Das ist das Motto dieser Kinder, die voller Freude den Hang hinunterrutschen.
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Roland PaulitschAnna, Helena und Johannes sind bei bester Laune. “Es ist hier schön. Heuer hat es halt wenig Schnee. Aber wir kommen wieder.”

Viele Hungrige zu Mittag

Im Gasthaus “Alphof” jammert Pächter Robert Hofmann (45) nicht. “Bei perfekten Schneeverhältnissen hätte ich vielleicht 20 Prozent mehr Leute hier. Aber ich will auch jetzt nicht klagen.” Die meisten Tische sind gegen 11 Uhr zwar leer, “aber wartet, bis Mittagszeit ist. Dann kommen die Skischulen mit ihren Kids her, und es herrscht hier viel Betrieb”.

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Roland PaulitschIm Alphof vis-à-vis der Rossstelle jammert Wirt Robert Hofmann nicht. “Um die Mittagszeit ist immer viel Betrieb.”

Dem Naturschneemangel zum Trotz zeigt man sich auch in der Skischule Simma am Fuße der Bergbahn zufrieden. “Für die Kinderskikurse haben wir genug Schnee. Wir sind gut gebucht”, sagt Katharina Simma. Seniorchef Mathias Simma (73) ergänzt: “In den letzten Tagen macht die Kälte eine Schneeproduktion möglich. Und oben sind die Pisten wirklich gut präpariert.”

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Roland PaulitschKunstschnee sei Dank gibt es am Fuße der Mellaubahn beste Bedingungen für die Skiknirpse. Die Skischule Simma ist im Vollbetrieb.

Freie Fahrt in Montafoner Täler

Schauplatz Silvretta Montafon, eine knapp einstündige Autofahrt von Mellau entfernt. Dort versprüht Geschäftsführer Peter Marko (62) Optimismus pur. “Wer etwa unsere Sonnenaufgangs-Tour in den letzten Tagen auf den frisch präparierten Pisten gebucht hatte, der durfte Genussskifahren auf höchstem Niveau in Anspruch nehmen. Durch unsere perfekte Infrastruktur zur Kunstschneeproduktion konnten wir kürzlich alle Talabfahrten öffnen.” Freilich räumt Marko ein: “Eine schön verschneite Winterlandschaft würde natürlich noch mehr Lust auf Skifahren machen.”

Silvretta Sonnenaufgang.jpg
Silvretta MontafonMit solchen Bildern machen die Verantwortlichen der Silvretta Montafon Werbung für ihr Skigebiet. Kunstschnee wird jetzt permanent produziert.

“Nach 7. Jänner schneit’s”

Von einer guten Buchung der Tourismusbetriebe über die Weihnachtsfeiertage spricht der Geschäftsführer von Vorarlberg Tourismus, Christian Schützinger (60). “Natürlich gilt das nicht für Skigebiete, denen die Möglichkeit der Kunstschneeproduktion fehlt”, schränkt Schützinger ein. Der Jänner sei nun viel mehr die Zeit der Skifahrer. “Obwohl wir einen sehr hohen Grundstock an Buchungen für die Beherbergungsbetriebe haben, steigt die Zahl jener Gäste beträchtlich, die nur kommen, wenn gute Schneebedingungen vorherrschen. Diese Gäste reisen spontan an und oft nur übers Wochenende.”
Was Vorarlberg Tourismus zu einer hohen Frequenz von Urlaubsgästen im Winter tun kann? “Du musst ständig und aktuell informieren. Dazu sind die Webcams ein taugliches Instrument.”

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rainerChristian Schützinger, Chef von Vorarlberg Tourismus, will potenzielle Gäste bestens informiert wissen.

Auf Schnee hofft der Tourismusdirektor natürlich ganz besonders. “Meteorologen sagen für die Tage nach dem 7. Jänner kräftigen Schneefall voraus.”