Martinskapelle an der Strass

VN / 24.02.2026 • 16:24 Uhr
Die Martinskapelle in Lech stand früher auf der anderen Straßenseite (Foto: OS)
Die Martinskapelle in Lech stand früher auf der anderen Straßenseite.Otto Schwald

Die Kapelle sollte die Lecher Parzelle auch vor Wassergefahren beschützen.

Lech An der nördlichen Ortsausfahrt von Lech befindet sich unmittelbar nach der Brücke über den Lech an der rechten Seite der Bundesstraße nach Warth eine kleine, dem Hl. Martin geweihte Kapelle. Sie steht hier allerdings erst seit dem Ende des 20. Jahrhunderts, nachdem Pfarrer Franz Eberle an die Gemeinde herangetreten war, die Kapelle von der tiefer liegenden, feuchten Umgebung auf der anderen Straßenseite an den heutigen Standort zu versetzen.

Der mit großen, unregelmäßigen Steinplatten ausgelegte Innenraum ist in seiner schlichten Innenausstattung ganz auf den Altar ausgerichtet. Dieser besteht aus groben Steinen und ist mit einer Marmorplatte abgedeckt. Darauf steht das Prunkstück der Kapelle, ein geschnitzter, aus unbekannten Gründen nicht gefasster Barockaltar aus dem 18. Jahrhundert. Der Altaraufbau, der auf einem von einem Putto und zwei Engelsköpfen getragenen Sockel steht und der seitlich von Akanthusranken begrenzt ist, weist vier gewundene Säulen auf, in deren drei Achsen sich drei Statuen befinden. Im Zentrum steht eine Figur der Muttergottes mit Jesukind, sie wird links flankiert vom Hl. Martin, dem Patron des kleinen Kirchleins, und rechts vom Hl. Leonhard. Im Aufsatz des Altars befinden sich zwischen zwei Putti die Figuren von Christus und Gottvater. Von der Ausführung her wird der künstlerisch hochwertige Altar der Werkstatt der Imster Künstlerfamilie Witwer zugeschrieben. Für die Hauptfiguren dürften die Brüder Josef und Josef Klemens Witwer zuständig gewesen sein, die restliche Ausführung dürfte von anderen Mitgliedern dieser Werkstatt stammen.

Der wunderschöne geschnitzte Altar aus dem 18. Jahrhundert (Foto: OS)
Der wunderschöne geschnitzte Altar aus dem 18. Jahrhundert.

Errichtet wurde die Kapelle vermutlich schon im 17. Jahrhundert, obwohl die Jahreszahl 1723 unter dem Vordach auf eine spätere Errichtung hinweist. Im 18. Jahrhundert war zur Zeit der josephinischen Kirchenreform auch dieses kleine Gotteshaus wie so viele Kapellen von der Sperrung bedroht. Ihr Kapital betrug im Jahr 1784 bescheidene 40 Gulden, ihr Wert wurde allerdings auf 4.000 Gulden geschätzt. Als die Sperrung 1786 unmittelbar bevorstand, konnte sie im letzten Moment verhindert werden, wohl auch deshalb, weil man anscheinend vermitteln konnte, dass zwei Häuser in der Nähe des geistigen Beistands bedurften.

Der rechteckige, gemauerte Sakralbau ist nordwestseitig über eine vergitterte Holztür zugänglich. Über dem Portal befindet sich in einer Nische eine Figur des Hl. Nepomuk aus dem 18. Jahrhundert. Dies kann als Hinweis dafür gesehen werden, dass der Ortsteil Strass immer wieder von Wassergefahr bedroht war, weil in unmittelbarer Nähe der heutige Gipsbach, ehemals Burgbach, in den Lech mündet. Der Brückenheilige Johannes Nepomuk sollte die Anwohner also vor drohenden Gefahren beschützen. Der Innenraum des kleinen Gotteshauses hat zwei Seitenfenster und wird von einer Holztonnendecke, die mit Blumen- und Zahnschnittleisten verziert und umrandet ist, nach oben begrenzt. Darüber befindet sich ein steiles, holzgeschindeltes Satteldach, auf dem allerdings ein Dachreiter fehlt. OS