Unterstützung statt Strafe

Fabian Böhler über Herausforderungen und Hoffnung in der Bewährungshilfe.
Bregenz Für Sicherheit sorgen, Verbrechen aufklären. Polizist wollte Fabian Böhler ursprünglich werden. Die Zusage für die Polizeischule hatte er bereits. Doch während eines Praktikums bei Neustart lernte er eine andere Seite des Justizsystems kennen: jene, die nicht straft, sondern begleitet. Heute unterstützt er als Bewährungshelfer Menschen dabei, nach Fehlern wieder Fuß zu fassen.

Fabian Böhler – 31, groß, durchtrainiert, empathisch, sympathisch – bittet in sein Büro und erzählt, wie er zum Verein Neustart gekommen ist.
Fabian holte die Matura an einem Abendgymnasium nach. Zur gleichen Zeit arbeitete er in einer Sicherheitsfirma als Detektiv. Anschließend begann er an der Fachhochschule Vorarlberg Soziale Arbeit zu studieren. Der Wunsch, Polizist zu werden, ließ ihn jedoch nicht los. Deshalb legte er bereits im ersten Studienjahr die Aufnahmeprüfung für die Polizeischule ab. „Ich wurde angenommen und sollte mich dann zwischen Sozialarbeit und Polizei entscheiden“, erzählt er. Doch die Entscheidung schob er hinaus, denn: „Ich war mir noch nicht klar darüber, welchen Weg ich gehen wollte.“
Als das erste Praktikum anstand, fragte ihn sein Dozent, was er auf keinen Fall machen wolle. „Ich will nicht mit Straftätern und Suchtkranken zu tun haben“, antwortete Fabian. „Mit ihnen war ich als Detektiv täglich konfrontiert.“ Doch genau dazu forderte ihn der Dozent auf: ein Praktikum bei Neustart.
Fabian ließ sich darauf ein. Die Arbeit gefiel ihm so gut, dass eine Laufbahn bei der Polizei für ihn nicht mehr infrage kam. Er setzte sein Studium fort und blieb Neustart zunächst ehrenamtlich verbunden.

Seit drei Jahren ist er dort fest angestellt – als Sozialarbeiter mit Schwerpunkt Resozialisierung Straffälliger. Zu seinen Aufgaben zählen Bewährungshilfe und die Vermittlung gemeinnütziger Leistungen. Aktuell betreut er 60 bis 65 Klienten – von 14-Jährigen bis hin zu Menschen im hohen Alter. Zwei davon sind Frauen.
Das Leitbild von Neustart lautet: „Ächte die Tat, achte den Täter.“ Das bedeutet: Die Bewährungshelfer kritisieren die Taten, verurteilen aber nicht die Menschen dahinter. „Dafür sind die Richter zuständig“, stellt Fabian klar. „Wir gehen aber immer auf die Delikte ein. Denn für jedes gibt es einen Grund, und den finden wir heraus.“ Die Hintergründe sind meistens Gewalt, Sucht, psychische Erkrankungen, finanzielle Probleme.

Das Schönste an seinem Beruf seien Herausforderung und Vielfalt. „Jeder Fall ist anders. Jeder Fall ist spannend.“ Weniger schön ist die Konfrontation mit dem Scheitern, denn nicht allen Klienten gelingt der Ausstieg aus der Kriminalität. Aber auch dann gilt: „Wird jemand erneut straffällig, fangen wir ihn wieder auf.“ Die Betreuung beginnt von vorne – mit einem neuen Ansatz. „Aufgegeben wird nicht.“ Klar ist allerdings auch: Der Gang zu Neustart ist verpflichtend. „Wer nicht zu uns kommt, muss die Strafe absitzen.“

So spannend die Arbeit bei Neustart ist, so emotional fordernd ist sie auch. In seiner Freizeit aber hat sie keinen Platz. Die gehört ganz der Familie. Fabian lebt mit seiner Frau Regina und den beiden Kindern Luis und Lotta in Hörbranz. Luis ist neun Jahre alt, Lotta kam vor zehn Wochen zur Welt. „Dank der von Neustart angebotenen Gleitzeit war es möglich, dass ich meine Frau zu jeder Untersuchung begleiten und auch bei der Geburt meiner Tochter dabei sein konnte“, erzählt er.

Wichtig ist Fabian auch, sich körperlich fit zu halten: Er ist leidenschaftlicher Crossfit-Athlet. „Das Training ist auch ein guter Ausgleich zum anspruchsvollen Job.“ HRJ

ZUR PERSON
FABIAN BÖHLER
GEBOREN 1. Jänner 1995
WOHNORT Hörbranz
BERUF Sozialarbeiter beim Verein Neustart
FAMILIE verheiratet mit Regina, Tochter Lotta (10 Wochen), Patchworksohn Luis (9 Jahre)
HOBBY Kraft- und Konditionierungssport CrossFit