Streiflicht: Die Einsamkeit der Effizienz

VN / HEUTE • 16:30 Uhr
Streiflicht: Die Einsamkeit der Effizienz

Es geht so schnell. Ein Klick, und Geld ist überwiesen. Ein Klick lässt Kleider liefern. Ein Klick, schon ist das Abo verlängert. Es braucht dazu kein Gegenüber. Deshalb wirken die großen Schalterhallen der Bankzentralen wie aus der Zeit gefallen. Polierter Marmor und edle Hölzer, die kaum einer sieht. Mit Ausnahme der Pensionisten vielleicht, aber die wollen nicht staunen. Die alte Dame etwa kommt jeden Morgen. Grüßt höflich, scherzt ein wenig und lässt sich den Kontostand zeigen. Eigentlich will sie nur reden.

Denn das Reden bleibt auf der Strecke. Es hat sich in die Chaträume verflüchtigt. Zwangloses Plaudern ganz analog – das stört. Sich über den Tresen des Geschäfts hinweg nach dem Befinden erkundigen, Höflichkeiten austauschen, die Geschichte vom kranken Ehemann oder vom fleißig studierenden Neffen anhören, vielleicht sogar schon zum dritten Mal, das kostet Zeit. Wie viel effizienter ist es doch, die nötigen Dinge online zu erledigen, ohne die plappernde Begleitmusik.

Also bleiben wir zuhause. Wir überweisen am Schreibtisch. Lassen Einkäufe liefern. Wir sprechen per Video mit der Ärztin. Und sollten wir doch einmal verreisen müssen, checken wir rund um die Uhr selbst ein und niemand wird uns willkommen heißen. Denn „willkommen“ zählt in dieser neuen Welt zu den ausgemusterten Vokabeln.