Ärztin um 136.000 Euro betrogen: Schüler als Beitragstäter verurteilt

VN / 23.01.2026 • 14:10 Uhr
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Der 19-jährige Angeklagte bei der Verhandlung vor Gericht. eckert

Pensionierte Medizinerin ging falschem Bankberater auf den Leim.

Feldkirch Die Methoden werden immer hinterhältiger. So erhielt die betrogene Fachärztin zunächst eine SMS, in der sie darauf hingewiesen wurde, dass Ihre Zugangsberechtigung zu ihrem Bankkonto ablaufe. Sie war so schlau, den betreffenden Link nicht zu öffnen und verließ die Webseite wieder.

Doch dann muss sie gehackt worden sein, denn am nächsten Tag wurde sie von einem Mann angerufen, der sich als Sicherheitsberater ihrer Hausbank ausgab. Sie selbst hatte mit keinem Wort erwähnt, bei welcher Bank sie Kundin ist. Der Mann spiegelte vor, eine Fernwartungssoftware müsse installiert werden. Außerdem versetzte er die Frau in Unruhe, in dem er angab, eine dubiose ukrainische Bank habe bereits begonnen, auf ihrem nunmehr ungeschützten Konto Abbuchungen vorzunehmen. „Sie sind leider Opfer eines Betruges geworden“, heuchelte der Anrufer. Er könne das Konto nicht sperren, sondern nur die Abgänge jeweils blockieren, behauptete er. Dafür müsse sie allerdings jede einzelne Blockierung selbst genehmigen.

In Folge gingen 73 solcher Alarmmeldungen ein. Die Frau bestätigte die angeblichen „Blockierungen“ einzeln. In Wirklichkeit handelte es sich nicht um Stornierungen, sondern um Freigaben. So verschwanden knapp 136.000 Euro vom Konto der Ärztin.

Etliche “Parkplätze”

Überwiesen wurde die Summe auf insgesamt acht „Zwischenkonten“. Konten von Personen, die blauäugig oder bewusst ihre Konten zur Verfügung stellten. Auch hierfür gab es verschiedene Geschichten, warum die betreffenden Personen mitmachten. Im Fall des in Feldkirch Angeklagten ist es ein 19-jähriger HTL-Schüler, der das schnelle Geld witterte. Der junge Mann arbeitet in seiner Freizeit in geringfügig im Handel, der Aufbesserung seines Taschengeldes blickte er hoffnungsvoll entgegen.

Insgesamt gab er drei Mal sein Handy und auch seine Bankkarte aus der Hand, sagt er. Fakt ist, dass ein Teil des Geldes, das von der Ärztin abgebucht wurde, auf seinem Konto landete. Und zwar 65.000 Euro. Davon wurden 57.000 Euro auf ein Konto in Luxemburg weiter transferiert, dann verliert sich die Spur der Internetüberweisungen. Diese Transaktionen nahm er nicht selbst vor, allerdings stellte er wiederum sein Handy dafür zur Verfügung.

Keine Entschuldigung

Der Schüler räumt vor Gericht ein, dass er zwar ein ungutes Gefühl gehabt und auch sein Bruder ihn gewarnt habe. Schlussendlich, so ist Richterin Sabrina Tagwercher überzeugt, war ein zusätzliches Einkommen zu verlockend. Dass er Angst vor den Hintermännern hatte, glaubt der Schöffensenat nicht, denn die Kommunikation lief ganz locker über Snap-Chat, es gab Treffen an öffentlichen Plätzen. Ein Rückzieher und Kontaktieren der Polizei wäre jederzeit möglich gewesen. Als Strafe für den Beitrag zum schweren Betrug werden vier Monate bedingte Haftstrafe plus 1200 Euro Geldstrafe verhängt. Die Ärztin wird ihr abgezweigtes Geld voraussichtlich nie wieder sehen. Lediglich ein kleiner Betrag von insgesamt rund 16.000 Euro konnte rücküberwiesen werden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.