Börsentipp: Droht eine erneute Energiekrise?

Markt / 20.03.2026 • 14:45 Uhr
Börsentipp: Droht eine erneute Energiekrise?

Experte Stefan Bruckbauer über die Auswirkungen des Iran-Konflikts.

Wien Die De-facto-Sperre der Straße von Hormus im Gefolge des Krieges im Iran zeigte, so wie im Jahr 2022 wieder, wie verwundbar die Energieversorgung der Welt ist. Der Persische Golf ist mit einer Produktion von rund 32 Millionen Fässern Öl für fast ein Drittel der globalen Produktion verantwortlich. Und drei Viertel des produzierten Öls werden mit Schiffen zu den Verbrauchern gebracht, ein Viertel davon durch die Straße von Hormus. Auch produziert die Golfregion ein Fünftel des globalen Flüssiggasangebots, das ebenfalls durch die Meerenge transportiert werden muss, und deckt damit ein Viertel des Bedarfs von Asien. Dementsprechend stiegen die Preise für Energie deutlich an, der Ölpreis um 50 Prozent, der europäische Gaspreis um 60 Prozent.

Kommt es damit erneut zu einem Anstieg der Inflation auf 8 bis 9 Prozent wie 2022? Die Antwort darauf lautet ziemlich sicher: Nein. 2022 herrschte aufgrund der zwei Jahre davor ausgebrochenen Pandemie und der enormen Abhängigkeit Europas von einem einzigen Gaslieferanten eine andere Situation. Auch musste damals damit gerechnet werden, dass die Gasversorgung aus Russland dauerhaft ausfällt. Wie hoch der Anstieg der Inflation 2026 konkret ausfallen wird, lässt sich derzeit kaum sagen, da dies neben anderen Faktoren wie alternativen Energiequellen und Gegenmaßnahmen von Regierungen vor allem von der Dauer des Konflikts bzw. der Sperre der Straße von Hormus abhängig ist.

Wir gehen derzeit davon aus, dass der Ölpreis heuer im Jahresdurchschnitt zwischen 75 und 95 US-Dollar pro Fass betragen wird, dies ist rund 10 bis 25 Prozent mehr als bisher angenommen. Der Gaspreis dürfte um rund 25 Prozent deutlich länger höher liegen als bisher vorausgesehen. Damit rechnen wir für Österreich mit einer um rund ein halbes bis ein Prozent höheren Inflation 2026, konkret zwischen 2,5 und 3 Prozent für Österreich, statt mit bisher 1,9 Prozent. Das Wirtschaftswachstum sollte nur leicht betroffen sein, wir rechnen nun mit 0,9 bis 0,8 Prozent statt bisher mit 1,0 Prozent.

Sollte der Öl- und der Gaspreis bis Jahresende deutlich über 100 liegen, also rund 50 Prozent höher als bisher angenommen bei Öl und doppelt so hoch bei Gas, dann kämen wir heuer und auch nächstes Jahr wohl auf eine Inflation von knapp unter 4 Prozent in Österreich. Dann würde Österreichs Wirtschaft 2026 mit 0,5 Prozent sogar weniger wachsen als 2025 (0,6 Prozent). Steigt der Ölpreis gar real auf etwa 150 US-Dollar an, so stark wie im Jahr 1979, und bleibt so hoch, dann könnte die Inflation in Österreich – ohne Gegenmaßnahmen der Regierung – wieder 5 Prozent überschreiten, dann käme es wohl auch zu einer baldigen Zinserhöhung durch die EZB.