Kulturwechsel: Den Blick öffnen

Reinold Amann gestaltet neue Ausstellung im WirkRaum Dornbirn.
Röns Als vor über zehn Jahren tausende Menschen vor Krieg, Terror und unsäglicher Armut in den Westen flohen, machte dies auch Reinold Amann und seine Frau Gudula betroffen. „Wir wohnten in der Nähe des Flüchtlingsquartiers Gaisbühel. Ihr Los hat uns berührt, wir wollten helfen.“ Das Ehepaar Amann tat dies anfangs, in dem es Deutsch-Unterricht gab. „Wir haben selbst Lernbehelfe erstellt und in mehr oder weniger großen Gruppen Deutsch unterrichtet, ihnen ermöglicht, ihre im Übermaß vorhandene Freizeit sinnvoll zu gestalten“, erinnert sich Reinold Amann zurück. „Nach einiger Zeit haben sich dann unsere Aktivitäten auf einige wenige Flüchtlinge konzentriert. Es ist persönlicher geworden. Wir haben bei der Berufsausbildung geholfen, Behördengänge erledigt, persönliche Probleme zu lösen versucht.“ Die Jugendlichen sind inzwischen Erwachsene geworden. „Manche haben Familie, haben eine Ausbildung absolviert, manche haben damals die Nerven verloren und sind weitergezogen, andere kämpfen immer noch um ein Leben in Zufriedenheit.“

Voneinander lernen
Während Reinold Amann sich pragmatisch dafür engagierte, den geflüchteten Menschen bei diesem Kulturwechsel zur Seite zu stehen, beschäftigt sich der Fotograf und Literat auch in seinem künstlerischen Schaffen mit dem Thema. „Schon vor zehn Jahren habe ich mit jungen geflüchteten Menschen eine Fotoausstellung im Landhaus gemacht. Jetzt ist es ein guter Zeitpunkt, um zurückzublicken.“ Und um sich gleichzeitig mit dem eigenen Verständnis von Heimat zu befassen: „Heimat ist für mich Sprache, es sind die Geschichten, die Geschichte, die Heimat ausmachen. Unser Dialekt wird nur hier gesprochen, oft von Dorf zu Dorf verschieden. Die Erzählungen der Alten und das selbst Erlebte sind tief in unserem Bewusstsein eingegraben. Es ist weniger die Landschaft, vielmehr ist es dieses Gefühl, das über die Sprache Verbundenheit bringt.“

Bei seinen Reisen, aber auch in seinem bisherigen künstlerischen Schaffen – Fotografien, Texte, Bücher, Ausstellungen – habe der Kulturwechsel sehr oft eine wichtige Rolle gespielt. „Es geht um ein gegenseitiges Lernen. Ich bin aber auch ein politischer Mensch, die Frage des Kulturwechsels ist in der aktuellen politischen Diskussion heftig diskutiert. Ich wollte mich an dieser Diskussion beteiligen. Wir brauchen gerade in unserer heutigen Zeit der Umbrüche auch eine Kultur des Wechsels.“

Stipendium als Chance
Diesen Fragen wollte Reinold Amann in einem Auslandsstipendium des Landes Vorarlberg nachgehen. Entstanden ist dabei ein Buchprojekt, das sich mit diesen Problemen beschäftigte. „Eigentlich war es fast fertig. Ich hatte aber keine konkreten Pläne, was ich damit anfangen sollte. Die Vorgänge anlässlich der letzten Wahlen, die Regierungsbildung vor einem Jahr, die Geschehnisse um Trump, haben mich dann zum Entschluss kommen lassen, das Projekt bis zum Ende durchzuziehen und das Buch nicht in der Schublade zu lassen. Ich möchte mir später nicht den Vorwurf machen müssen, geschwiegen zu haben.“
Ausstellungseröffnung Kulturwechsel – Wechselkultur; zum Ankommen und Leben von geflüchteten Menschen: Dienstag, 13. Jänner, 18.30 Uhr, WirkRaum Dornbirn (Bahnhofstraße 9).

Zur Person
Reinold Amann
Geboren 1954
Wohnort Röns
Beruf Lehrer in Pension
Familie Verheiratet mit Gudula
Beschäftigung mit der Fotografie seit mehr als 40 Jahren, Vorträge, freier Mitarbeiter bei verschiedenen Fachmagazinen, Buchprojekte. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen. Mitglied bei der Berufsvereinigung bildender Künstler Vorarlbergs und Literatur Vorarlberg
