Wenn die Austria Trauer trägt

Der ehemalige Lustenau-Spieler Roger Prinzen ist im Alter von 57 Jahren verstorben.
Lustenau Es ist ein Schock für alle, für die Familie, für viele langjährige Wegbegleiter, für die Verantwortlichen seines Ex-Klubs Austria Lustenau, für die Fußballwelt. Im Alter von 57 Jahren ist Roger Prinzen, ehemaliger Spieler, Trainer, Sportchef und Manager der Grün-Weißen, überraschend verstorben. Das Herz des Deutschen, das sportlich für den Fußball und vor allem für den Nachwuchs schlug, hat aufgehört zu schlagen. In Lustenau wird man anlässlich des Heimspiels gegen Rapid II – Freitag, 18 Uhr – dem Verstorbenen gedenken, wie Stephan Muxel bestätigte. “Es wird Worte und eine Gedenkminute geben. Die Mannschaft wird zudem in Trauerflor auflaufen”, so der Sportvorstand der Austria. Tief betroffen sprach er vom “Verlust eines guten Freundes”.


Der Kontakt zu Prinzen sei auch nach dessen Rückkehr nach Deutschland (2013) nie abgebrochen. Er beschreibt ihn als “feinfühligen, pflichtbewussten Menschen, auf den 100 Prozent Verlass war”. Noch heute erinnert er sich an eine Episode, als Prinzen als Cotrainer von Heinz Fuchsbichler agierte und man im Winter in Damüls war. Während alle mit dem Skidoo zur Bergstation des Uga-Liftes gebracht wurden, ging Prinzen den Weg hoch. “Unser Deutscher”, sei damals über das Pflichtbewusstsein von Prinzen geschmunzelt worden.



Nagel verpflichtete Prinzen
Eine Eigenschaft, die auch vom damaligen Austria-Präsidenten Hubert Nagel sehr geschätzt wurde. “Roger war immer loyal und konnte gut mit jungen Spielern”, so der 74-Jährige, der Prinzen 1996 aus Hannover geholt hatte. “Ein wirklich guter Fußballer”, zeigt sich auch Nagel geschockt vom Ableben des Familienvaters. Geboren am 4. März 1969 in Darmstadt, schaffte Prinzen über seine Jugendvereine Pfungstadt, Eintracht Frankfurt und Kaiserslautern den Weg in die zweite deutsche Bundesliga, wo er in der Saison 1987/88 für Darmstadt sein Ligadebüt feierte. Danach ging es für ihn weiter nach Wattenscheid, wo er mit der Mannschaft drei Saisonen lang in der deutschen Bundesliga spielte und wo er in 60 Spielen sechs Treffer erzielte. Es folgten sportlich zwei Saisonen bei Hannover 96 (2. Liga), ehe ihn der Weg ins Ländle nach Lustenau führte und wo er als Fußballer und als Mensch Spuren hinterließ und neue Freundschaften schloss. 106 Profispiele bestritt er für die Austria und erzielte neun Tore. Später sollte er auch noch für den FCL in der 2. Liga (32 Spiele/2 Tore) auflaufen, ehe sein beruflicher Weg auf die Trainerbank bzw. in die Geschäftsstelle der Austria führte.


Eine tiefe Verbundenheit
“Für mich ist Roger mehr als nur Weggefährte gewesen, zwischen uns hat sich eine Freundschaft entwickelt”, hat die Nachricht vom Tod des ehemaligen Mitspielers auch Ludwig Reiner tief getroffen. “Wir haben auch nach seinem Weggang oft miteinander telefoniert, haben uns getroffen, er war auch bei mir zu Hause”, erzählt der 54-Jährige, dessen Gedanken in erster Linie den engsten Hinterbliebenen, Prinzens Frau Sonja und den Kindern, gilt. “Als Fußballer hat er damals echtes Profitum in Lustenau eingeführt – und zwar auf und neben dem Platz. Roger hat uns Mitspielern so viel mit auf den Weg gegeben. Der damalige Aufstieg in die Bundesliga war mit ein großer Verdienst von ihm und seiner Einstellung zum Beruf Fußballer.”


Viel Herzblut für den Nachwuchs
Nach seiner Zeit in Lustenau führte der sportliche Weg von Prinzen nach Liechtenstein, wo er als Trainer beim U21-Team arbeitete, St. Gallen (U18-Coach) und nach Vaduz (Cotrainer), ehe es ihn zurück nach Deutschland zog. Drei Jahre arbeitete er beim 1. FC Nürnberg als Trainer der zweiten Mannschaft, zudem übernahm er gleich zweimal interimistisch das damalige Bundesligateam. Seit 2018 war er im Dienst des 1. FC Heidenheim, wo er als Leiter der Nachwuchsabteilung zuletzt dafür kämpfte, dass der Klub das Budget für eine eigene U21-Mannschaft freigab. Deren Premiere kann er nun nicht mehr erleben, weil sein Herz aufhörte zu schlagen – Ruhe in Frieden.