Der Mann, der Tiere für die Ewigkeit bewahrt

Niederklopfer leitet als Tierpräparator die naturkundliche Sammlung in Liechtenstein.
Altach Peter Niederklopfer (60) lebt in Altach und übt den für ihn schönsten Beruf der Welt aus: Er ist Naturwissenschaftlicher Präparator im Fürstentum Liechtenstein. „Schon als Kind habe ich jedes tote Tier, das ich gefunden habe, mit nach Hause gebracht und untersucht, sehr zum Leidwesen meiner Mutter“, erinnert er sich schmunzelnd. Heute leitet er die naturkundliche Sammlung des Fürstentums Liechtenstein. Dort präpariert er Tiere, archiviert Exponate und geht unerklärlichen Todesursachen bei Wildtieren auf den Grund. „Wenn etwa ein geschütztes Tier tot aufgefunden wird, bestimme ich die Todesursache. Das ist wichtig, um zu wissen, ob es eines natürlichen Todes gestorben ist oder einem Wilderer zum Opfer fiel“, erklärt er.

Vielfältige Aufgaben im Präparatoren-Alltag
Auf Niederklopfers Seziertisch liegen zahlreiche Messer, daneben wartet ein bereits gegerbtes Wolfsfell darauf, über ein Modell geklebt zu werden. „Ich forme den Körper des Tieres aus Kunststoffplatten und schnitze ihn zurecht. Besonders wichtig ist, dass Muskeln, Sehnen und der Körper realistisch dargestellt werden“, erläutert er. Für diese Arbeit braucht es sowohl handwerkliches als auch künstlerisches Geschick. „Wer nicht zeichnen kann, ist auch nicht im Stande einen Tierkörper realistisch darzustellen. Von jedem Tier erstelle ich zuerst eine Maßzeichnung auf Papier, das dient mir als Vorlage zum Modellieren.“

Geschultes Auge für die Natur
Um Tiere möglichst naturgetreu nachzubilden, muss Niederklopfer ihre Bewegungen und ihre arttypischen Haltungen genau kennen. „Am liebsten bin ich draußen in der Natur, in den Bergen. Dort beobachte ich die Tiere“, sagt er. Bei exotischen Arten wie Löwen greift er auf Fernsehdokumentationen zurück oder besucht Zoos, um deren Bewegungen zu studieren. In seiner Freizeit geht Niederklopfer selbst auf die Jagd und ist zudem Oberschützenmeister der Union Schützengilde Altach. Ab diesem Jahr pachtet er mit seinem Sohn das Lustenauer Jagdgebiet zwischen der Alpe Schöner Mann und Briedler.

Zusammenarbeit mit Zoos und Jägern
Für Ausstellungen arbeitet Niederklopfer eng mit Jägern aus der Region zusammen, die ihm Tiere abgeben, die von der Jagdverwaltung zum Abschuss freigegeben wurden. Auch Zoos und Tierparks der Umgebung wenden sich an ihn, wenn ein Tier eingeschläfert werden muss oder eines natürlichen Todes erliegt. Solche besonderen Exemplare holt er ab und präpariert sie für die Nachwelt. Die naturkundliche Sammlung umfasst mittlerweile über 200.000 Tiere und Objekte der heimischen Flora und Fauna, darunter auch Stücke aus der Sammlung von Prinz Hans von und zu Liechtenstein. Im Laufe seiner Karriere hat Niederklopfer zahlreiche Tiere präpariert. „Der Luchs ist auch für mich ein spannendes und seltenes Tier“, verrät er. Die Arbeit des Präparators ist vielseitig und verlangt großes handwerkliches Können. Manchmal zündet er Weihrauch an, um – wie er sagt – „die Seelen der Tiere gehen zu lassen“. Im Liechtensteinischen Landesmuseum gestaltet Niederklopfer Ausstellungen. Zu seinen außergewöhnlichsten Präparaten zählen ein Albino-Reh sowie ein doppelköpfiges Rehkitz, das kurz nach der Geburt verstarb.

Blick in die Zukunft
Peter Niederklopfer kennt die heimische Tierwelt wie kaum ein anderer. Aktuell arbeitet er an einem Buch über die Geschichte der naturkundlichen Sammlung. So möchte er sicherstellen, dass sein Wissen auch nach seinem Ruhestand erhalten bleibt.

Zur Person
Peter Niederklopfer
Geboren 31.8.1965 in Chur
Wohnhaft seit 30 Jahren in Altach
Familie Verheiratet mit Judith, zwei Söhne (Andreas und Samuel)
Beruf Tierpräparator, u.a. Jäger in Lustenaus Jagdgebiet, Oberschützenmeister der Union Schützengilde Altach
Hobbys sich in der Natur aufhalten, Tiere beobachten und Gartenarbeit




