Mit Blitzer-Attrappe und Schildern: Lustenauer Anrainer rücken Rasern und Lkw zu Leibe
Eine Radar-Attrappe im Garten von Kurt Hagen sorgte nur kurze Zeit für langsamere Autos.Bernadette von Sontagh
Lustenau Wenn Kurt Hagen im Arbeitszimmer seines Hauses sitzt, hat er die Staldenstraße stets im Blick. „Die lange Gerade lädt zum Schnellfahren ein. Wer von der Neudorfstraße in die Staldenstraße einbiegt, fühlt sich wie auf einer Autobahn“, berichtet er. Während in der angrenzenden Hofsteigstraße Tempo 30 gilt, dürfen Autofahrer auf der Staldenstraße weiterhin 40 km/h fahren, für Familie Hagen unverständlich. Hinzu kommt, dass immer wieder Lkw das Fahrverbot in die Holzmühlestraße missachten. „Es ist ein Wunder, dass hier noch niemand verletzt wurde. Wir wollen nicht warten, bis etwas passiert“, betont seine Frau Alice Hagen-Canaval.
René Schreiber von der Sicherheitswache und Tiefbauleiter Nicholas Hofer beruhigen: „Wir haben ein Gutachten zur Hofsteigstraße und zur Anschlussstelle Staldenstraße in Auftrag gegeben. Dass es punktuelle Verbesserungen braucht, steht außer Frage“, sagt Hofer.
Auch LKWs nutzen häufig diese Straße, wodurch es oft zu gefährlichen Situationen kommt. Hagen
Eigeninitiative der Anwohner
Kurt Hagen bezeichnet die Staldenstraße als „heimliche Ostumfahrung“ Lustenaus. „Die Autos kommen von der Sägerstraße, fahren über die Weiherstraße, kürzen über die Holzmühlestraße ab und nutzen dann die Staldenstraße weiter bis zur Rotkreuzstraße“, erklärt er. Das Verkehrsaufkommen sei enorm und steige stetig. Während sich daran wenig ändern lasse, sieht Hagen bei den Bedingungen auf der Straße durchaus Handlungsspielraum. „Es wurden zwar viele neue Schilder angebracht, doch da kaum kontrolliert wird, hält sich niemand an die Tempolimits. Es herrscht da irgendwie Anarchie“, kritisiert er.
Vor seinem Haus hat Kurt Hagen ein Schild angebracht, dass auf die Ausfahrt des Hauses aufmerksam macht.
Um die Autofahrer zum Bremsen zu bewegen, stellte Hagen vergangenen Frühling eine Radar-Attrappe aus einem Baurohr in den Vorgarten. „Zwei Wochen lang war es tatsächlich ruhiger, bis es sich herumgesprochen hatte, dass es sich nur um eine Attrappe handelt“, erzählt er schmunzelnd. Als dies nicht von Dauer war, brachte er zusätzliche Verkehrstafeln an, um auf Gefahrenstellen aufmerksam zu machen. „Vor unserem Haus steht jetzt ein Schild mit dem Hinweis ‚Achtung Ausfahrt‘, ein weiteres warnt vor einer Fahrbahnverengung.“ Allerdings musste er auf Anweisung der Polizei eines der Schilder versetzen. Bei Gegenverkehr von Lkw, Bussen und Traktoren werde regelmäßig auf die abgeflachten Gehsteige ausgewichen, statt langsamer zu fahren.
Besonders unter der Woche ist der Verkehr stark angestiegen und wird von vielen als kürzeste Route gewählt. Hagen
Frust über w Unterstützung
„Wir haben Dutzende E-Mails geschrieben, verändert hat sich nichts“, berichtet Kurt Hagen. Die Familie wünscht sich Pfosten oder eine Leitlinie in der Straßenmitte sowie eine generelle Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h. Auch das Problem mit Lkw, die trotz Fahrverbot die Holzmühlestraße nutzen, ist ungelöst. „Fahrzeuge über 3,5 Tonnen dürfen hier nicht von der Staldenstraße in die Holzmühlestraße fahren. Ich fotografiere die Verstöße und melde sie der Behörde, das zeigt wenigstens langsam Wirkung“, sagt Hagen. Einige Lkw-Fahrer meiden inzwischen die Strecke. Unverständlich bleibt für Familie Hagen-Canaval, weshalb ihre Anliegen bisher kein Gehör finden. „Es heißt immer, Bürger sollen sich einbringen. Aber wenn man Missstände anspricht, stößt das nicht immer auf Gegenliebe“, so Kurt Hagen.
Das Schild, dass auf die Straßenbahnverengung hindeutet, wurde im Nachhinein angebracht. Dieses wurde anfangs von ihm kurz vor seinem Haus aufgestellt..
„Wir wissen, dass es in der Staldenstraße eine punktuelle Engstelle gibt. Wie und wann die Vorschläge aus dem Gutachten umgesetzt werden, hängt vom Budget ab“, erklärt Tiefbaulauter Nicholas Hofer. Auch René Schreiber von der Sicherheitswache bestätigt, dass an Verbesserungen gearbeitet werde. Kurt Hagen zeigt sich entschlossen: „Ich gebe keine Ruhe, bis sich hier etwas ändert.“ BVS
An der Ecke Staldenstraße/Holzmühlestraße ist das Einbiegen von 3,5 Tonnen Fahrzeugen nicht gestattet. Leider wird dieses Schild häufig ignoriert.
Zu schnelle Autos, ein Ausweichen auf die abgeflachten Gehsteige und Schwerverkehr sorgen für Unmut bei Familie Hagen-Canaval.
Im Sommer fuhr ein LKW gegen ihren Zaun und beschädigte diesen. Hagen