„Mit einer Flasche Wodka und einer Kiste Bier am Tag hat’s angefangen“

VN / 30.01.2026 • 07:00 Uhr
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Siegfried war am Tiefpunkt seines Lebens angelangt, doch Aufgeben war keine Option. Bilder: VN/JUN

Siegfried verlor durch seine Alkoholsucht Job und Wohnung. Mit Hilfe der Caritas fand er den Weg zurück ins Leben.

Region Alkoholsucht, Job weg, Wohnung weg: Siegfried hat im Jahr 2019 alles verloren. Drei Monate konnte er noch in einem Hotel arbeiten, bevor ihm auch dort aufgrund von Sparmaßnahmen gekündigt wurde. Aus dem Mitarbeiterzimmer musste er ausziehen. Die einzige Option war, zu seiner Mutter in eine Zwei-Zimmer-Wohnung zu ziehen. Hauptsache, er hatte ein Dach über dem Kopf, dachte er sich. Doch Privatsphäre hatte er keine, da ein eigenes Zimmer fehlte.

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Bei der Caritas-Beratungsstelle Existenz & Wohnen hat sich Siegfried gut aufgehoben gefühlt.

Vier Jahre lebte er bei seiner Mutter. Dann erhielt er dank der Caritas Sozialhilfe und konnte in eine Zwei-Zimmer-Wohnung der Alpenländischen in seiner Heimatgemeinde im Oberland einziehen. „Wir konnten ihm im Rahmen des Programms ,Soziales Netzwerk Wohnen‘ die Wohnung vermitteln, in der er jetzt seit zweieinhalb Jahren wohnt“, sagt Christian Beiser, Stellenleiter Existenz & Wohnen bei der Caritas.

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Jetzt verdient er sein eigenes Geld und hat keine Geldsorgen mehr.

Die Caritas unterstützt Menschen dabei, wieder auf die Beine zu kommen. „Sie hat finanziell alles für mich geregelt“, sagt Siegfried, der am Existenzminimum lebte. Sozialarbeiter Harald Quinz begleitete ihn bei der Wohnungs- und Jobsuche. Mit Unterstützung der Caritas gelang ihm der Wiedereinstieg ins Berufsleben. Heute arbeitet Siegfried auf dem Bau und kann die 800 Euro Miete selbst bezahlen. „Ich hatte damals nur noch 200 Euro zum Leben“, erinnert er sich an die Zeit, als er arbeitslos war.

Als Alkohol sein Leben prägte

Den Führerschein hatte Siegfried wegen seines Alkoholkonsums verloren. Er wusste, dass er alkoholkrank war, und machte während seiner Zeit bei der Mutter freiwillig einen Entzug. Einen Monat war er stationär im Krankenhaus Maria Ebene. Siegfried berichtet von der Zeit, in der der Alkohol sein Leben dominierte. Nach einem schweren Unfall war er ein Jahr lang auf Krücken angewiesen und währenddessen arbeitsunfähig. In dieser Zeit trank er viel.

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Seit zweieinhalb Jahren hat er eine eigene Wohnung.

„Mit einer Flasche Wodka und einer Kiste Bier am Tag hat’s angefangen. Ich wusste immer, dass ich ein Alkoholproblem hatte.“ Er trank aus Frust – denn auch mit seiner alten Firma gab es Probleme. „Ich wollte meine Sorgen wegtrinken“, sagt Siegfried. Dann steigerte sich der Alkoholkonsum zunehmend. Durch seine Sucht hat er einige Freunde verloren. „Sie waren nicht da, als ich sie gebraucht habe.“

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Und mittlerweile hat er auch seinen Führerschein wieder.

Jetzt ist er seit drei Jahren trocken. Seit einem halben Jahr arbeitet er in einer neuen Firma und hat sogar den Führerschein wieder. „Ich habe mein Leben wieder auf die Reihe gekriegt. Wenn du kein Geld mehr hast, bist du froh, Hilfe zu bekommen“, sagt der 48-Jährige.