„Es stinkt jetzt schon bis zum Himmel“ – Widerstand gegen Reststoffkraftwerk in Frastanz wächst

Während die Firma Rondo Ganahl die Gemeindevertreter im Feuerwehrhaus informierte, protestierten draußen 200 Menschen gegen die geplante Müllverbrennungsanlage.
Frastanz „Eine Katastrophe.“ So nennt Helmut Scherer das geplante Reststoffkraftwerk der Firma Rondo Ganahl AG, das mitten in Frastanz entstehen soll. Für viele Bürgerinnen und Bürger ist dieses Kraftwerk gleichzusetzen mit einer Müllverbrennungsanlage. Rund 200 Personen demonstrierten am Donnerstagabend vor dem Feuerwehrhaus gegen das Vorhaben. Ort und Zeitpunkt der Protestaktion waren bewusst gewählt: Zeitgleich informierte die Firma Rondo Ganahl im Feuerwehrhaus die Gemeindevertretung über das Projekt – die Bevölkerung war dazu nicht eingeladen.

Helmut Scherer, Nachbar der Papierfabrik, äußerte heftige Kritik: „Es ist schade, dass die Firma das nicht gemeinsam mit der Bevölkerung plant. Sie nimmt keine Rücksicht auf uns und denkt nur an ihren eigenen Profit“, sagte Scherer, der ein Schild mit der Aufschrift „Vielfalt statt Einfalt“ in den Händen hielt. „Es stinkt jetzt schon zum Himmel, bevor es überhaupt angefangen hat“, monierte er weiter. Das Projekt befindet sich derzeit noch im Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP).


“Nur Nachteile”
Hubert Grabher, Miteigentümer der Firma Grabher und ebenfalls Nachbar, kann beide Seiten nachvollziehen: „Aus betriebswirtschaftlicher Sicht verstehe ich Rondo.“ Das Reststoffkraftwerk sei langfristig eine „Gelddruckmaschine“. Als Anrainer aber lehne er die geplante Anlage ab: „Das bringt den Bürgern im ganzen Walgau nur Nachteile.“ Er befürchtet unter anderem eine mögliche Luft- und Wasserverschmutzung: „Der Walgau besitzt das größte Grundwasserbecken Mitteleuropas.“ Die Mülllagerbehälter stünden dann im Grundwasser. Dass die Firma mit dem Reststoffkraftwerk den Ausstieg aus fossilen Energien vorantreiben wolle, sei für ihn „Schönrednerei“, da auch Gummiabfälle – hergestellt aus Erdöl – verbrannt würden. Zudem existiere bereits eine Müllverbrennungsanlage in Buchs, die auf den Vorarlberger Müll angewiesen sei.

4000 Seiten
Die Protestinitiatoren Manuela Zech und Markus Brandtner sind nicht grundsätzlich gegen Müllverbrennungsanlagen – jedoch gegen diesen Standort. Zech fragt sich, ob überhaupt Alternativen geprüft worden seien. Sie kritisierte die mangelnde Transparenz, obwohl ein Informationsrecht der Bevölkerung im UVP-Verfahren verankert sei. Doch davon erfahre man erst, wenn man die rund 4000 Seiten durchlese, betonte Brandtner: „Das ist eine Zumutung – selbst für die Behörde.“ Zech und Brandtner zweifeln daran, dass alle Seiten tatsächlich gelesen würden.

Ihre Bedenken zur Müllverbrennung legten sie beim Protest dar: In Frastanz herrsche häufig Inversionswetterlage, wodurch sich Abgase im Tal stauen und die Belastung in der Region erhöhe. Laut Zech werde Greenwashing betrieben: „Energieautonomie heißt nicht, raus aus dem Gas und rein in den Müll.“

Auch sei die Frage ungeklärt, wie viele Tonnen Müll tatsächlich verbrannt würden. Zunächst war von maximal 80.000 Tonnen Abfall die Rede, im UVP-Verfahren nun von 122.000 Tonnen. Die Initiatoren befürchten, dass 40.000 Tonnen davon aus dem Ausland stammen könnten. Die Auswirkungen der PFAS seien laut Brandtner ebenfalls nicht ausreichend erforscht. Diese Industriechemikalien „sind extrem gesundheitsgefährdend“, warnte Brandtner. Auch Angela Vai aus Frastanz fürchtet gesundheitliche Risiken: „Ich habe eine Herzerkrankung und bin anfällig für Krankheiten“, sagte sie.


