Mit 24 Jahren Auditorin für CO₂-negative Technologien

Menschen / 13.03.2026 • 05:00 Uhr
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Julia Ilg ist mit 24 Jahren schon Unternehmerin und Auditorin. Bilder: VN/JUN

Köpfe von morgen 2026: Julia Ilg ist 24 Jahre alt, Unternehmerin, Auditorin und Masterstudentin. Die Dornbirnerin berät Gemeinden und Unternehmen bei der Umsetzung und Zertifizierung CO₂-negativer Technologien.

Dornbirn Mit ihren 24 Jahren könnte man meinen, dass Julia Ilg noch ganz am Anfang ihrer Karriere steht. Doch die gelernte Umwelt- und Energietechnikerin hat sich bereits spezialisiert, führt ihr eigenes Unternehmen und arbeitet parallel im Familienbetrieb mit. Als wäre das nicht schon genug, befindet sie sich derzeit mitten im Masterstudium.

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Die Carbon-Capture-Anlage scheidet CO₂ aus den Abgasen des Holzkraftwerks ab und macht dieses wiederverwendbar.
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Julia Ilg macht gerade ihren Master in Energietechnik.

Dabei wollte Julia Ilg ursprünglich etwas ganz anderes machen. Sie besuchte die Tourismusschule und wollte in der Gastronomie und Hotellerie arbeiten. Doch 2020, mitten in der Coronazeit, gab es in dieser Branche keinen Personalbedarf. Sie entschied sich, vorübergehend im elterlichen Betrieb, dem Energiewerk Ilg in Dornbirn, anzufangen – und blieb. An der Fachhochschule Dornbirn vertieft sie nun im Masterstudium ihr Wissen zu Energieoptimierung, Energiekreisläufen und erneuerbaren Techniken, um CO₂ zu reduzieren.

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Ein Holzkraftwerk verbrennt Hackschnitzel, um daraus zuerst Strom zu erzeugen, und nutzt die dabei entstehende Wärme zusätzlich zum Heizen von Gebäuden.
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Das CO₂ aus der Carbon-Capture-Anlage wird als Kohlensäure bei Getränkeherstellern wiederverwendet.

Vor zwei Jahren machte sie sich mit einem Themenfeld selbstständig, das noch in den Kinderschuhen steckt: CO₂-negative Technologien. Als Unternehmensberaterin und Auditorin berät und kontrolliert sie Betriebe und begleitet sie bei der Umsetzung sowie Zertifizierung CO₂-negativer Technologien. Ihre Kunden sind Gemeinden, kleine Privatunternehmen und internationale Großkonzerne. Haben die Betriebe die Maßnahmen umgesetzt, überprüft Julia Ilg diese genau. “Das muss Hand und Fuß haben.” In Österreich gibt es auf diesem Gebiet bislang nur eine Handvoll Auditoren.

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Im Holzkraftwerk produziert das Energiewerk Ilg auch Pflanzenkohle.
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Das Holz stammt von den umliegenden Betrieben.

Eine CO₂-negative Technologie ist die Carbon-Capture-Anlage beim Holzkraftwerk des Energiewerks Ilg. Sie filtert biogenes CO₂ aus den Abgasen und macht es nutzbar. Gleichzeitig entsteht im Holzkraftwerk Pflanzenkohle, die Kohlenstoff langfristig bindet und in der Landwirtschaft sowie als klimafreundliche Alternative zu Zement im Beton verwendet wird.

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Julia Ilg engagiert sich auch in der Politik.
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Blick ins Innere eines Heizkraftwerks: Hier werden Holz-Hackschnitzel verbrannt, um gleichzeitig Strom und Wärme für die Region zu erzeugen.

Der Umstieg auf erneuerbare Energieträger sei zwar zwingend notwendig, verläuft jedoch nur sehr langsam. Viel wichtiger sei es, den CO₂-Gehalt in der Luft zu verringern.

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Die Kohlensäure wird unter anderem zur Mohrenbrauerei geliefert.
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Julia Ilg braucht in ihrem Beruf viel technisches Verständnis für die Energiekreisläufe.

Zusätzlich ist Julia Ilg politisch aktiv. Als ÖVP-Mitglied und Ausschussmitglied ist sie für die Themen Klima und Energie zuständig. Die 24-Jährige möchte ihr Fachwissen politisch einbringen und weitervermitteln.

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Selbst Beton kann mit Pflanzenkohle CO₂-negativ werden.
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Das Energiewerk Ilg in Hatlerdorf: Früher war das ein landwirtschaftlicher Betrieb.