„Das Montafon ist mein zweites Zuhause geworden“: Australier Nick Newton arbeitet ganzjährig im Skigebiet

Der Liftmitarbeiter ist einer von rund 850 Saisonkräften, die bei der Silvretta Montafon im Winter im Einsatz sind.
Montafon Nick Newton (51) lebt das ganze Jahr über im Winter. Eigentlich wohnt er in Australien, genauer gesagt in Merrijig, einem kleinen Ort beim Skigebiet Mount Buller. Dort arbeitet er während des gesamten Winters als Beschneier. Wenn in Australien der Sommer Einzug hält, verlässt er das Land und kommt pünktlich zum Start der Wintersaison ins Montafon. Den australischen Sommer mag er nicht – dort kann es bis zu 40 Grad heiß werden.

Der Australier verbringt bereits seine vierte Saison im Montafon. Wie er dorthin kam, erklären Anna Kofler und Daniel Witzani von der Silvretta Montafon: Die Silvretta Montafon (SiMo) wirbt weltweit um Arbeitskräfte. So arbeiteten in der vergangenen Wintersaison Menschen aus 47 Ländern bei der SiMo. Mithilfe des Seilbahnherstellers Doppelmayr wandte sich die SiMo im Sommer 2022 gezielt an Skigebiete in Australien und Neuseeland, um Saisonarbeitskräfte zu gewinnen.
Vollbetrieb im Winter
Im Winter beschäftigt die Silvretta Montafon rund 850 Mitarbeiter (davon 500 Saisonkräfte); im Sommer sind es nur 320, da weniger Liftanlagen und Restaurants geöffnet haben. „Du findest im Tal nicht genug Menschen, die nur von Dezember bis April arbeiten wollen“, sagt Witzani. Im Winter herrscht bei der SiMo Vollbetrieb: 35 Bahnen sind in Betrieb, dazu kommen elf Restaurants, ein Hotel, Sportshops und Skischulen. „Zwischen Sommer und Winter gibt es eine eklatante Differenz“ – auch was den Umsatz betrifft. Der Wintergast lässt mehr Geld für Skipässe, Leihausrüstung und Restaurantbesuche liegen als der Sommergast. „Der Winter wird immer die stärkste Saison bleiben“, so Witzani.

Vom Montafon und seiner Größe begeistert
Was Nick am meisten am Montafon fasziniert, ist die schiere Größe. Das Tal sei „viel größer als erwartet“. Der leidenschaftliche Skifahrer schwärmt von den langen Talabfahrten. Seine Begeisterung für das Montafon gibt er auch an andere Beschäftigte des Skigebiets Mount Buller weiter: Jedes Jahr hält er dort eine Präsentation über die Silvretta Montafon und konnte so bereits zehn Australier anwerben. Denn hier bei der SiMo seien die Kollegen großartig, und das Essen schmecke hervorragend. Die Mitarbeiterverpflegung ist – genauso wie die Unterkunft – für die SiMo-Mitarbeiter kostenlos. Und nicht zuletzt sei die Arbeit gut bezahlt, meint Nick.

Vor Saisonbeginn muss jeder nicht-deutschsprachige Mitarbeiter einen 40-stündigen Deutschkurs absolvieren. Anna Kofler kümmert sich um das Arbeitsvisum der Saisonarbeiter. Dafür ist sie auf eine Saisonkontingentbewilligung des AMS angewiesen. Es sei jedes Mal ein bürokratischer Akt, weiß auch Nick. Doch es lohne sich jedes Jahr aufs Neue: Die Menschen, die Schönheit des Landes, das Essen – all das wolle er nicht mehr missen. Die Montafoner seien zwar direkter, hätten aber auch einen guten Sinn für Humor. „Das Montafon ist mein zweites Zuhause geworden“, sagt Nick. Die SiMo will, dass sich die Saisonarbeiter wohlfühlen. Deshalb gebe es auch Mitarbeiterausflüge, um untereinander Freundschaften zu knüpfen und sich zu vernetzen.

Arbeitsalltag bei der Sonnenbahn
Nick ist Liftmitarbeiter bei der Sonnenbahn. Um 6 Uhr steht er auf, damit er um 7 Uhr mit der Gondel zu seinem Arbeitsplatz fahren kann. Wenn er an der Talstation Dienst hat, zieht er die ersten Schwünge auf der frisch präparierten Piste. Vor Betriebsbeginn schaufelt er Schnee zur Seite, präpariert die Ein- und Ausstiege beim Sessellift, befreit die Sitze vom Schnee und stellt die Zäune auf. Während des Liftbetriebs hilft er gegebenenfalls Kindern beim Ein- und Ausstieg, beantwortet Fragen der Gäste und sorgt für einen sicheren Bahnbetrieb. Er mag den Gästekontakt.

Um 17 Uhr fährt Nick mit der Valiserabahn wieder ins Tal. „Dann trinke ich in der Markthalle noch ein Bier“, sagt er. Zu seiner 24-Quadratmeter-Wohnung ist es nicht weit. Rund 400 Mitarbeiterwohnungen stehen den Saisonarbeitern im ganzen Tal zur Verfügung. „Jeder, der nicht aus Vorarlberg ist, kriegt von uns eine Wohnung gestellt“, betont Witzani.

Sein Traum
Nach vier Tagen Arbeit hat Nick zwei Tage frei. Die nutzt er, um auch in anderen Gebieten Ski zu fahren und die umliegenden Städte und Berge zu erkunden. Er kennt Vorarlberg nur im Winter – würde sich aber wünschen, auch einmal im Sommer hier zu sein. Sein Traum ist es, ins Montafon zu ziehen – und somit alle Jahreszeiten im Ländle zu erleben.