Was der Bürgermeister dazu sagt
Bürgermeister Walter Gohm begrüßt das Interesse der Bevölkerung. Die Aufklärung zu den verständlichen Bedenken sei aus Sicht der Gemeinde besonders wichtig. „Wir gehen diesbezüglich aktiv auf die Rondo Ganahl AG zu, damit auch die Bevölkerung bei einer öffentlichen Veranstaltung informiert wird.“ Die Marktgemeinde wolle mit der von ihr anberaumten Informationsveranstaltung „Infos aus erster Hand“ über das geplante Vorhaben erhalten.


Nachbarn wollen wegziehen
Eine solche Information wünschen sich auch Leopold und Jasmine Steinwender, die in der Sonnenbergstraße 40 wohnen – eine schöne Liegenschaft mit großem Garten, wie sie selbst sagen. Luftlinie sind es nur 50 Meter bis zum Rondo-Werk. Als direkte Anrainer fürchten sie um ihre Lebensqualität, sollte das Reststoffkraftwerk gebaut werden. Beide sind über 60 Jahre alt und wollten hier alt werden. Nun befürchten sie, ihr Haus aufgeben zu müssen. Nachbarn hätten ihre Häuser bereits verkauft und seien weggezogen, als sie vom Projekt erfuhren. „Wir befürchten gesundheitliche Folgen. Die Luftqualität wird schlechter. Die ganze Region wird entwertet.“
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Laut Rondo Ganahl werde für die Papierproduktion derzeit noch in hohem Maße Erdgas benötigt. Durch das geplante neue Kraftwerk könne der Erdgasbedarf am Standort Frastanz um rund 90 Prozent reduziert werden – das entspricht etwa sieben Prozent des gesamten Gasverbrauchs in Vorarlberg. Mit einem UVP-Bescheid wird Ende 2026 gerechnet, ein Baubeginn ist somit ab 2027 möglich.
Antworten auf zentrale Fragen aus der Bevölkerung von der Firma Rondo Ganahl
Standortwahl
Die Standortwahl orientiert sich am größten Energieverbraucher, der Papiermaschine, da Energieerzeugung und -nutzung aus technischen und energetischen Gründen unmittelbar zusammenhängen. Die eingereichten Unterlagen zeigen, dass vom Vorhaben keine unvertretbaren nachteiligen Auswirkungen ausgehen. Vergleichbare Anlagen werden europaweit auch in unmittelbarer Nähe sensibler Einzugsgebiete betrieben. Bei solchen Anlagen werden modernste Filteranlagen installiert und kontinuierliche Emissionsüberwachungen sorgen für Transparenz und Sicherheit.
Wetterlagen und Brennstoffbedarf
Inversionswetterlagen werden in den Berechnungen berücksichtigt. Dafür kommt ein in Behördenverfahren anerkanntes Ausbreitungsmodell für windschwache Wetterlagen zum Einsatz. Die neue Gasleitung ist auf seltene Leistungsspitzen des Reservekessels ausgelegt. Der Brennstoffbedarf im Normalbetrieb liegt mit rund 82.000 Tonnen pro Jahr auf dem Niveau früherer Planungen, die beantragte Maximalmenge von 122.000 Tonnen pro Jahr dient als konservative technische Obergrenze.
Grundwasser
Dem Schutz des Grundwassers gilt besonderes Augenmerk: Das Bauwerk wird – wie bereits beim bestehenden Hochregallager – nach dem bewährten Prinzip der „Weißen Wanne“ wasserundurchlässig ausgeführt. Eine Gefährdung des Schutzguts Grundwasser ist nach dem Stand der Technik nicht zu erwarten.