Erinnerungen an Fanny Amann wurden lebendig

Erzählcafé und Filmpremiere von “Meine Küche” holten Geschichte zurück.
Dornbirn Am Dienstagnachmittag wurde der WirkRaum der Caritas in Dornbirn zum Treffpunkt für Erinnerungen und persönliche Geschichten. Beim Erzählcafé stand der neue Film von Fanny Amann im Vordergrund und was ihn möglich gemacht hat – Erlebnisse, Begegnungen und Erzählungen aus erster Hand. Die spannende Gesprächsrunde bildete zudem den Auftakt zum Premierentag.

Geschichten aus erster Hand
Zeitzeugin Maria Theresia Oberparleiter, Fanny Amanns Cousin Leo Amann sowie Wolfgang Ponier erzählten aus erster Hand. Moderiert wurde die Runde von Julia Beck und Marcus Naumann, die als zentrale Köpfe des Vereins Lichtspiel auch hinter dem Filmprojekt stehen und dieses über mehrere Jahre hinweg entwickelt haben. Mit spürbarer Begeisterung führten sie durch den Nachmittag und interviewten die Zeitzeugen zu ihren Erlebnissen mit Fanny Amann und Erinnerungen an das Schnifner Bädle.

Für die passende Atmosphäre sorgte der Verein Ahna & Ähne, der die Besucher mit selbst gebackenem Kuchen versorgte. Bärbel Gantner vom Verein stellte das Sozialprojekt vor, das sich auch dem Miteinander älterer Menschen widmet und somit gut zum Thema des Films passte. “Kochen verbindet” – ein Gedanke, der sich durch den Nachmittag zog und deutlich machte: “Meine Küche” ist weit mehr als nur ein Kochbuch.

Ein Nachmittag voller Geschichten
Im Zentrum der Gespräche stand immer wieder das legendäre Kochbuch von Fanny Amann. Mehrere Besucher berichteten, es von ihren Eltern geschenkt bekommen zu haben – so auch Sabine Jäger. “Ich habe das Buch damals als Hochzeitsgeschenk von meiner Mama erhalten und verwende es bis heute regelmäßig. Es ist einfach Kult”, erzählte sie. Besucherin Alfonsa Rein erinnerte sich, das Buch bereits 1958 zu Weihnachten erhalten zu haben. Für sie war der Besuch des Erzählcafés eine Reise zurück in die eigene Geschichte.

Besonders anschaulich schilderte Leo Amann seine Hochzeit am 13. Juli 1968 im Schnifner Bädle. Mit einem Augenzwinkern erzählte er auch, wie er durch die Kochkurse seiner Schwestern erstmals in den Genuss der berühmten Rezepte kam. “Ich war sozusagen der Nutznießer und kam so zum ersten Mal zu den berühmten ‚Schnifner Pommes‘.” Die Gäste genossen einen unterhaltsamen Nachmittag mit Geschichten über Reisegruppen, die plötzlich vor der Tür des Gasthauses standen und wie noch schnell Milch organisiert werden musste – und immer wieder Erinnerungen an Fanny Amann, ihre direkte Art und ihren bleibenden Eindruck.

Premiere vor vollem Haus
Im Cinema Dornbirn wurde am Abend dann “Meine Küche” vor rund 140 Gästen erstmals gezeigt. Im Anschluss diskutierte Moderatorin Heike Montiperle mit den Projektverantwortlichen sowie Mitwirkenden wie Karin Kaufmann, Wolfgang Ponier, Philipp Lingg und Daniel Meuzard über Entstehung und Inhalte des Films. Zwei eigens für den Film geschriebene Songs von Lingg, gemeinsam mit Meuzard realisiert, bilden den musikalischen Rahmen der Dokumentation.

Am Abend war mit Jakob Ehrhardt auch der älteste Zeitzeuge bei der Filmpremiere anwesend. Der 95-Jährige begeisterte mit trockenem Humor und sorgte immer wieder für Schmunzeln im Publikum.

Was am Nachmittag im Kleinen begann, setzte sich am Abend im größeren Rahmen fort – ein vielstimmiges Bild einer Frau, die weit mehr war als eine Kochbuchautorin. Der Film zeigt, wie sehr Fanny Amanns Vermächtnis bis heute nachwirkt. Ab 23. April ist “Meine Küche” in Kinos in Dornbirn, Feldkirch, Bludenz und Lustenau zu sehen. cth





