Wenn die Worte verloren gehen

VN / 25.02.2026 • 10:30 Uhr
Sarah Bührle hat sich auf die Therapie von Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen spezialisiert, die durch neurologische Erkrankungen verursacht werden.
Sarah Bührle hat sich auf die Therapie von Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen spezialisiert, die durch neurologische Erkrankungen verursacht werden.Heidrun Joachim

Sarah Bührle begleitet Menschen auf dem Weg zurück in die Kommunikation.

Höchst Sie sitzt am Tisch in ihrer Höchster Praxis. Wärme und Herzlichkeit strömen sie aus. Vielleicht ist es ihr Lächeln. Vielleicht ihr offener Blick, der das Gefühl gibt: Dieser Frau darf man vertrauen. Und Vertrauen ist wichtig für Menschen, die zu Sarah Bührle kommen. Sie arbeitet als Logopädin und therapiert Patientinnen und Patienten, deren Sprechen, Verstehen, Schlucken oder Stimme durch eine neurologische Erkrankung beeinträchtigt ist – etwa nach einem Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma. In den speziellen Therapien steht für Sarah nicht nur die Symptombehandlung im Fokus. Sie betrachtet den Menschen ganzheitlich, begleitet ihn auf dem Weg zurück in die Kommunikation mit hoher Sensibilität. “Die Menschen müssen spüren, dass sie bei mir unsicher sein dürfen und sich nicht schämen müssen, wenn Sätze abbrechen oder Worte fehlen”, erklärt die 37-Jährige.

Aufgewachsen ist Sarah mit zwei Brüdern in einem liebevollen Umfeld. Nach der Schulzeit liebäugelte sie mit einem Beruf im Sozialbereich. “Aber irgendwie habe ich keinen Zugang gefunden”, erzählt sie. Also entschied sie sich für eine Ausbildung zur Bürokauffrau, später arbeitete sie bei einer Bank. Ein Job mit klaren Abläufen und Zahlenkolonnen.

Die Logopädin zeichnet sich durch Fachwissen sowie Empathie und Feingefühl aus.
Die Logopädin zeichnet sich durch Fachwissen sowie Empathie und Feingefühl aus. jh

Spurwechsel

Dann kam der Bruch. Eine Knieverletzung entwickelte sich zu einer langwierigen Odyssee. Mehrere Operationen, Reha. In dieser Zeit lernte sie die andere Seite des Systems kennen. Sie erlebte, wie es sich anfühlt, im Spitalsbett zu liegen, auf Diagnosen zu warten. Sie erlebte gute Gespräche – und solche, die sprachlos machten. Sie erkannte, wie verletzlich man wird, wenn der eigene Körper nicht mehr selbstverständlich funktioniert. Und hörte gerade während der Reha-Aufenthalte von Mitpatienten, wie lange die Wartezeiten für manche Therapien sind. Diese Erfahrungen ließen sie erkennen, dass der Bankenjob nicht richtig für sie ist. Gespräche mit ihrem damaligen Freund und heutigen Ehemann Michael bestärkten sie darin, die Spur zu wechseln. Ihr Weg führte sie, 22-jährig, an die Fachschule für Logopädie nach Friedrichshafen. Nach Abschluss im Jahr 2014 sammelte sie erste Berufserfahrungen im Spital Grabs (Schweiz). “Ich durfte in allen Behandlungsfeldern aktiv werden.” Neben dem praktischen Wissensfundus absolvierte sie viele Fortbildungen – bis sich Familiennachwuchs ankündigte. “Samia vervollständigte unsere Familie und schon ein Jahr später machte Silas unser Glück perfekt.”

Sarah hat nach der Fachschulzeit viele Fortbildungen absolviert. JH
Sarah hat nach der Fachschulzeit viele Fortbildungen absolviert. JH

Die junge Mutter wollte zurück in ihren Beruf, den sie als Berufung ansieht. Ihr Ehemann und ihre Eltern unterstützten sie dabei. Sie erhielt eine Anstellung als Logopädin im aks Neurologische Reha Vorarlberg und übernahm die Logo-Leitung. Als mobile Therapeutin behandelte sie Patienten in deren häuslichem Umfeld.

“Ich bin unendlich dankbar für meinen Beruf und für meine wunderbare Familie.”

Sarah Bührle, Logopädin

Nach vier Jahren im mobilen Dienst ging es nach Grabs zurück. “Ich wollte mehr Patienten behandeln und weniger Fahrzeit haben”, erklärt sie. Dann tat sich 2025 in ihrem Heimatort eine Chance auf, von der sie seit Jahren träumte: Es wurde ihr die Möglichkeit geboten, eine eigene Praxis zu eröffnen. “Die Wartelisten für Logopädie-Therapien sind lang, gerade im Erwachsenenbereich.” Und da die Höchsterin lieber tut als jammert, ergriff sie die Chance und arbeitet seit dem jüngsten September selbstständig.

Sarah nimmt aus ihrer Praxis mehr mit nach Hause als Akten. Sie trägt die Geschichten ihrer Patientinnen und Patienten im Herzen – deren Ängste, Frustration, aber auch deren Mut. Sie freut sich über jeden noch so kleinen Fortschritt, weil sie weiß, wie viel Kraft das kostet. JH

ZUR PERSON

SARAH BÜHRLE
GEBOREN 18. Jänner 1989
WOHNORT Höchst
BERUF Logopädin
FAMILIENSTAND verheiratet, zwei Kinder
HOBBYS Beruf, Lesen, Wandern, Geigenspiel
KONTAKT www.die-neurologopädin.at

Hauptziel der Logopädin ist es, die Kommunikationsfähigkeit der Patienten zu verbessern  – und damit deren Lebensqualität zu steigern.
Hauptziel der Logopädin ist es, die Kommunikationsfähigkeit der Patienten zu verbessern – und damit deren Lebensqualität zu steigern. jh