Wenn Sprache wie Musik klingt

Lesetag an der VS Leopold feierte Herkunft, Neugier und Geschichten aus aller Welt.
Dornbirn “Bungiorno”, “Merhaba”, “Goededag” – schon am Eingang der Volksschule Leopold im Hatlerdorf wurde an diesem Vormittag klar, es wird international. Beim diesjährigen Lesetag, der unter dem Motto “Tag der Sprachen” stand, ging es aber nicht nur ums Vorlesen, sondern um Wertschätzung. “Wir wollen Raum geben, andere Kulturen und Sprachen feiern und zeigen, dass sie eine Bereicherung sind”, sagte Direktorin Beate Ludescher-Kohler. Und vor allem: “Die Kinder sollen stolz darauf sein, wenn sie mehrere Sprachen sprechen”, betonte sie und lud ein auf eine kleine Weltreise durch die Schule.

In drei Runden wechselten die Gastleserinnen und -leser durch die Klassen, brachten ihre Sprachen, Geschichten und ein Stück Heimat mit. Viele von ihnen waren Eltern – eingeladen, weil an der Schule zahlreiche Kinder mehrsprachig aufwuchsen. Und sie waren gern gekommen.

Gemeinsam verschieden
Wie auch Pater Inosens Reldilnos, dem Pfarrer aus dem Hatlerdorf, der aus Indonesien stammt. Er sorgte in der 3c für Begeisterung. In farbenfroher Tracht begrüßte er die Kinder mit einem fröhlichen “Samapogi” und animierte sie kurzerhand zum Mitsingen. Seine temperamentvolle Art steckte an und sorgte für herzhaftes Lachen in der Klasse. Nebenan las Martina Amann in der 3b Englisch aus “Something Else”, während in der 2a Stefano Lumaca mit der Geschichte vom “Goldlöckchen – Riccioli d’oro e i tre orsi” italienischen Klang ins Klassenzimmer brachte. Tochter Josefine strahlte – ihr Papa war heute der Star. Für viele Kinder – und auch die Direktorin, wie sie verriet, klang die Sprache wie Musik.

Auch Schülermama Nilgün Özdemir nahm einen Stock höher die Schüler mit auf eine Reise: “Elmar, der bunte Elefant” las sie zuerst auf Türkisch, dann auf Deutsch. So wurden Unterschiede und Gemeinsamkeiten hörbar. Die Direktorin hatte den Gästen im Vorfeld Anregungen gegeben – von Begrüßungen über Geschichten bis zu kleinen Einblicken in Land und Kultur.

Dass die Kinder neugierig waren, zeigte sich bei Yvonne Diem, die aus Kenia stammt. “Laufen bei euch auch Löwen frei herum?” oder “Wie sehen die Geschäfte aus?” – geduldig beantwortete sie jede Frage. Die Islamlehrerin an der Schule, Agnes Prepojac, brachte bosnische Geschichten mit, während Papa Egmont Hartwig aus den Niederlanden die 1a-Klasse staunen ließ. Viele niederländische Wörter klangen erstaunlich vertraut.

In der 4b wurde es schließlich besonders lebendig. Nataliia Kochnieva vermittelte mit spürbarer Begeisterung ihre Muttersprache Ukrainisch. Die ehemalige Lehrerin lebt seit drei Jahren in Österreich, spricht fließend Deutsch – und trug stolz die traditionelle Bluse “Wyschywanka” ihrer Region. Sie erzählte von Märchen, Grammatik und ihrer Heimat. Zum Abschluss gab es auch noch eine kulinarische Kostprobe – Pasca, ein ukrainisches Osterbrot, das die Kinder probieren durften.

Nach den Lesungen trafen sich alle im Foyer. Für die Gäste gab es als Dankeschön kleine Geschenke, dazu zur Feier des Tages ein besonders reichhaltiges “Gesunde Jause-Buffet” des Elternvereins. Es wurde geplaudert und gelacht – und Vielfalt wird somit an der VS Leopold nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt. cth












