Ende gut, alles gut?

Sport / 25.03.2026 • 16:50 Uhr
Ende gut, alles gut?

Marc Girardelli mit einer Bestandsaufnahme der Weltcupsaison der ÖSV-Herren.

Nachdem ich mir mit meiner letzten Kolumne über die Damen ordentlich Kritik eingehandelt habe, bleibe ich diesem Stil treu.
Bei den Herren kann man es drehen und wenden, wie man will: Das Gesamtbild wirkt aktuell von allen Seiten bestenfalls mittelmäßig, oft sogar schwach. Ab und zu keimt Hoffnung auf – mit einem Podium oder gar einem Sieg glaubt man, die Krise überwunden zu haben. Doch schon im nächsten Rennen folgt meist der nächste Rückschlag.

Ein Blick auf die Spitze zeigt: Es dominieren andere Nationen, teilweise auch unerwartete, die mit deutlich jüngeren Teams antreten. Das führt zwangsläufig zu der Frage, ob beim ÖSV nicht schon vor Jahren Fehler gemacht wurden – insbesondere im Aufbau und in der Breite von unten heraus.

Stattdessen wird hierzulande schnell nach einem Trainerwechsel gerufen. Doch die Cheftrainer sind oft nicht das eigentliche Problem. Ohne Munition lässt sich nun einmal schlecht schießen.
Wenn ich über die Grenze in die Schweiz schaue, habe ich mich lange gefragt, warum ein ehemaliger Weggefährte von mir, Franz Heinzer, nie als Weltcuptrainer verpflichtet wurde. Als ich ihn darauf angesprochen habe, sagte er nur: “Weißt du, Marc, ich arbeite einfach lieber mit den Jungen. Und der ganze Rummel rund um Weltcup, TV und Medien ist nicht mein Ding.”
Heute sieht man, wie erfolgreich genau dieser Weg sein kann. Heinzer hat Talente wie Von Allmen und Monney entscheidend geprägt, weitere stehen bereits in den Startlöchern Richtung Weltcup. Da können wir nur hoffen, dass es noch etwas dauert, bis sie auch im Weltcup große Erfolge einfahren.

Die Frage ist: Warum gelingt so etwas bei uns nicht?

Ich bin überzeugt, dass auch bei uns viele ehemalige Weltklasse-Athleten bereit wären, ihr Wissen weiterzugeben – sei es punktuell bei Trainingslagern oder im direkten Austausch mit dem Nachwuchs. Für junge Sportler wäre das nicht nur fachlich wertvoll, sondern auch eine enorme Motivation und Wertschätzung.

Stattdessen sieht man die Führung des ÖSV meist nur bei Weltcuprennen und Großevents ganz vorne in bester Position zur TV-Kamera stehen.

Wenn mein erneut kritischer Kommentar zumindest ein wenig zum Nachdenken anregt, hat er seinen Zweck erfüllt. Über weitere kritische Rückmeldungen freue ich mich ausdrücklich.