Wo Erinnerung aufblüht

Pfarre und Marktgemeinde Rankweil gestalten die beiden St.-Michaels-Friedhöfe neu.
Rankweil Noch ist die Natur am Erwachen. Doch in wenigen Wochen werden die Beete auf den beiden St.-Michaels-Friedhöfen am Liebfrauenberg erblühen und an einen kleinen Garten Eden erinnern. Genau dieses Bild steht hinter dem Projekt „Vom Friedhof zum Paradiesgarten“, das die Pfarre und die Marktgemeinde Rankweil gemeinsam für den oberen und den unteren Friedhof entwickelt haben.

Das Projekt wurde vor rund drei Jahren gestartet. Ziel ist es, die beiden historischen Friedhöfe behutsam weiterzuentwickeln und zugleich auf Veränderungen in der Bestattungskultur zu reagieren. „Die Gräberkultur befindet sich im Wandel“, sagt Mesner Martin Salzmann. Immer mehr Menschen entscheiden sich für Urnenbestattungen, während klassische Familiengräber seltener nachgefragt werden.
Vieles am Entstehen

Das Konzept greift diese Entwicklung auf und verbindet sie mit einer neuen Gestaltungsidee. Freigewordene Grabstellen werden nicht einfach leer gelassen, sondern in sogenannte Paradiesbeete verwandelt. Die Beete entsprechen in Größe und Form den bestehenden Grabflächen und fügen sich so harmonisch in die Reihen der Gräber ein. Bepflanzt mit Blumen und Stauden sorgen sie dafür, dass der Friedhof auch als Ort des blühenden Lebens wahrgenommen wird – als Garten der Ruhe, der Erinnerung und der Hoffnung.

Auch neue Formen der Bestattung wurden geschaffen. Auf beiden Friedhöfen wurden gemeinschaftliche Urnengräber errichtet, die Platz für mehrere Urnen bieten und sich in schlichter Gestaltung in das bestehende Erscheinungsbild einfügen.
Zum neuen Erscheinungsbild gehören außerdem Sitzgelegenheiten, die Besucherinnen und Besucher zum Verweilen einladen. Gerade im Entstehen sind zudem Brunnen und Wasserbecken, deren leises Plätschern künftig die besondere Atmosphäre des Ortes unterstreichen soll.
Neuer Gießdienst
Ganz neu ist heuer auch ein zusätzlicher Service für Angehörige: ein Gießdienst für Grabstätten. Von April bis Oktober übernehmen Bewohner der Rankweiler Wohngruppe des Vereins für seelische Gesundheit gegen eine Aufwandsentschädigung das regelmäßige Bewässern der Gräber. Das Angebot richtet sich vor allem an Menschen, die aus gesundheitlichen oder zeitlichen Gründen die Pflege nicht selbst übernehmen können.

So entsteht Schritt für Schritt ein Friedhof, der Tradition und Gegenwart miteinander verbindet. „Der Friedhof bleibt ein Ort des Gedenkens“, sagt Salzmann. „Aber er kann gleichzeitig auch ein Ort des Lebens sein – ein Paradiesgarten, der Trost spendet und zum Verweilen einlädt.“
