Brückenbauer zwischen Produkten und Menschen

VN / 08.03.2026 • 17:59 Uhr
 Mathias Witschuinig ist Marketer mit scharfem Blick für Märkte und Menschen. Und hat ein feines Gespür für Zwischentöne.
Mathias Witschuinig ist Marketer mit scharfem Blick für Märkte und Menschen. Und hat ein feines Gespür für Zwischentöne.jh

Mathias Witschuinig über seine Arbeit als Marketer und eine Wendung in seinem Leben.

Dornbirn, LAUTERACH Ein Schritt zurück ist manchmal ein Schritt vorwärts. Das hat Mathias Witschuinig erkennen müssen. Für den Inhaber der Werbeagentur kopf-sal.at waren Rastlosigkeit und Tempo der Normalzustand. Viele Dinge gleichzeitig zu tun, sah er als inspirierend an. Er übersah dabei völlig, dass auch der menschliche Akku ab und an aufgeladen werden muss.

Um ins Gespräch zu kommen, eignen sich aus Sicht des erfahrenen Marketers auch Weine – ausgesuchte.
Um ins Gespräch zu kommen, eignen sich aus Sicht des erfahrenen Marketers auch Weine – ausgesuchte. jh

Mathias startete nach der Matura ein BWL-Studium in Innsbruck. „Die Richtung habe ich bewusst gewählt, weil die Einsatzmöglichkeiten nach dem Studium vielfältig sind – von Steuerberatung über Controlling bis zu Marketing und Kommunikation“, erzählt er. Nach dem Studienabschluss schnupperte er als Praktikant in den Marketingbereich eines weltweit agierenden Herstellers von hochpräzisen Werkzeugmaschinen. Am Job gefiel dem jungen Betriebswirtschafter, dass er Kreatives mit Analysierendem verbinden konnte. Sieben Jahre blieb er, zeichnete mitverantwortlich für weltweite Messeauftritte und Hausausstellungen. „Eine spannende Zeit, in der ich sehr viel gelernt habe. Das Unternehmen steht für hochpräzise Maschinen und das spiegelte sich auch im Marketing – High-End-Marketing eben“, sagt er und ergänzt: „Jede Präsentation wird da ein kreatives Erlebnis – alles ist maßgeschneidert, sorgfältig durchdacht.“

„Ich habe erkannt, dass nur derjenige, der auf sich achtet, langfristig erfolgreich sein wird.“

Mathias Witschuinig, Marketer

Als das Unternehmen seinen Sitz in die Schweiz verlagerte, spürte Mathias, dass es auch für ihn an der Zeit war, sich neu zu orientieren. „Ich wollte das tun, was ich immer wollte: selbst gestalten, mich ausprobieren, originelle Ideen von Kunden sichtbar machen.“ Es folgten Weiterbildungen. Vor allem mit Programmen für Grafik, Foto, Video beschäftigte er sich. Folgerichtig gründete der kreative Zahlenmensch 2016 seine Agentur „kopf-sal.at, um kleinen und mittelständischen Unternehmern als Marketer zur Seite zu stehen. Im Kern sind Marketer Analysten, Strategen und Geschichtenerzähler zugleich. Sie sorgen dafür, dass die richtigen Leute von einem Produkt, einer Marke oder Dienstleistung erfahren – und Lust darauf bekommen. „Türen gehen auf, wenn Vertrauen aufgebaut wird in Produkte wie Dienstleistungen. Und deren Gesicht – Farbgestaltung, Etiketten und mehr – muss für die Zielgruppe passen“, erklärt der 46-Jährige.

Der 46-Jährige würzt nicht nur beim Kochen gut - auch dem Marketing verpasst er die richtige Schärfe.
Der 46-Jährige würzt nicht nur beim Kochen gut – auch dem Marketing verpasst er die richtige Schärfe. jh

Eine Arbeit, die voll den Nerv des Betriebswirtschafters traf. Der Erfolg bestätigte ihn. Selbstständiger Marketer, Familie, Host im Coworking Space, witziger Poetry-Slamer-Moderator – alles brachte der Lauteracher unter einen Hut. Bis vor vier Jahren ein Herzinfarkt sein Hamsterrad stoppte. Kein großes Drama mit Vorankündigung, sondern ein brutaler Schnitt im Leben des Vaters eines damals zweijährigen Sohnes. „Nach dem Herzinfarkt war mir klar, dass ich kürzer treten musste. Schließlich wollte ich meiner Lebensgefährtin Susanne und meinem Sohn Constantin noch länger erhalten bleiben“, blickt Mathias zurück. Er wechselte in einen Angestelltenjob. Sehr bald merkte er, dass dies nicht sein Weg war. Gespürt hatte er das wohl schon, denn seine eigene Agentur bestand weiter. Und schon folgte der nächste Schlag: Burnout, zermürbende Erschöpfungszustände. Er suchte sich professionelle Hilfe und startete eine Therapie.

Pausen sind für Mathias keine Schwächen mehr, sondern Inseln im hektischen Alltag, die neue Kraft geben. JH000
Pausen sind für Mathias keine Schwächen mehr, sondern Inseln im hektischen Alltag, die neue Kraft geben. JH

Inzwischen ist der 46-Jährige wieder zurück im Job mit neuen Ideen und viel Energie – aber diesmal mit klarer Strategie für sich selbst. Die Krankheiten haben ihm gezeigt, wie wichtig es ist, auf Signale des Körpers zu achten. Er hat verstanden, dass Pausen keine Schwächen sind, sondern gezielte Auszeiten, die Energie und Fokus zurückbringen. Und er hat gelernt, dass „Nein“ auch eine Alternative ist. JH

Zur Person

MATHIAS WITSCHUINIG

GEBOREN 05. Dezember 1979 in Bregenz

WOHNORT Lauterach

BERUF Marketer

FAMILIENSTAND in fester Beziehung mit Susanne, ein Sohn

HOBBYS Familie, Tennis, Skifahren, Lesen

KONTAKT www.kopf-sal.at