Durch diesen Bürokratiedschungel müssen Freiparker nun in Lustenau

Trainer und Helfer von Vereinen zahlen keine Parkgebühren. Aber nur, wenn sie ein Verwaltungsmonster bezwingen.
Lustenau Bis vor Kurzem war für viele freiwillige Helfer und Trainer von Sport- und anderen Vereinen die Welt noch halbwegs in Ordnung. 90 Minuten parken, ohne etwas zu bezahlen, konnten sie an den Stätten ihrer Aktivitäten. Doch jetzt ist es, wie die VN bereits berichteten, damit vorbei. Außer im Zentrum müssen Parkplatzbenützer von der ersten Minute an Gebühren entrichten. Das gilt grundsätzlich auch für Vielparker, die als ehrenamtliche Helfer oder Trainer bei Vereinen tätig sind. Jedoch: Sie können in Zusammenarbeit mit dem Verein mittels eines komplexen Vorgangs ihr Parkgeld zurückfordern.

Erst müssen die Helfer zahlen
Und das geht so: Der Verein nimmt die Autokennzeichen seiner ehrenamtlichen Helfer und Trainer auf. Die Daten werden digital an die Gemeinde übermittelt. Diese stellt dem Verein eine entsprechende Anzahl von Zugangscodes für eine App zur Verfügung. Mit dieser App registrieren die Nutzer ihre Parkzeiten.
Am Ende des Jahres erhält der Verein von der Gemeinde eine Übersicht darüber, welche Helfer welchen Betrag für das Parken bezahlt haben. Diese Beträge wurden den jeweiligen Helfern direkt von der Gemeinde in Rechnung gestellt.
Der Verein kann anschließend mittels Antrag den Gesamtbetrag bei der Gemeinde als Förderung beantragen. Nach Erhalt der Fördermittel erstattet der Verein die entsprechenden Beträge anteilsmäßig an seine Helfer und Trainer.
Die Abwicklung des komplexen Vorgangs wird auf der Gemeinde-Homepage auf einer ganzen Seite erläutert. Um das System zu verstehen, sind dazu (siehe Foto) nicht weniger als sechs Anhänge notwendig. Ein Bürokratiemonster, meinen nicht wenige.

Warum nicht Plaketten?
“Das ist ein riesiger bürokratischer Aufwand”, schüttelt Ralph Kessler, Nachwuchschef des EHC Lustenau, den Kopf. Wie die VN berichteten, haben sich bei den EHC’ler Eltern aufgeregt, dass sie jetzt zur Kasse gebeten werden, wenn sie ihre Sprösslinge samt Ausrüstung per Pkw zur Rheinhalle bringen. Das ist beim Eishockey mit der entsprechenden Menge an Ausrüstung fast unvermeidbar. Eltern von kleinen Puckjägern müssen ihren Kindern zumeist auch beim Anziehen und Ausziehen der Ausrüstung helfen, befinden sich daher länger in der Eishalle. “Warum gibt die Gemeinde nicht einfach nur Plaketten an die Vereine, die sie dann an jene weitergeben, die sie brauchen”, fragt sich Ralph Kessler.
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Großer Mehraufwand
Beim FC Lustenau wird man sich erst allmählich bewusst, was die neue Parkregelung mit Gebühren von der ersten Parkminute an bedeuten. “Es geht ja erst jetzt richtig los mit Nachwuchsfußball und Meisterschaftsbetrieb. Auf den ersten Blick schaut das schon nach ziemlich viel Bürokratie aus. Bei einem Amateurklub wie dem unseren heißt das: Ein Ehrenamtlicher muss wieder ein paar Stunden mehr investieren. Und ich kann mir vorstellen, dass bei der Gemeinde selbst auch wieder mehr Zeit für vielleicht vermeidbare Bürokratie aufgebracht werden muss.” Sperger schlägt vor, dass der Verein der Gemeinde die Autonummern von Helfern und Trainern schickt, damit diese dann am angegebenen Standort frei parken können.


Genau das sähe auch Vinzent Baur, Geschäftsführer von Austria Lustenau, als ideale Lösung. “Aber wir machen das alles so, wie von der Gemeinde gewollt. Nur meine ich, dass es unbürokratischer ginge.”
“Alles so weit vorbereitet”, meldet Walter Hämmerle, Kassier der Lustenauer Handballer mit 300 aktiven Sportlern. “Aber ich bin halt auch Informatiker und tu’ mir mit so etwas leichter. Dass es ein riesiger bürokratischer Aufwand ist, muss ich jedoch auch feststellen.”

Wiedl offen für Vorschläge
Bürgermeister Patrick Wiedl kann die Aufregung nicht ganz verstehen. “Dieses System gibt es bereits seit 2022. Ich habe es übernommen. Aber offensichtlich haben es alle bisher ignoriert, weil man ja 90 Minuten gratis parken konnte. Mir erscheint es nicht so kompliziert. Aber natürlich bin ich offen für Vorschläge, wie wir es einfacher gestalten können. Wir brauchen die ehrenamtlichen Helfer und Trainer ja überall dringend.”