Das lange Warten auf ein zweites Leben

Rene Leimegger braucht dringend ein neues Herz, eine neue Leber und Nieren. Seit über einem Jahr ist er als „hoch dringlich“ gelistet – und hofft auf den entscheidenden Anruf.
Feldkirch Dreimal die Woche hängt Rene Leimegger am Dialysegerät. 96 Liter Blut fließen während dieser acht Stunden durch die Schläuche und werden dabei von Giftstoffen gereinigt. Rene Leimeggers Nieren funktionieren nicht mehr. Doch das ist bei Weitem nicht seine einzige Sorge. Der Wolfurter hat einen angeborenen Herzfehler, eine Missbildung des Herzens. Die daraus resultierende Herzschwäche verursachte Schäden an der Leber. Jetzt braucht er dringend ein neues Herz und eine neue Leber, und zwar in einer gemeinsamen Operation. Die Nierentransplantation kann dank der Dialyse nach hinten geschoben werden. Primar Dr. Emanuel Zitt, Abteilungsleiter der Dialyse, erklärt: „Das Herzproblem hat das Leber- und Nierenproblem verursacht.“

Seit über einem Jahr muss Rene Leimegger zur Dialyse. Zum Jahreswechsel 2024/25 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand aufgrund eines Darmdurchbruchs drastisch. Ab diesem Zeitpunkt funktionierten die Nieren nicht mehr richtig. Eine Blutvergiftung war die Folge. Sieben Monate lang lag er auf der Intensivstation. Oberarzt Dr. Wolfgang List, der auch lokaler Transplantationsbeauftragter ist, erinnert sich noch gut an die Zeit: „Da ging es ums Überleben.“
Nie die Hoffnung aufgeben
Rene Leimegger hat die durchschnittliche Wartezeit auf ein Spenderherz längst überschritten, da er aufgrund seiner besonderen Situation zwei Organe gleichzeitig benötigt. Ein Herz hätte er schon bekommen können, doch die Leber passte nicht. Seit über einem Jahr ist er als „hoch dringlich“ gelistet. Der Familienvater hat Phasen, in denen es ihm schlechter geht, doch er ist ein positiver Mensch, der die Hoffnung nicht aufgibt. „Ich glaube daran, dass sich etwas finden wird.“

In den acht Stunden, in denen Rene Leimeggers Blut durch die Schläuche fließt, schaut er sich Olympia an. An das Krankenhaus wird er sich dennoch nie gewöhnen. „Meine Frau sagt, dass Sterben keine Option sei.“ Für seine Familie sei sein Tod viel schwieriger zu verkraften als für ihn selbst. „Sie müssen ja danach damit weiterleben“, meint er.
Keine Angst vor dem Tod
Angst vor dem Tod hat er keine. Im besten Fall wacht er nach der Operation einfach nicht mehr auf. Er hat nur Angst vor dem „Dahinsiechen“, davor, sein Leben nicht mehr so gestalten zu können, wie er es gerne hätte. Zurzeit ist er stark eingeschränkt, selbst Reisen sind nicht möglich. „Ich bin von meiner Familie abhängig und falle ihnen zur Last“, räumt er ein.

An guten Tagen verbringt Rene Leimegger seine Zeit gerne in seiner Werkstatt und arbeitet dort mit Holz, obwohl er eigentlich Informatiker ist. „An schlechten Tagen liege ich nur faul herum“, sagt er. Wenn er mit dem Hund Gassi geht, schafft er gerade einmal 500 Meter, bevor er sich hinsetzen muss. Trotz seines Herzproblems war er sein Leben lang sportlich. „Ich bin früher Rad und Ski gefahren.“
Jederzeit kann das Handy klingeln und ein Anruf aus Wien kommen, denn es gibt nur in Innsbruck, Graz, Linz und Wien jeweils ein Transplantationszentrum. Seine OP ist in Wien geplant. Laut Emanuel Zitt warten allein 36 Menschen in Vorarlberg auf eine Niere, Dialysepatienten gibt es jedoch 225. Daraus folgt, dass nicht jeder Dialysepatient für eine Transplantation geeignet ist. „Viele Patienten haben hinderliche Begleiterkrankungen oder sind zu alt und deswegen nicht geeignet“, sagt Zitt. 2024 wurden österreichweit 319 Nieren transplantiert – damit ist die Niere das am häufigsten transplantierte Organ.

Im Zweifelsfall dagegen
In Österreich gilt: Wer sich nicht aktiv gegen eine Organspende äußert, stimmt einer Organspende automatisch zu. Widersprechen kann man durch einen Eintrag in das Widerspruchsregister. Wolfgang List appelliert, den eigenen Wunsch auch mit der Familie zu besprechen. Oft wissen Angehörige nicht, was der Verstorbene gewollt hätte, und lehnen im Zweifel ab. „Eine Spende gegen Widerstand machen wir nicht“, sagt er. In Vorarlberg gibt es jährlich sechs bis zwölf Organspender, die Ablehnungsrate liegt bei 30 Prozent.

Rene Leimegger muss aufgrund seines Herzproblems doppelt so lange an die Dialyse wie andere Patienten. Eine schnellere Dialyse würde sein Kreislauf nicht verkraften. Am Anfang musste er noch jeden Tag ins Spital, jetzt hat Rene Leimegger immerhin krankenhausfreie Tage. Der Ausblick, wieder ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, gibt ihm Kraft. Wenn er die Transplantation überstanden hat, kann er – und darauf freut er sich am meisten – endlich wieder als Informatiker arbeiten.