Hatlerdorf hat wieder ein Lädele

Neuer Nahversorger öffnete am Montag seine Türen.
Dornbirn Es ist kurz nach 9 Uhr, als sich die Glastür des neuen V-Lädeles im Hatlerdorf fast im Minutentakt öffnet. Drinnen herrscht bereits reger Betrieb. Neugierige bleiben beim Vorbeifahren stehen, entdecken die Ballons und das Schild zur Neueröffnung – “der Käse ist sozusagen zurück im Hatlerdorf.” Viele wollten “nur schnell schauen”, bleiben dann aber doch länger und kaufen bereits fleißig ein. Denn was hier seit diesem Montag wieder spürbar ist, ist mehr als ein neues Geschäft – es ist ein vertrautes Gefühl, das im Hatlerdorf die vergangenen Monate gefehlt hat.

Vertraute Atmosphäre
Eine der ersten Kundinnen ist ausgerechnet Heidi Wohlgenannt. 19 Jahre lang hat sie im früheren Milchlädele gearbeitet, das im vergangenen Sommer schließen musste. Jetzt steht sie wieder hinter der Theke – diesmal als Besucherin. “Ich war einfach neugierig”, sagt sie und lächelt begeistert. Ein paar Sachen sind etwas anders, aber vieles ist auch geblieben, wie die Herzlichkeit, die im Laden ab der ersten Minute herrscht. “Genau das haben die Leute hier immer geschätzt”, sagt sie.

Dafür sorgen auch die kleinen Gesten. Mitarbeiterin Doris hat über 80 Schaumrollen selbst gebacken. Nach dem Einkauf werden sie als Geschenk verteilt, dazu gibt es auf Wunsch auch ein Gläschen selbst gemachten Eierlikör oder ein Schnäpsle zum Anstoßen. Grund zum Feiern gibt es allemal. Das finden auch die zahlreichen Kunden, die “ihr Lädele” schmerzlich vermisst haben.

Irmgard Amann (58) wohnt gleich in der Nähe. Für sie war klar, “ich muss gleich am ersten Tag vorbeikommen”. “Ich habe damals die Petition zum Erhalt des Milchlädeles unterschrieben”, erzählt sie. “Umso schöner ist es jetzt, dass es hier wieder einen Laden gibt. Regionale Produkte, frisches Brot und das persönliche Gespräch – das hat einfach gefehlt.”

An der Käsetheke warten Angela Planinger und Töchterchen Klara. Noch gibt es Fragen, manches läuft noch nicht ganz rund. “Aber wir haben ja erst aufgesperrt, das spielt sich schon noch ein”, so Mitarbeiterin Dorjoo. Die Kunden zeigen gerne Geduld. “Wir sind einfach froh, dass es wieder einen Laden in der Nähe gibt, denn wir lieben Käse”, sagt Planinger.
Quereinsteiger mit Käse-Know-how
Hinter dem neuen V-Lädele steht Christian Schmidt, der neue Geschäftsführer. Ein Quereinsteiger, aber kein Unbekannter in der Branche. Mit seiner Firma FSS GmbH betreut und repariert er Anlagen von Sennereien und Käsereien. Von der Schließung des Milchlädeles hat er im Radio gehört. Kurz darauf nahm er Kontakt mit dem Vermieterehepaar Haltmeyer und der Vorarlberg Milch auf. Nach mehreren Lokalaugenscheinen war für ihn klar: “Das könnte was werden.” Die Atmosphäre habe ihn überzeugt – ebenso das Potenzial, das bewährte Konzept in neuer Form weiterzuführen.

Das Sortiment kann sich sehen lassen: preisgekrönte Käse aus Vorarlberg, darunter auch der “Mountain-Rebell”, frisches Brot von der Luger-Bäckerei, Leberkäse von der Stadtmetzgerei, Nudeln vom Martinshof, Chutneys, Senf und Marmeladen aus dem Ländle. Dazu Kaffee to go und eine kleine Geschenkecke mit handgemachten Produkten von Shirin Gasser aus Höchst. “Wir stehen noch am Anfang und sind offen für Anregungen und gehen gern auf Wünsche ein”, so Schmidt. Auch personell könnte das Team noch wachsen, eine weitere Mitarbeiterin wird noch gesucht.
Am Eröffnungstag aber funktioniert das Trio bereits erstaunlich gut – mit Charme, Geduld und spürbarer Freude. Und für viele im Hatlerdorf ist klar: Das V-Lädele ist mehr als ein Geschäft. Es ist ein Stück zurückgewonnene Nachbarschaft. cth


