Wenn Müll zu Design wird

Daniela Großsteiner schenkt Einwegkanistern ein stilvolles neues Leben.
Nüziders Eine Begegnung mit Daniela Großsteiner ist angenehm. Sie ist keine, die laut auftritt, sondern sie hört zu und antwortet reflektiert. Wenn sie über sich spricht, dann leise, überlegt und fast ein wenig erstaunt darüber, dass ihr Tun andere interessiert. Und doch hat das, was sie macht, eine große Wirkung. Aus gebrauchten Einwegkanistern entstehen in ihrer Werkstatt robuste, formschöne Körbe und Taschen. Die Kanister, die sonst entsorgt werden würden, erhalten dadurch die Chance auf ein zweites Leben. Belehrend ist die gebürtige Großwalsertalerin jedoch überhaupt nicht: „Nachhaltigkeit ist für mich keine Ideologie, sondern eine Haltung.“ Und genau das lebt sie auch vor. Ihre Körbe und Taschen überzeugen durch Design, Funktionalität und die Geschichte, die in ihnen steckt.

Mehrgliedriger Arbeitsprozess
Die Idee für das Upcycling von gebrauchten Kanistern stammt ursprünglich von Eduard Muther aus Röns: „Edi ist ein langjähriger Bekannter von uns. Sein Projekt ‚leergut‘ hat mich von Anfang an fasziniert, aber auch seine Philosophie. Für ihn ist Müll ein Designfehler.“ Als vor zwei Jahren die Übernahme des innovativen Projekts anstand, überlegte Daniela Großsteiner sehr gut, ob die Weiterführung von „leergut“ für sie infrage käme. Nach ausführlichen Gesprächen mit ihrem Mann Markus sagte sie zu. Drei Kellerräume in ihrem Wohnhaus in Nüziders wurden als Werkstätte umgestaltet, denn die Kanister brauchen viel Platz. Der Arbeitsprozess ist mehrgliedrig, zuerst werden die Kanister gereinigt, dann anhand von Schnittmustern zugeschnitten, die dabei entstehenden scharfen Kanten müssen sodann geschliffen und geglättet werden. Aber auch die Handhabung der Maschinen war neu für sie. Edi zeigte ihr in aller Ruhe seine Handgriffe, vertraute ihr Material und Wissen an. Heute führt sie das Design behutsam weiter, nach dem Prinzip: Wenn etwas gut ist, dann muss man es nicht ändern. Kleinere Ergänzungen wie etwa das Nähen von zu den Körben passenden Täschchen entstehen langsam – und wie es eben Daniela Großsteiners Art ist – wohlüberlegt.

Eine Form von Yoga
Kreativität zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Schon als Kind habe sie ihr Taschengeld nahezu ausschließlich für Bastelsachen ausgegeben: „Mir hat es immer schon gefallen, selber etwas herzustellen und dabei meiner Fantasie freien Lauf zu lassen.“ Ihre Begeisterung für alles, was mit Kreativität zu tun hat, kam ihr auch während ihrer Ausbildung zur Kindergärtnerin und in weiterer Folge in ihrem Beruf als Lehrerin zugute. Im Werkunterricht stellte sie es beispielsweise den Kindern frei, mit mitgebrachten Dingen, die nicht mehr gebraucht wurden, etwas zu gestalten. „Es ist unglaublich, was da alles entstanden ist“, zeigt sie sich begeistert. Auch ihre elf- und 13-jährige Töchter sind begeisterte Bastlerinnen, sie haben im Elternhaus einen eigenen Kreativraum. „Ich war eigentlich immer schon eine Sammlerin. Mir hat es schon früher Spaß gemacht, aus Gegenständen, die eigentlich weggeworfen worden wären, neue Dinge zu gestalten“, sagt Daniela Großsteiner. In ihrer Werkstätte arbeitet sie höchst konzentriert. Sie nützt am liebsten die Zeit, wenn ihre Mädchen in der Schule sind. Dann bleibt sie auch am liebsten im Arbeitsprozess, oft drei bis vier Stunden hintereinander: „Auch wenn ich beim Werkeln dann Schrunden an den Fingern habe, bin ich dabei richtig glücklich. Für mich ist das handwerkliche und kreative Schaffen ein meditativer Prozess, eigentlich so wie Yoga.“

Zur Person
Daniela Großsteiner
Geboren 1979 (46 Jahre)
Familie verheiratet mit Markus, zwei Töchter (13 und 11 Jahre)
Wohnort Nüziders
Ausbildung BAKIP, Pädagogische Akademie in Feldkirch, Unterricht sowohl an Kleinstschulen als auch im urbanen Umfeld
Label leergut (Upcycling von Einwegkanistern)
Hobbys Alles, was mit Kreativität zu tun hat wie etwa Nähen, Malen, Klavier spielen, Gartenarbeit im Sommer

