Geschichten aus dem antarktischen Meer

Schiffsingenieur Martin Uhlig nahm seine Zuhörer mit auf atemberaubende Antarktis-Tour.
Hard Die Historische Schifffahrt Bodensee liegt noch im Winterschlaf, auf der Hohentwiel herrscht unter schützendem Zelt verborgen rege Betriebsamkeit, weil umfangreiche Revisionsarbeiten anstehen. Technisch begleitet und behördlich beaufsichtigt werden diese Arbeiten vom bekannten Schiffsingenieur Martin Uhlig. Der anerkannte Experte war schon bei der Restaurierung der Hohentwiel und später der Oesterreich als Sicherheitstechniker tätig.

Meine Zeit im Land nützen
Seinen neuerlichen Aufenthalt am Bodensee nützte er jetzt für einen spannenden Vortrag über seine Schiffsreise in die Antarktis, die er als Schiffsingenieur im antarktischen Sommer 1984/85 unternahm. Uhligs Gäste im voll besetzten Salon des Schiffs konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als sie das Equipment des Vortragenden sahen, und der Generation Z musste man erst einmal erklären, dass das seltsame Gerät kein tabletgesteuerter Beamer, sondern ein guter alter händisch bedienter Dia-Projektor ist. Pure Nostalgie brachte faszinierende Bilder von einer Reise zwischen Faszination und eisigen Gefahren auf die Leinwand, spannend und so lebendig kommentiert, als wäre Uhlig eben erst aus der Antarktis zurückgekehrt.

Unvorstellbare Dimensionen
Uhlig war vor mehr als 40 Jahren auf dem Versorgungsschiff “Ice Bird” – gut 110 Meter lang, ausgestattet u. a. mit Landefläche für drei Helikopter an Bord. “Das Schiff war mit 22 Mann Besatzung und 98 Passagieren – Forschern, Medizinern, Technikern usw. – unterwegs zu verschiedenen Forschungsstationen, die dabei auch mit Nachschub versorgt wurden”, erläuterte der Vortragende. Das Schiff konnte sich in bis zu sechs Meter starkem Eis bewegen. Die Kraft des Eisbrechers ist im Vergleich mit Daten über die Antarktis aber vernachlässigbar.

“Der arktische Kontinent – Antarktika”, so Uhlig, “ist fast vollständig von einem Eisschild bedeckt – knapp 14 Millionen Quadratkilometer groß.” Im Vergleich: rund 170-mal so groß wie Österreich, 40-mal so groß wie Deutschland oder 3,5 Millionen Quadratkilometer größer als ganz Europa.

Das Eis ist im Durchschnitt mehr als 2.000 Meter dick, die maximale Eisdicke wurde mit 4.776 Metern gemessen, die gesamte Eismasse beträgt knapp 27 Millionen Kubikkilometer.

Eisberge als tödliche Gefahr
“Von diesem Schild”, so Uhlig, “brechen immer wieder riesige Eisberge ab.” Sie werden zur tödlichen Gefahr für Schiffe, die sich in ihrer Nähe aufhalten, denn sie werden von Wind und Strömungen getrieben und zermahlen alles, was sich ihnen in den Weg stellt. So ein Riesenberg – rund fünf Kilometer breit, gut 100 Meter hoch (das ist nur ein Zehntel der ganzen Masse, 900 Meter sind unter Wasser) und einige Hundert Meter stark – bedrohte ein dänisches Schiff, das im Eis festsaß. “Wir haben uns in seine Nähe vorgekämpft, den Großteil der Besatzung evakuiert und eilig das Weite gesucht.” Die Dänen hatten diesmal noch Glück, der Wind drehte, das Schiff blieb verschont und konnte einige Zeit später aus eisiger Umklammerung befreit werden. “Ein Jahr später ging es allerdings schief – wieder war das Schiff im Eis gefangen und diesmal wurde es von einem Eisberg zerstört.”

Jahre und Tausende Kilometer
Was geschieht mit den riesigen Eisbergen, die auf dem Meer treiben? “Es dauert oft Jahre, bis sie abgeschmolzen sind und sie treiben über große Distanzen”, weiß Uhlig. Die weiteste Entfernung wurde 1894 registriert, damals wurde ein Eisberg nahe der brasilianischen Insel Trinidade gesichtet – rund 5000 km von der Antarktis entfernt. Zum Vergleich: Bregenz und der Nordpol liegen rund 4700 km auseinander. STP






