Zwei Jahre Tempo 30 in Lustenau: Das sagen die Anrainer

VN / 22.02.2026 • 06:00 Uhr
Knapp zwei Jahre nach der Einführung von Tempo 30 bleiben an vielen Stellen in der Marktgemeinde die Verkehrsprobleme bestehen.
Knapp zwei Jahre nach der Einführung von Tempo 30 bleiben an vielen Stellen in der Marktgemeinde die Verkehrsprobleme bestehen. Bernadette von Sontagh

Anwohner ziehen ernüchternde Bilanz.

Lustenau Vor knapp zwei Jahren beschloss der Gemeindevorstand in Lustenau, Tempo 30 als neue Regelgeschwindigkeit im Ortsgebiet einzuführen. Einige Straßen wurden von dieser Regelung ausgenommen, dort gilt weiterhin Tempo 40. Zwei Jahre nach der Einführung haben die “VN” bei Anwohnern nachgefragt, wie die Tempolimits angenommen und ob sie aus ihrer Sicht eingehalten werden. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Otto König merkt an, dass außer den neuen Tafeln und Bodenmarkierungen, kaum eine Veränderung eingetreten ist.
Otto König merkt an, dass außer den neuen Tafeln und Bodenmarkierungen kaum eine Veränderung eingetreten ist.

Tempolimits werden häufig missachtet

“Wir haben in Lustenau vier verschiedene Tempolimits: Von 20 bis 50 km/h ist alles dabei. Das ist ein einziges Durcheinander”, kritisiert Anwohner Otto König (88). Besonders in der Hofsteigstraße beobachtet er, dass sich nur wenige an Tempo 30 halten. Trotz zahlreicher neuer Schilder und Bodenmarkierungen habe sich nichts verändert. Auch Monika Fitz, die an der Ecke Hofsteigstraße/Hagenmahd wohnt, beklagt die mangelnde Einhaltung der Tempolimits: “Ich kann mein Kind hier nicht allein über die Straße zum Schulbus gehen lassen.” Besonders problematisch sei, dass Autos bei Gegenverkehr auf den abgeflachten Gehsteig ausweichen. Sie sieht darin das größte Problem. Selbst mit Warnweste und blinkenden Lichtern ausgestattet, werde sie vielmals ignoriert. Fitz betont: “Ob 30 oder 40 km/h: Die Geschwindigkeitsbegrenzungen müssen eingehalten werden.”

Monika Fitz berichtet von keiner Veränderung an der Hofsteigstraße. Dort fahre man noch immer zu schnell und weiche auf die Gehsteige aus.
Monika Fitz berichtet von keiner Veränderung an der Hofsteigstraße. Dort fahre man noch immer zu schnell und weiche auf die Gehsteige aus.

Hoher Bordstein als mögliche Lösung

Monika wünscht sich einen durchgängigen und erhöhten Gehsteig auf einer Straßenseite, um Fußgänger besser vor ausweichenden Autos zu schützen. Dadurch würden die Autos automatisch langsamer fahren müssen, da ein Ausweichen auf den Gehsteig nicht mehr möglich sei. Unterstützung erhält sie von Anrainerin Jessica Rhomberg: “Das Grundproblem bei der Tempodiskussion ist der fehlende hohe Gehsteig.” Auch Anwohnerin Claudia empfindet die Straße als viel zu gefährlich. Sie bringt ihr Kind täglich in den Kindergarten, alleine dorthin gehen darf es nicht. Zu gefährlich. “Viele weichen auf den Gehsteig aus. Je breiter die Straße wirkt, desto schneller fahren sie. Die abgeflachten Gehsteige verstärken dieses Gefühl.”

Tobias Kögl (FPÖ), Obmann des Mobilitätsausschusses der Marktgemeinde, erklärt: “In den kommenden Monaten wird evaluiert, ob die Temporeduktion bestehen bleibt oder einzelne Straßen wieder auf Tempo 40 angehoben werden.”

Die schmalen Straßen im Ried sind nicht für LKWs gemacht. (Quelle: Enrico)
Die schmalen Straßen im Ried sind nicht für LKWs gemacht. Enrico

Verkehrsverlagerung in die Zellgasse

Durch die Einführung von Tempo 30 hat sich der Durchzugsverkehr zunehmend in die Zellgasse verlagert. “Wir merken, dass Google Maps die Zellgasse als schnellste Verbindung ausweist”, berichtet Amelie Merten von der “Initiative Sichere Zellgasse”. Rund 16.000 Fahrzeuge passieren täglich die Landstraße, auf der weiterhin Tempo 50 gilt. Diese Straße ist eine wichtige Verbindung ins Industriegebiet, in die Schweiz und zur Autobahnauffahrt nach Wolfurt. Zum Vergleich: Am Arlberg sind es zu Spitzenzeiten bis zu 20.000 Fahrzeuge täglich. “Ich fahre nur noch durch die Hofsteigstraße, wenn ich durchs Ried muss, da in der Zellgasse fast täglich ein LKW in der viel zu schmalen Straße feststeckt”, erklärt Merten. Trotz mehrerer Initiativen der Anwohner für mehr Verkehrssicherheit habe sich nichts getan: “Wir haben keinen Zebrastreifen, kein Licht, keinen Fahrradstreifen, aber viel mehr Verkehr”, kritisiert sie. Auch Anrainerin Karin Bitschnau fordert eine Lösung: “Die Zellgasse sollte als schnellste Verbindung aus den Navigationssystemen gelöscht werden. Die Straße ist zu schmal für das Verkehrsaufkommen.” Zwei Jahre nach Einführung des Tempolimits ist die erhoffte Verkehrsberuhigung vielerorts ausgeblieben. Die Forderung nach wirksamen Maßnahmen bleibt bestehen. BVS

Die Zellgasse wird im Navi als schnellste Route angeführt. Fast täglich bleiben viel zu große Busse und LKWs stecken. (Quelle: Enrico)
Die Zellgasse wird im Navi als schnellste Route angeführt. Fast täglich bleiben viel zu große Busse und LKWs stecken. Enrico
In der Hofsteigstraße brechen auf den abgeflachten Gehsteigen bereits Pflastersteine heraus.
In der Hofsteigstraße brechen auf den abgeflachten Gehsteigen bereits Pflastersteine heraus.
Der Gehsteig wird von vielen als erweiterte Fahrbahn genutzt. Dadurch können die Autos schneller fahren. Für Fußgänger ist dies brandgefährlich.
Der Gehsteig wird von vielen als erweiterte Fahrbahn genutzt. Dadurch können die Autos schneller fahren. Für Fußgänger ist dies brandgefährlich.