Kolumne: Lass uns Freunde bleiben!

VN / 23.03.2026 • 15:44 Uhr
Kolumne: Lass uns Freunde bleiben!

In dem Buch „Frauenprobleme“, das ich wirklich sehr empfehle, erzählt eine der Frauen darüber, wie derzeit die Situation mit ihren Freundinnen ist. Das Buch besteht aus einer Sammlung von Sprachnachrichten, um die die Herausgeberin Lina Muzur ihre Freundinnen und Bekannten gebeten hat, mit dem Auftrag, einfach mal zu erzählen, wie es ihnen gerade geht. Es sind emanzipierte Frauen zwischen 40 und 55, manche haben noch Kinder zu versorgen, oder sich entschieden, keine Kinder zu bekommen. Fast alle sind berufstätig, einige in Führungspositionen, anderen leben prekäre Künstlerinnen-Existenzen; sie leben in Beziehungen oder solo, manche haben Migrationshintergrund oder leben im Ausland. Es ist total spannend, diesen Frauen zuzuhören und insgesamt ergibt sich ein schlüssiges Bild, wie Frauen in einer westlichen demokratischen Gesellschaft heute leben, was sie umtreibt, was sie für Sorgen haben, womit sie zu kämpfen haben, was sie beschäftigt.

Ein Thema, das ganz oft vorkommt, ist Freundschaft. Wie wichtig Freundinnen im Leben sind, welche Bedeutung gute, tragfähige Freundschaften auch abseits von traditionellen Partnerschaften haben.

Eine der Frauen sieht eine Zukunft mit Freundinnen, wie sie „zusammen feiern, zusammen Zeit verbringen, einfach zusammen leben“. Und, schreibt sie: „uns nicht nur gegenseitig updaten, so wie ich das jetzt in meinen Freundschaften mache“.

Darüber habe ich viel nachgedacht, und meine eigenen Freundschaften abgeklopft: mit welchen Freundinnen und Freunden lebe und erlebe ich gemeinsam, und mit welchen halte ich mich nur am Laufenden per Whatsapp oder bei einem Kaffee? Bin ich auch ein Teil dieser „Catch-up-Culture“, wie das genannt wird, und was so viel bedeutet, dass man sich nur immer wieder erzählt, was man so erlebt hat, aber nichts zusammen erlebt?

Meine Bilanz fiel, ich traue mich das zu sagen, gar nicht so übel aus: Ich treffe mich mit den meisten meiner Freundinnen nicht nur hin und wieder auf einen Kaffee und dann wieder ewig nicht. Sondern wir gehen regelmäßig zusammen zum Sport, wir feiern miteinander, wir verreisen zusammen, wir gehen ins Kino, ins Konzert, ins Theater, wir machen uns Museumsnachmittage aus, wir jassen, wir essen und kochen miteinander.

Das ist bei mir normal, vielleicht, weil ich es so gelernt habe, weil ich aus einer großen und sehr geselligen Familie stamme, in der das Zusammensein und Zusammenleben mit Leidenschaft und viel Liebe zelebriert wird: Da wird jeder Geburtstag mit allen gefeiert, da fahren Freunde und Geschwister immer wieder ein paar Tage zusammen weg, um zu wandern, zu jassen, gemeinsam zu essen.

Ich habe einfach gute Vorbilder, und mit Blick auf meine ältere Verwandtschaft kann ich sagen, was auch viele Studien bestätigen. Diese engen sozialen Kontakte, diese gemeinsamen Erlebnisse: Das hält frisch, das hält jung – und das tut allen gut.

Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.