Volksschüler lernten die Natur als Ideenschmiede kennen

Die 2a der VS Leopold erlebte einen spannenden Bionik-Workshop in der inatura Dornbirn.
Dornbirn Der Traum vom Fliegen begann an diesem Vormittag mit einer Geschichte, die älter ist als jedes Flugzeug. Museumspädagogin Ines Linke eröffnete den Bionik-Workshop der inatura Dornbirn mit Ikarus und Daedalus. Über 2500 Jahre alt ist der Wunsch, eine Insel ohne Brücke oder Boot zu verlassen. Die Kinder der 2a der VS Leopold, begleitet von Klassenlehrerin Christine Gurschler und Zivildiener Justin Gruber, hörten gebannt, wie Daedalus Federn mit Wachs zu Flügeln verband und Sohn Ikarus zu hoch hinauswollte. Zu nah an der Sonne schmolz das Wachs, der Traum stürzte ab, doch die Botschaft blieb – der Mensch schaut sich seit jeher Tricks von der Natur ab.

Von Da Vinci, Flugzeugen und Störchen
Von der Mythologie führte Linke weiter zu Leonardo da Vinci. Sein Propeller-Entwurf und der frühe Fallschirm zeigten, dass Naturbeobachtung auch ohne Motor zum technischen Gedankenmodell wird. Otto Lilienthal gelang schließlich der erste echte Flug – inspiriert vom Gleitflug der Störche. “Seine Versuche legten die Basis für moderne Tragflächen, wie sie heute jedes Verkehrsflugzeug nutzt”, klärte die Museumspädagogin die Schülerinnen und Schüler auf.

Im inatura-Klassenraum wurde Theorie dann zu Praxis. Die Kinder bauten selbst Papier-Propeller. Geierfedern dienten als Anschauungsmaterial – groß, stabil, perfekt für Auftrieb. Im Anschluss ging es ins Foyer, um die gebastelten Flugobjekte auch gleich zu testen. Mit staunenden Augen ließen die Nachwuchsforscher ihre gebastelten Propeller vom Galerie-Balkon segeln.

Nach den Flugversuchen ging es zurück ins Klassenzimmer und unter dem Stichwort “Biomimetik” untersuchten die Kinder, was Technik von Tieren und Pflanzen lernen kann – wie den rauen Strömungseffekt der Haifischhaut, deren feine Rippchen Wasser und Luft lenken, statt bremsen. “Diese Mikrostruktur inspiriert heute Haifischhaut-Folien an Flugzeugen, die Treibstoff sparen”, erklärte Museumspädagogin Ines Linke. Auch die Schwanzflosse der Fische, Vorbild für Unterwasser-Roboter, wurde thematisiert. Der Oktopus zeigte das Prinzip der Saughaftung – Unterdruck statt Kleber.

Spannender Blick ins Mikroskop
Und ein Klassiker durfte natürlich nicht fehlen: der Klettverschluss, abgeschaut von der großen Klette, die sich mit winzigen Haken an Tierfell heftet. An Fellproben testeten die Kinder interessiert das Prinzip selbst. Schließlich folgte ein weiteres Highlight – die Begegnung mit einem echten Frosch, die zunächst etwas vorsichtig verlief, dann überwog aber doch die Neugier. Jede und jeder wollte einmal den Frosch halten, selbst Zivi Justin bewies Mut und sorgte bei seinen Schützlingen für Begeisterung. Unter dem Mikroskop wurden abschließend Haihaut, Libellenflügel, Schwimmfarn und Klettstrukturen sichtbar.

Im Rahmen von “FHV goes inatura” zeigt die Naturschau seit 2014 gemeinsam mit der Fachhochschule Vorarlberg, wie Naturprinzipien zu nachhaltigen Innovationen führen. Für die 2a wurde der Workshop zu einem Vormittag, an dem die Natur sowohl Vorbild als auch Testlabor war – und die Ideen buchstäblich abhoben. cth











