Stau auf der S16: Wie die Einheimischen und die Verkehrsposten den Ausweichverkehr erleben

An vier Samstagen im Februar gelten Auf- und Abfahrtssperren auf der S16. Verkehrsposten regeln den Ausweichverkehr durch das Klostertal, Einheimische kritisieren die Wirkung der Maßnahmen.
Innerbraz, Dalaas Es ist 11 Uhr und auf der S16 staut es sich talauswärts in Richtung Deutschland. Es ist Ferienzeit. An allen vier Samstagen im Februar treten deshalb Auf- und Abfahrtssperren auf der S16 in Kraft, so auch bei Braz Ost. Natascha Sulzer steht vor der verschlossenen Schranke. Die Auffahrt Richtung Innsbruck ist gesperrt, der Verkehr wird durch Dalaas geleitet.


Natascha regelt bereits das zweite Jahr den Verkehr im Klostertal, war jedoch im Vorjahr viel in Bludenz im Einsatz, da auch die Klarenbrunnstraße für den Durchzugsverkehr gesperrt ist. Unterstützt wird sie von Zlatan Jovanovic.


Die beiden Mitarbeitenden der Protector Sicherheitsdienst GmbH stehen jedoch nicht primär wegen uneinsichtiger Autofahrer, sondern wegen der Busse bei der Anschlussstelle Braz. Denn auf der L97 zwischen Braz und Dalaas liegt der Gasteltobeltunnel, der so eng ist, dass nur ein Bus hindurchpasst. Muss ein Reise- oder Landbus durch den Tunnel fahren, wird der Verkehr auf der anderen Seite angehalten, weshalb Natascha per Funk mit ihrem Kollegen in Kontakt steht.


„Die Verbotsschilder interessieren die Autofahrer nicht“
„Die fahren alle bei Wald am Arlberg ab, um dem Stau zu entkommen“, erklärt Natascha. In Richtung Tirol fahren viele Autofahrer schon bei der Ausfahrt Bludenz-Montafon ab. Aus ihrer Sicht müsste dort ein weiterer Verkehrsposten stehen, der die Autos wieder auf die S16 schickt. Einige Autofahrer missachten zudem die Durchfahrtverbotsschilder am Beginn der L97 (Klostertalerstraße). „Da kann man leider nichts machen“, sagt Natascha. „Von Jahr zu Jahr wird der Verkehr mehr.“ Es sei nicht möglich, den Ausweichverkehr zu unterbinden. „Die Verbotsschilder interessieren die Autofahrer nicht“, weiß die 40-Jährige aus Erfahrung.


„Wir begegnen immer mal wieder wütenden Leuten. Letztes Jahr haben wir noch oft ihren Ärger abgekriegt, aber mittlerweile akzeptieren sie uns“, sagt Natascha. Von 8 bis 18 Uhr steht Natascha auf der Brücke in Innerbraz. Es ist schattig. „Ich habe zwei Pullover und zwei Jogginghosen darunter an.“ Kalt ist ihr deshalb nicht. Wann die Sperren aufgelöst werden, entscheidet die Bezirkshauptmannschaft. Gegen Mittag ist meistens der Höhepunkt des Verkehrsaufkommens erreicht.


Das sagen die Dalaaser
Vor dem Ortseingang Dalaas regelt eine Dosierampel den Verkehr, damit sich Einheimische leichter auf die Landesstraße einfädeln können. Was denken die Dalaaser über die Abfahrtssperren auf der S16? Nicole Weger hält die Abfahrtssperren für „einen völligen Blödsinn“. Sie meidet es komplett, an diesen verkehrsreichen Samstagen mit dem Auto Richtung Bludenz zu fahren. „Es soll etwas anderes gemacht werden, vielleicht, dass man die ausländischen Kennzeichen nicht durch die Dörfer fahren lässt.“ Die Dosierampel sei zwar nicht schlecht, aber auch nicht die beste Lösung.


Der Stau auf der S16 stört Chiara Engstler nicht, sondern vielmehr der Stau auf der Hauptstraße durch das Dorf. Sie weiß aber auch, dass der Wintertourismus wichtig für die Region ist: „Ohne den Tourismus geht es auch nicht.“ Man spüre den Verkehr im Ort, wenn die S16 verstopft ist oder – wie kürzlich – nach einem Unfall gesperrt wird. „Dann haben wir mehr Verkehr auf der Landesstraße, und das ist dann ärgerlich“, sagt Chiara Engstler.

Für Matthias ist der Stau auf der S16 „einmal die Woche zu verkraften“. Er ist dennoch gegen die Abfahrtssperren, da diese für die Dörfer wirkungslos seien. „Die Sperren braucht es nicht, da sowieso Stau herrscht.“

„Die Maßnahmen sind am Ziel vorbeigeschossen.“ Simon hält ebenfalls nichts von den Abfahrtssperren. Mit der Dosierampel komme man zwar wenigstens in die Hauptstraße hinein, doch ansonsten seien die Maßnahmen nicht zielführend, sagt der Dalaaser. „Wenn ich einmal auf der L97 bin, dann bleibe ich da drauf.“ Da die Brazer Auffahrt gesperrt ist, müsse der Verkehr weiter über Land fahren. Selbst die Nebenstraße, in der er wohnt, sei beim letzten großen Anreisetag verstopft gewesen. An den verkehrsreichen Samstagen bleibe er daher lieber zu Hause.