Sechsstellige Kosten für Architekturwettbewerbe: Wie stehen die Bürgermeister dazu?

VN / 10.03.2026 • 10:45 Uhr
Rendering BIZ Fellengatter
Auch für das BIZ Fellengatter wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Frastanz

Architekturwettbewerbe sichern die Qualität im öffentlichen Raum, verursachen aber teils hohe Kosten. Bürgermeister sehen darin Vor- und Nachteile – besonders in Zeiten knapper Budgets.

Region Spardruck, steigende Baukosten, wachsende Anforderungen: Vorarlbergs Gemeinden stehen finanziell unter massivem Druck. Gerade in dieser Lage rückt eine Frage in den Fokus, die schnell sechsstellige Beträge betrifft: Braucht es bei öffentlichen Bauprojekten einen Architekturwettbewerb?

Rechtlich vorgeschrieben ist ein solcher Wettbewerb nicht. Das Bundesvergabegesetz sieht ihn als eine von mehreren möglichen Verfahrensarten vor. Gemeinden können Planungsleistungen ebenso über andere Verfahren vergeben, etwa über ein Verhandlungsverfahren mit vorheriger Bekanntmachung. In der Praxis gilt der Architekturwettbewerb in Vorarlberg jedoch vielfach als etablierter Standard, weil Gemeinden dadurch aus einer Vielzahl hochwertiger Entwürfe wählen können.

Architekturleistungen zählen zu den geistig-schöpferischen Leistungen. Bei Wettbewerben steht daher die architektonische Qualität im Mittelpunkt. Die Projekte werden anonym beurteilt, das Honorar spielt bei der Kür des Siegerprojekts keine Rolle. Erst danach wird mit dem Gewinnerbüro über die konkrete Auftragsvergabe verhandelt. Anders beim Verhandlungsverfahren: Hier werden Preis und Qualität gemeinsam nach dem Bestbieterprinzip bewertet, zudem ist das Verfahren nicht anonym, die Auftraggeber wissen also, von welchem Büro welches Angebot stammt.

Erweiterungsbau für die Volksschule Tosters
Der Erweiterungsbau für die Volksschule Tosters stammt von Marte.Marte Architekten. Auch dort hat die Stadt Feldkirch ein zweistufiges Verhandlungsverfahren durchgeführt.
Marte.Marte Architekten

Andrea Bachmann, Pressesprecherin der Stadt Feldkirch, verweist darauf, dass Architekturleistungen bei Großprojekten zuletzt über zweistufige Verhandlungsverfahren direkt an ein Generalplaner-Büro vergeben wurden – nicht in Form eines Wettbewerbs. Die Stadt bevorzugt Verfahren, die nicht ausschließlich anonym durchgeführt werden. Die Kosten liegen jeweils bei deutlich unter einem Prozent der Baukosten.

Georg Bucher kämpft schon lange für Tempo 30 durch Bürs.  VN/Böcken
Bürgermeister Georg Bucher sieht im Architekturwettbewerb klare Vorteile. VN/JUN

In Bürs macht der Architekturwettbewerb für das neue Kinderhaus drei Prozent der Nettobaukosten aus: 180.000 Euro bei insgesamt sechs Millionen Euro. Enthalten sind Vorarbeiten wie Raumkonzept und Grobkostenschätzung, Projektbegleitung, Modelle, Jurykosten und Preisgelder. „Der Wettbewerb ist finanziell und zeitlich für den Bauherren ein sehr großer Aufwand“, sagt Bürgermeister Georg Bucher. Gleichzeitig sieht er Vorteile: 32 Planungsbüros aus dem In- und Ausland nahmen teil, „dadurch hatten wir ein breites Auswahlspektrum“. Die anonyme Bewertung habe auch kleineren oder neuen Büros eine Plattform geboten.

Kinderhaus Thüringen, Drohnenbilder
Das Kinderhaus in Thüringen: 130.000 Euro hat der Architekturwettbewerb gekostet. Gemeinde

„Überbordende Auflagen“

In Thüringen beliefen sich die Wettbewerbskosten auf rund 130.000 Euro, die Gesamtbaukosten des Kinderhauses liegen bei etwa 16 Millionen Euro. Bürgermeister Harald Witwer würde es begrüßen, wenn Gemeinden selbst entscheiden könnten, ob sie einen Wettbewerb durchführen und die Kriterien dafür festlegen. Größeres Einsparungspotenzial ortet er bei „überbordenden Auflagen“, die viel Geld kosten – vom Naturschutz bis zu bautechnischen Vorgaben.

Walter Gohm
Walter Gohm, Bürgermeister von Frastanz, vertedigt die Wettbewerbskosten für das BIZ Fellengatter. eva rauch

Angespannte Zeiten

Auch in Frastanz wurde für das Bildungszentrum Fellengatter ein Wettbewerb durchgeführt. Die Gesamterrichtungskosten inklusive Honorare sowie Bau der Ausweichschule und des Ausweichkindergartens betragen 16,9 Millionen Euro, die Wettbewerbskosten liegen bei 190.000 Euro – rund 1,1 Prozent. „Auf den ersten Blick sind 190.000 Euro, gerade in finanziell sehr angespannten Zeiten ein hoher Betrag“, sagt Bürgermeister Walter Gohm. Angesichts der Nutzungsdauer sei der Betrag jedoch gerechtfertigt. „Speziell für die Entscheidungsfindung war die fachliche Begleitung durch die Jury sehr wertvoll.“ Zugleich hält er fest: „Selbstverständlich kann die Durchführung von Architekturwettbewerben hinterfragt werden. Gerade in Zeiten von Sparbudgets schmerzen diese Kosten.“