Streiflicht: Wegmarken
Kalender sind zuverlässig. Manche halten mit der Tischversion ein Stück Privatsphäre fest, obwohl oder gerade, weil digitale Kalender sich leicht teilen lassen. Andere tragen ledergebundene Organizer wie Statussymbole vor sich her. Die vollgekritzelten Kalenderblätter entpuppen sich später als das Tagebuch, das zu führen man nie die Zeit fand. So erinnern sie ein zweites Mal.
Aktuell mahnen sie: Achtung, 14. Februar – Valentinstag! Oder sie schenken Lichtblicke: 20. März – Frühlingsbeginn. Manchmal verbinden sie beides: 18. Februar – Aschermittwoch und Heringsschmaus. Wie punktuell wir unser Leben doch takten! Für alles gibt es einen Tag: Die Partnerin lieben, Mutter und Vater ehren, die Uhr umstellen, Eier suchen. Wer den Kalender führt, hangelt sich an Wegmarken entlang. Er vergisst nichts. Nie mehr. Das entlastet ungemein.
Wie gut der organisierte Mensch die Zeit zwischen den Wegmarken füllt, bleibt ihm überlassen. Dass der Aschermittwoch die Fastenzeit eröffnet, verschweigt der Kalender. Erst im April deutet er an, dass man eben 40 Tage der Entbehrungen durchlitten hat. Das kommt dann reichlich spät. Aber wer würde ihm das übel nehmen?
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