Streit um Finanzpolitik in Vandans: Gemeinderat Wachter kritisiert Bürgermeister Küng

VN / 18.02.2026 • 07:00 Uhr
Streit um Finanzpolitik in Vandans: Gemeinderat Wachter kritisiert Bürgermeister Küng
Bürgermeister Florian Küng (l.) und Gemeinderat Armin Wachter (r.) sind in vielen Dingen unterschiedlicher Auffassung. VN/JUN

Hohe Verschuldung, kostspielige Studien und pausierte Bauvorhaben sorgen in Vandans für politische Spannungen. Bürgermeister und Gemeinderat widersprechen einander deutlich.

Vandans In Vandans ist eine politische Auseinandersetzung um die Finanzpolitik der Gemeinde entbrannt. Gemeinderat Armin Wachter (An frischa Loft – parteiunabhängige Liste Vandans) kritisiert die Vorgehensweise von Bürgermeister Florian Küng. Die Gemeinde sei seit Jahren hoch verschuldet und könne sich nur noch das Nötigste leisten. Trotzdem gebe sie teure Studien in Auftrag und lasse gemeindeeigene Gebäude jahrelang leer stehen. „Küng soll reflektieren, was er falsch gemacht hat“, fordert Wachter mehr Selbstreflexion vom Bürgermeister.

Bürgermeister Florian Küng
Bürgermeister Florian Küng weist die Kritik entschieden von sich.

80.000 Euro habe die Gemeinde für eine Studie für ein Kinderhaus ausgegeben, das nie gebaut worden sei, beanstandet Wachter. Küng korrigiert den Betrag auf 35.000 Euro. Da sich die Rahmenbedingungen grundlegend geändert hätten, sei ein Neubau des Kinderhauses nicht notwendig geworden. Es sei daher konsequent und verantwortungsvoll, zunächst den Bestand optimal zu nutzen und zu erweitern, bevor ein kostspieliger Neubau umgesetzt werde, erklärt Küng. Die Studie habe geholfen, kosteneffiziente Alternativen zu identifizieren.

Hotel statt Seniorenheim

Auch dass das Seniorenheim laut Wachter bereits seit sieben Jahren leer stehe und keine Einnahmen bringe, stimmt laut Küng nicht. Bis 2023 sei es wirtschaftlich genutzt worden und habe rund 200.000 Euro eingebracht. Eine Baufirma habe das Gebäude als Arbeiterunterkunft gepachtet und damit stabile Mieteinnahmen gesichert sowie gleichzeitig den Bestand geschont. Nach Ablauf der Pacht 2023 habe die Gemeinde eine Hotelstudie in Auftrag gegeben, um die touristische Nutzung an diesem Standort zu prüfen. „Wir sind uns bewusst, dass derzeit ein ungünstiger Zeitpunkt für Hotelprojekte herrscht. Wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage melden sich nur wenige Investoren oder Projektentwickler“, teilt Küng mit. Die Gemeinde sei derzeit auf der Suche nach einem Betreiber.

Ehemaliges Seniorenheim in Vandans, Machbarkeitsstudie
Das ehemalige Seniorenheim stand nicht sieben Jahre leer, so Küng.

Sicherheitszentrum liegt auf Eis

Wachter kritisiert zudem fünf Studien, die bereits für das Sicherheitszentrum mit Feuerwehr und Bergrettung in Auftrag gegeben worden seien. Auch dieses Projekt liege derzeit auf Eis. Der Neubau eines Sicherheitszentrums beschäftigt die Gemeinde Vandans seit vielen Jahren. „Als ich Anfang 2020 das Amt übernommen habe, ging ich davon aus, dass sich die finanzielle Situation mit dem Auslaufen älterer Kredite verbessern würde. Damals konnte niemand die sich von Jahr zu Jahr verschlechternden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen voraussehen“, so Küng. Da derzeit keine Besserung des Gemeindehaushalts absehbar sei und „wir uns voll auf den laufenden Betrieb und priorisierte Investitionen konzentrieren müssen“, habe die Gemeinde das Projekt verschoben.

Kein „zweckfreier Studienwahn“

Die fünf genannten Studien dienten keinem „zweckfreien Studienwahn“, sondern einer „verantwortungsvollen Klärung der zentralen Standort- und Machbarkeitsfragen“, so Küng. Dabei seien insbesondere Hochspannungsleitungen, Raumbedarf, Einsatzabläufe, rechtliche Vorgaben und raumplanerische Potenziale berücksichtigt worden. Acht bis neun Millionen Euro würde das Sicherheitszentrum laut Wachter kosten, doch dafür fehle das Geld. Einsparungspotenziale gebe es keine mehr. Heuer müsse die Gemeinde 1,2 Millionen Euro neue Schulden aufnehmen. „Das Projekt liegt nicht versunken, sondern strategisch geparkt, bis wir wieder finanziellen Spielraum haben“, betont Küng.

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Armin Wachter kritisiert die mangelnde Selbstreflexion des Bürgermeisters.

Radwegstudie

Die Radwegstudie und die Studie zur Ortszufahrt Vens hätten laut Wachter ebenfalls jeweils 20.000 Euro gekostet, „wissentlich, dass die Vorhaben finanziell nicht möglich sind“. Dazu sagt Küng: Die Studie zur Ortszufahrt Vens werde tatsächlich nicht weiterverfolgt, da sie nicht finanzierbar sei. Sie habe jedoch sachliche Grundlagen und wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Planungen des Straßennetzes in Vandans geliefert. Die Studie zur Landesradwegroute über Böschis werde hingegen fortgeführt, sofern sie vom Land gefördert und gemeinsam mit den Gemeinden Lorüns und St. Anton umgesetzt werde. Die Studie zeigt einen attraktiven, flachen Verlauf der Radroute ohne Beeinträchtigung anderer Verkehrsteilnehmer. Im nächsten Schritt werde der Korridor festgelegt und das Projekt beim Land eingereicht.

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Auch die Rätikonhalle sorgt weiter für Diskussionen. Wachter bezeichnet sie als „Wunschkind“ der Mehrheitsliste und kritisiert, ein Alternativkonzept mit Integration der Volksschule sei nicht berücksichtigt worden. Küng verweist darauf, dass dieses Modell 2016 geprüft und aus technischen sowie funktionalen Gründen verworfen worden sei. Rückblickend sieht er keinen Fehler in der damaligen Entscheidung.

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