Umbruch erfordert ein starkes Nervenkostüm

SWB-Cheftrainer Andreas Heraf folgt nur der Devise, wirklich
alles dem sportlichen Erfolg unterzuordnen.
Bregenz Die vielen Nebeltage sollen im Frühjahr sonnigen weichen. Der Seitenblick auf das aktuelle Wetter beschreibt sehr eindrucksvoll eine schwierige Saison für SW Bregenz, sportlich und finanziell. Erst der Start mit drei Minuspunkten, dann die Serie von übergreifend 23 Ligaspielen ohne Sieg und als Konsequenz daraus im Oktober 2025 ein Trainerwechsel. Auf Regi van Acker folgte Andreas Heraf, der nun die Wintertransferzeit nutzt, um den aufgeblasenen Kader (28 Leute) zu reduzieren und positionsbezogene Veränderungen vorzunehmen.
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Angesichts der ebenfalls knapp bemessenen Finanzen keine einfache Aufgabe. So mussten sich die Spieler im Dezember bezüglich ihres Gehalts gedulden, wobei der Klub stets offene Gespräche mit den Akteuren sowie der Spielergewerkschaft VdF (“Spielervereinigung”) suchte und führte – schließlich auch zur Zufriedenheit aller abschloss.
Intensive Tage, viele Gespräche
Unabhängig davon “bastelte” Heraf parallel dazu an der “Mission Klassenerhalt”, die durch den Sieg im letzten Herbstspiel gegen Winterkönig St. Pölten zusätzlich Schub erhielt. Für den 58-Jährigen war deshalb nach dem Herbst schnell klar: “Der Kader muss kleiner werden, um auch die Qualität im Training zu sichern.” Deshalb suchte er noch vor Weihnachten (23. Dezember) das persönliche Gespräch mit den betroffenen Spielern. “Das war keine schöne Aufgabe, schon gar nicht kurz vor Weihnachten. Mir war es jedoch wichtig, dass die Spieler frühzeitig Bescheid wissen und sich somit selbst umschauen können.”
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Auch wenn es ihn menschlich “schmerzte, aus sportlicher Sicht musste ich eine Entscheidung treffen. Diese war immer positions- und nicht personenbezogen. Es ist schon nicht leicht, einem Spieler klarzumachen, dass er nicht spielt oder nicht im Kader ist. Ihn aber auch im Training rausschicken zu müssen, ist noch schlimmer.” Mit Sebastian Dirnberger (28) traf es den Kapitän, zudem wird u. a. wohl auch mit Fabian Stöber (23) und Yannick Cotter (24) nicht mehr geplant. Heraf führte alle Gespräche mit den Spielern sowie mit deren Beratern – und übernahm somit quasi die Aufgaben eines Sportchefs. Zudem agierte der SWB-Coach in der Diskussion mit der “younion-Sportgewerkschaft” federführend, indem er den Spielervertretern eine zweite Trainingsgruppe mit den ausgemusterten Spielern vorschlug.



“Weil es mir persönlich weh tut, wenn sie zuschauen müssen. Aber Fußball ist nun mal ein Spiel elf gegen elf und nicht 13 gegen 13.” Das “Nein” der Fußball-Gewerkschaft, weil laut Kollektivvertrag rechtlich unzulässig, verhinderte eine Umsetzung, auch wenn sich Heraf selbst um die zweite Trainingsgruppe kümmern wollte. “Deshalb müssen jetzt, für die Mission Klassenerhalt, ein paar in den sauren Apfel beißen.” Letztendlich sei es seine Pflicht, auf den Verein zu schauen. “Und da geht es nun mal um den Klassenerhalt.”
Von Klubchef Thomas Fricke gibt es für Heraf “vollste Unterstützung. Wir stehen zu 100 Prozent hinter seinen Entscheidungen. Uns ist es lieber, er kommuniziert ehrlich mit den Spielern. Dennoch, wir werden alle Verträge respektieren und alle Löhne bezahlen”, so Fricke.