Zu Besuch beim Dornbirner Flohmarkt: Zwischen Designertaschen, Buddha und Murmeltier

Dichtes Gedränge um kurz vor 8 Uhr: Beim Dornbirner Flohmarkt treffen Sammelleidenschaft, gute Stimmung und Kauflaune aufeinander – sehr zur Freude der Organisatoren.
Dornbirn Samstagvormittag, kurz vor 8 Uhr. Vor den Eingängen des Messequartiers Dornbirn gibt es kaum noch ein Durchkommen. Menschen stehen dicht an dicht, der Blick nach vorne gerichtet, bereit für den großen Moment, wenn sich die Tore öffnen. Einer von ihnen ist Paul Hämmerle, neun Jahre alt, routiniert wie ein alter Flohmarkt-Hase. Stolz präsentiert er seinen kleinen Geldbeutel, der an seinem Hals baumelt. Kleingeld, sauber sortiert. Große Scheine? Fehlanzeige. „Damit kann man besser handeln“, sagt er und verrät damit einen jener Tipps, die sonst nur unter langjährigen Schnäppchenjägern kursieren.


Gute Laune trotz dichtem Gedränge
Drinnen verteilt sich der riesige Andrang erstaunlich gut auf die Hallen, dennoch gilt: Wer vorne mitmischen will, braucht Geduld und eine gewisse Leidensfähigkeit. Besonders deutlich wird das in der Taschenabteilung. Kaum hebt Mitarbeiterin Gabriele Fink eine neue Kiste auf den Tisch, schnellen Hände nach vorne. „Wir haben auch einige richtig tolle Designertaschen im Sortiment“, verrät sie. „Es kommt mir fast ein bisschen vor wie bei einer Raubtierfütterung“, sagt sie lachend und beweist viel Geduld mit ihren Kundinnen. Das ist „Service á la Dornbirner Flohmarkt“, denn alle, die hier arbeiten und helfen, tun das aus Überzeugung. Währenddessen lassen die Damen nicht locker. Jedes Stück wird begutachtet, gedreht, geprüft, weitergereicht.


Jedes Jahr besondere Fundstücke
Ein paar Meter weiter geht es etwas beschaulicher zu. In der Dessous-Abteilung von Klaus Wucherer und seinem Team wird nicht gedrängelt, sondern gestaunt. Zwischen Spitzen und Nachtwäsche präsentiert er eine echte Kuriosität – eine Playboy-Ausgabe aus dem Jahr 1986 mit Kim Basinger auf dem Titelbild. „Eine Rarität, die man nur bei uns findet“, sagt Wucherer stolz. Gleich gegenüber, in der Boutique, verkauft Dornbirns ehemalige Bürgermeisterin Andrea Kaufmann für ein Wochenende mit großer Begeisterung Designermode und in der Krims Krams-Abteilung findet man Mountainbike-Ass Lisa Feuerstein als Fachverkäuferin für originelle Deko-Objekte. So etwas macht nur Österreichs größter Flohmarkt möglich.


Viele Besucher finden hier Dinge, nach denen sie lange gesucht haben. Andere stolpern über Stücke, die man eigentlich nicht braucht, aber irgendwie sofort haben muss. Besucher Paul gehört zur zweiten Gruppe. Stolz zeigt er seine Errungenschaft des Tages: ein Murmeltier mit Perücke und Perlenkette. 50 Euro habe er dafür bezahlt, erzählt er, „und gleichzeitig etwas für den guten Zweck getan.“ Der Dornbirner Flohmarkt ist nämlich mehr als ein Ort des Kaufens. Über 700 Ehrenamtliche haben seit Jahresbeginn gesammelt, sortiert, repariert und aufgebaut. Jeder Euro aus dem Reinerlös fließt in soziale Projekte.

Feilschen und Glücksgefühle
Am Deko-Stand verhandeln Stefan und Renate derweil über einen Buddha-Brunnen. Die alte Figur im Garten sei kürzlich zerbröselt, erklären sie. Man einigt sich, lacht und zieht als stolzes Buddha-Besitzerpaar weiter.


Kurz nach 10 Uhr begegnet uns Paul Hämmerle noch einmal. Seine Zwischenbilanz – ein 3D-Puzzle und sechs Pack Jasskarten für einen Euro. Da lacht das Schnäppchenherz. Und auch das von Flohmarkt-Chef Sunny Fäßler, der kurz vor 11 Uhr bereits ein positives Resümee der 51. Ausgabe ziehen kann: „Die Stimmung ist super, die Leute sind gut drauf, es wird fleißig eingekauft“, verrät er. „Überall sieht man strahlende Gesichter, was will man mehr!“ Dann zieht er weiter, es gibt noch viel zu tun, bevor am Sonntagmittag die Tore schließen. cth




