Der lange Weg zum eigenen Kind: Von teuren Ratschlägen, die nicht halfen, bis zur künstlichen Befruchtung

Mit 16 Jahren erfuhr Jennifer, dass sie nicht schwanger werden könne. Nach Jahren ohne Diagnose, zwei Fehlgeburten und künstlicher Befruchtung ist sie heute Mutter – und erneut schwanger.
Schwarzach Für Jennifer (Name von der Redaktion geändert) war immer klar, dass sie Kinder haben möchte. Doch als sie mit 16 Jahren einen Frauenarzt aufsuchte, teilte er ihr mit, dass sie nicht schwanger werden könne. Sie war schockiert. Die Pille hatte sie abgesetzt, die Periode blieb aus. Schwanger wurde sie all die Jahre nicht.
Mit 21 Jahren lernte sie ihren jetzigen Mann kennen. Sie dachte: „Das kann nicht das Ende vom Lied sein.“ Sie suchte zehn Frauenärzte auf, doch keiner konnte ihr sagen, warum sie nicht schwanger werden könne. Manche rieten ihr zu Gewichtsreduktion, andere zu TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) und Akupunktur. „Was wir da an Geld rausgeschmissen haben, ist nicht normal.“ Jennifer ist erbost, denn gebracht habe all das nichts. Eine eindeutige Diagnose erhielt sie nie. Man vermutete eine Form des PCO-Syndroms, eine Hormonstörung.

Nach zehn Jahren des Probierens suchte sie schließlich die Kinderwunschklinik in Feldkirch auf. Ärzte sollten, „wenn sie mit ihrem Latein am Ende sind“, direkt an die richtige Stelle weitervermitteln, fordert sie. „Man verliert so viel Zeit.“ In der Kinderwunschklinik fand sie ein offenes Ohr. Sie habe eine „Wagenladung“ Medikamente eingenommen, Nebenwirkungen inklusive. „Ich wusste gar nicht mehr, wohin mit meinen Hormonen.“ Eine Eizelle wurde ihr eingesetzt, vier weitere eingefroren. Ihr Kind verlor sie noch vor der zwölften Woche. Sie wagte einen zweiten Versuch – diesmal entwickelte sich die eingesetzte Eizelle weiter. Laetitia (Name von der Redaktion geändert) ist heute zweieinhalb Jahre alt.
Auf der Intensivstation
Jennifer lag drei Tage und drei Nächte in den Wehen. Der Muttermund öffnete sich nicht, die Geburt musste eingeleitet werden. Die Herztöne des Kindes wurden schlechter, daher entschied man sich für einen Kaiserschnitt, den Jennifer nie wollte. Den Schnitt in die Gebärmutter spürte sie, da die PDA nicht richtig wirkte. „Die PDA hat in Richtung Herz und Lunge gearbeitet.“ Nach dem Kaiserschnitt lag Jennifer auf der Intensivstation und wurde beatmet. Dennoch fühlte sie sich im LKH Bregenz gut aufgehoben.
„Das Erste, was ich gesehen habe, war meine Tochter“, erinnert sie sich. „Sie lag fünf Tage nackt auf mir.“ Damit holte Jennifer das Bonding nach. Gemeinsam mit ihrer Hebamme rekonstruierte sie im Anschluss die Geburt. Sie war wieder im Kreißsaal, das Baby wurde gebadet, in ein Handtuch gewickelt und auf sie gelegt. „Das war ein heilender Moment für mich. Das war eine Lücke, die ich nicht alleine schließen konnte.“


Zwei Sternenkinder
Jennifer ist derzeit wieder schwanger, erneut mithilfe künstlicher Befruchtung. Auch diesmal ist es der zweite Versuch. Sie hat zwei Sternenkinder, zwei Buben, wie sie sagt. Die zweite Fehlgeburt war für sie nochmal schlimmer. Als sie von der Frauenärztin zurückkam, „war die ganze Welt von einem auf den anderen Moment anders“. Jennifer war sprachlos, war sie doch voller Freude gewesen. „Es gibt nichts Schlimmeres, als dein Kind zu begraben.“ Eine Fehlgeburt sei schambehaftet, doch sie habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, auch nicht daraus, dass sie durch künstliche Befruchtung schwanger wurde. Das sei in der Gesellschaft noch immer ein Tabu, obwohl künstliche Befruchtung mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr sei.
„Wenn es nach mir ginge, hätte ich gerne vier bis fünf Kinder“, sagt die 33-Jährige. „Aber wir haben uns auf drei geeinigt.“ Es komme jedoch darauf an, wie die Geburt beim zweiten Kind verlaufe. Den Schnitt in die Gebärmutter musste sie aufarbeiten. „Ich will nicht wieder mit einem Bein im Grab stehen.“