“Die Grausamkeiten des Regimes sind unvorstellbar”

VN / 26.01.2026 • 16:36 Uhr
"Die Grausamkeiten des Regimes sind unvorstellbar"
Roland PaulitschDer 13-jährige Sourena und seine Mutter Rahil. Papa Ali will aus Sicherheitsgründen nicht aufs Foto.

In Vorarlberg lebende iranische Familie erzählt von den Zuständen in ihrer Heimat. Und ihrer Hoffnung.

Bregenz Rahil (45), Ali (53) und Sohnemann Sourena (13). Eine sympathische Familie. Offen, zukunftsorientiert, sportbegeistert. Und doch liegen schwere Schatten über ihrem Alltag in Vorarlberg. Die Situation in ihrer Heimat Iran, die Sorge um ihre dort lebenden Angehörigen, machen ihnen schwer zu schaffen. Papa Ali, früher ein umjubelter Fußball-Goalgetter, will nicht aufs Pressefoto. “Es könnte mir schaden, weil ich als Geschäftsmann Verbindungen in meine Heimat habe und auch immer wieder dorthin reise.”

Vor vier Jahren übersiedelte die Familie Karimi* legal vom Iran nach Österreich. “Die politische Situation hat uns dazu veranlasst”, sagt der Nicht-Moslem, dessen Zugehörigkeit zur Zarathustra-Glaubensgemeinschaft im schiitischen Gottesstaat auf wenig Gegenliebe stieß.

"Die Grausamkeiten des Regimes sind unvorstellbar"
Roland PaulitschRahil und Sourena zeigen Bilder von jungen Menschen, die westlich gekleidet sind und westlich eingestellt. Sie wurden alle von den Schergen der Mullahs gezielt erschossen.

Warten auf Anrufe aus dem Iran

Obwohl die Internetverbindungen vom Mullah-Regime ebenso gekappt wurden wie die meisten Telefonverbindungen, verfügen die Karimis* über genug authentische Informationen aus ihrer Heimat. “Es funktioniert doch regelmäßig, dass wir aus dem Iran angerufen werden. Freilich dürfen wir aus Angst vor Überwachung nicht über die politische Situation und die Proteste reden, sondern nur um allgemeine Dinge sprechen. Wir wissen dennoch ganz genau, was dort vorgeht”, sagt Ali.

“Der Iran wäre ein so konstruktives Land in dieser Region. Wenn er nur frei und demokratisch wäre. Leider ist das Gegenteil der Fall”, klagt Rahil. Sie zeigt ein Video mit den Gesichtern zahlreicher junger Menschen, untermalt von schwermütiger Musik. Es sind Gesichter, die von Hoffnung, Lebensfreude, Zukunft erzählen. “Sie sind alle tot, gezielt erschossen”, hat Rahil nun Tränen in den Augen.

"Die Grausamkeiten des Regimes sind unvorstellbar"
Roland PaulitschDie 45-jährige Rahil ist froh, keinen Tschador tragen zu müssen. Das Schicksal ihrer Freundin, die brutal misshandelt wurde, geht ihr sehr nahe.

Bilder des Grauens

Sie zeigt weitere Videos. Auf einem ist eine junge Frau zu sehen, die von einem Mann im Tarnanzug brutal zusammengeschlagen und am Boden liegend noch getreten wird. “Einer Freundin von mir ging es genau gleich.”

Ein anderes Video zeigt einen Mann, der einen Leichensack umklammert und herzzerreißend weint. “Es ist sein Sohn”, weiß Rahil. “36.000 Menschen wurden bisher von den Machthabern erschossen. Die Revolutionswächter sind sogar in die Spitäler gegangen und haben dort schwerverletzte Protestierer getötet. Die Grausamkeiten des Regimes sind unvorstellbar”, berichtet Ali.

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Hoffnung auf den Prinzen

Auf den Sturz der brutalen Mullahs hofft die Familie Karimi inständig. “Ohne ausländische Hilfe schaffen wir das jedoch nicht. US-Präsident Trump hat die Leute ermutigt, auf die Straße zu gehen. Dort sind viele gestorben. Ich hoffe, dass die Amerikaner jetzt im Iran eingreifen. Dann wird dieses Regime fallen”, ist Ali überzeugt. Gerne würden er und Ehefrau Rahil wieder in einen freien Iran zurückkehren. Nicht so Sourena. “Ich möchte zumindest bis zu meinem Maturaabschluss hier bleiben”, erläutert der Riedenburg-Schüler und leidenschaftliche Fußball-Fan seine Pläne. Der 13-Jährige schnürt seine Fußballschuhe beim FC Lauterach und ist begeisterter Real-Madrid-Fan.

"Die Grausamkeiten des Regimes sind unvorstellbar"
AFPReza Pahlavi, Sohn des letzten persischen Schahs, ist die Hoffnung vieler Iraner. Obwohl nicht alle seinen Vater in guter Erinnerung haben.

Fans sind alle drei von Reza Pahlavi, dem im amerikanischen Exil lebenden Sohn des letzten Schahs, der 1979 aus dem Land flüchtete. “Der Prinz könnte uns in eine gute Zukunft führen.”

  • Nachname von der Redaktion geändert