Uroma Hedi (80) bringt Frauen in Bewegung

Seit 34 Jahren leitet Hedi Mangeng eine Frauengymnastik-Gruppe.
Dornbirn Mittwochabend in der Turnhalle der Mittelschule Baumgarten. Countrymusik hallt durch den Raum, rund 30 Frauen stehen in Reihen, die Arme in der Luft. “Hüfte nach rechts, Hüfte nach links, jetzt zum Fenster und die Arme hoch”, ruft Hedi Mangeng – und schon schwingen alle ein imaginäres Lasso. “Super-Hedi” gibt den Takt vor und ist voll in ihrem Element.

Zwei Fixtermine pro Woche
Seit 34 Jahren leitet die 80-Jährige die Frauengymnastik-Gruppe, die sie einst von der Turnerschaft Dornbirn übernommen hat. Ein Ende ist nicht in Sicht. “Ich habe immer schon gern geturnt, seit ich denken kann”, sagt sie. “Nicht übertrieben, aber regelmäßig, das ist das Geheimnis.” Ein Prinzip, das sie bis heute verfolgt – und weitergibt. Zweimal pro Woche steht sie in der Halle. Mittwochabend im Baumgarten, Dienstagvormittag in der MS Hasenfeld, dort gemeinsam mit Lisi Tsernigg. Der Erlös dieser Stunde geht an das Projekt “Netz für Kinder”. Auch das ist der agilen Dornbirnerin ein wichtiges Anliegen.
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31 Mitglieder zählt die Gruppe aktuell, und auffällig ist vor allem eines: die Verlässlichkeit. “Geschwänzt wird selten”, berichtet Hedi lachend. Viele sind seit Jahrzehnten dabei. Die älteste Turnerin ist 87 Jahre alt – und ebenfalls Mitturnerin der ersten Stunde. Es ist diese Mischung aus Bewegung, Gemeinschaft und Beständigkeit, die die Turnstunden bei Hedi ausmachen.

Turnen ohne Leistungsdruck
Das Energiebündel fordert, aber sie überfordert nicht. “Jede macht einfach das, was sie kann”, erzählt sie. Genau das schätzen ihre Turnerinnen. Brigitte Huber etwa ist seit über dreißig Jahren dabei. “Hedi ist für mich ein großes Vorbild. Sie kennt ihren Körper genau, bringt immer wieder neue Ideen und vor allem viel Humor mit.” Tatsächlich bereitet sie sich akribisch vor, liest Fachliteratur, besucht Fortbildungen und achtet darauf, alle Muskelgruppen einzubauen – vom Rücken über den Bauch bis zu den Beinen.

Die Stunde beginnt traditionell mit einem Tanz zum Aufwärmen. Dann “geht’s an den Körper”, strukturiert und doch abwechslungsreich. Hedi erklärt jede Übung, sagt, wofür sie gut ist, korrigiert, motiviert. Dazwischen bleibt immer Zeit zum Lachen und für “an Schmäh”. Fröhlichkeit ist ihr wichtig. “Man muss die Leute mitreißen können”, sagt sie. “Und es muss eine Gaude, keine Qual sein.”

Dass ihr das gelingt, zeigt sich an diesem Abend besonders deutlich. Zum Abschluss holen die Frauen als Überraschung selbst gebastelte Buchstaben hervor, formen gemeinsam ein “Super Hedi” für das Gruppenfoto. Eine spontane Geste, die viel über die Atmosphäre verrät.

Stillstand ist ein Fremdwort
Privat ist Hedi fünffache Oma und zweifache Uroma. Zeit mit der Familie gehört für sie genauso dazu wie die Bewegung. Stillstand kommt für sie nicht infrage. “Man muss immer dranbleiben”, sagt sie.
Am 3. August feiert sie ihren 81. Geburtstag. Wer sie in der Turnhalle erlebt, würde das kaum vermuten. Ihre Energie und Lebensfreude wirken ansteckend – und das Woche für Woche. cth







