Julia Ortner

Kommentar

Julia Ortner

Kommentar: Was Frauen wollen

Politik / 10.03.2026 • 08:12 Uhr

Wie soll man den internationalen Frauentag begehen? Was erwarten sich Frauen von so einem Tag? Und was wollen sie lieber nicht hören? Rund um den 8. März wurde am vergangenen Wochenende wieder viel diskutiert – und teilweise auch eifrig an den Anliegen von Mädchen und Frauen vorbeidiskutiert. Im Folgenden ein paar Gedanken, die bei der Einordnung helfen können, was Frauen interessiert oder eben nicht. An jedem Tag des Jahres.

Frauen erwarten sich gleiche Bezahlung für gleiche Leistung. Es ist auch völlig egal, wie groß die Differenz zu den Männern, der sogenannte Gender Pay Gap, ist. Laut den aktuellen Berechnungen des Netzwerks Business and Professional Women Austria verdienen Frauen im Schnitt 11,5 Prozent weniger als Männer, laut den Zahlen der Arbeiterkammer liegt die Gehaltsschere bei 15,5 Prozent. Nach beiden Berechnungsmodellen gibt es eine leichte Verbesserung bei der Lohndifferenz, doch jedes Prozent Unterschied ist eines zu viel.

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Frauen wollen mehr Bewusstsein für patriarchale Strukturen und das Machtgefälle zwischen Männern und Frauen. Gewalt gegen Frauen ist leider nach wie vor ein großes Thema, das die gesamte Gesellschaft betrifft. Es ist erfreulich, wenn sich Männer rund um den Frauentag zum Beispiel mit Demonstrationen gegen die Gewalt öffentlich mit dem weiblichen Teil der Bevölkerung solidarisieren, ändert aber wenig an den strukturellen Problemen, die sehr viel früher beginnen. Alte Bilder von Männlichkeit kann man nur überwinden, wenn man schon kleinen Buben und Mädchen vorlebt, dass alle gleich viel wert sind und freundschaftliche Beziehungen zwischen Frauen und Männern normal sind; dass man Stresssituationen nicht mit Herumbrüllen löst; dass man nicht wegschaut, falls man mitbekommt, dass eine Frau herabgewürdigt oder geschlagen wird; und dass man durch sein Vorbild klarmacht: Mit Gewalt, egal ob psychischer oder körperlicher Natur, kann und soll man gar nichts lösen.

Frauen wünschen sich politische Maßnahmen, die mithelfen, den Frauenhass zu bekämpfen, der heute auch durch Influencer im Netz verbreitet wird. Dass gerade junge Männer bei ihrer Identitätssuche falsch abbiegen können, ist kein neues Phänomen, es wird heute nur durch Social Media weiter befeuert. Deshalb müssen schon Schulkinder lernen, wie sie mit schwierigen Emotionen umgehen, wie sie Frauenfeindlichkeit und problematischen Bildern von Männlichkeit entgegentreten können. Und Lehrende müssen die Ressourcen haben, gemeinsam mit Sozialarbeiterinnen und Psychologen echte Beziehungen zu den Jugendlichen aufzubauen.

All das brauchen Frauen jedenfalls mehr als Blumen und gute Worte am Frauentag.

Julia Ortner ist Journalistin mit Vorarlberger Wurzeln, lebt in Wien und ist Redaktionsleiterin von ORF.at.