Ein Leben voller Töne und Melodien

Musik ist das Lebenselixier von Helga Fessler (92). Seit 30 Jahren veranstaltet sie den Musikantentreff.
Gaißau Die Musik kam früh in das Leben von Helga Fessler (heute 92). “Ich begann mit sechs Jahren, Gitarre zu lernen.” Lieber hätte die Tochter eines Maurers aus Gaißau Ziehharmonika gespielt. Aber dieses Instrument war ihren Eltern in der Anschaffung zu teuer. Doch dann wurde in den VN ein Akkordeon um nur 400 Schilling angeboten. “Meine Eltern kauften das Instrument für mich. Ich hatte eine Riesenfreude.” Ein Harmonikaspieler aus Gaißau und eine Musiklehrerin aus Bregenz brachten dem Mädchen das Akkordeonspielen bei. Helga lernte ausgesprochen leicht. “Ich habe ein sehr gutes Gehör für Musik.”
Auch als Sängerin tat sie sich mit ihrer Altstimme hervor. “Mit zwölf Jahren bin ich dem Gaißauer Kirchenchor beigetreten.” Diesem blieb sie 70 Jahre lang treu. Helga hätte am liebsten Musik studiert. “Aber meine Eltern konnten sich diese Ausbildung nicht leisten.”

Schon als Volksschülerin wurde sie von ihren Eltern in den Schulferien zu einem Bauern in Gaißau geschickt, um beim Viehhüten und Heuen zu helfen. “Als Lohn bekam ich Gemüse und Obst.” Ihre drei Geschwister mussten ebenfalls mithelfen, denn das Geld war knapp in der Familie.
Als Teenager durfte Helga eine Hauswirtschaftsschule absolvieren. Danach nahm sie verschiedene Jobs an. “Zuerst arbeitete ich als Haushaltshilfe bei einem Bauern, dann in einer Näherei und in einem Café in Rheineck und später dann in einer Wäschefabrik in Gaißau.” Am längsten jedoch war sie als Handelsvertreterin für Angora-Wäsche tätig. Als Außendienstmitarbeiterin fuhr sie 38 Jahre lang landauf und landab. “Mein Mann und ich brauchten das Geld. Wir haben ein Haus gebaut”, erklärt die zweifache Mutter, warum sie immer einer Arbeit nachging.

Ihren Mann Josef lernte sie 1956 auf der Kanisfluh kennen. 1957 wurde geheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Nach 22 gemeinsamen Jahren ging das Ehepaar auseinander. “Danach lernte ich Georg kennen. Wir waren zehn Jahre zusammen. Er wurde leider nur 50 Jahre alt.” Sein Tod traf sie schwer. Doch die Musik rettete sie aus der Trauer. “Eine Freundin nahm mich 1993 zum Musikantentreff im Gasthaus Schwanen mit.” Helga war so begeistert, dass sie die Veranstaltung regelmäßig besuchte und dort selbst jedes Mal als Akkordeonspielerin und Sängerin auftrat. “Mit mir spielten die besten Musikanten.” 1995 fragte man sie, ob sie die Veranstaltung nicht organisieren wolle. “Seither richte ich den Musikantentreff aus. Bei jedem sind neun bis vierzehn Musikanten mit dabei.” Helga ist mittlerweile 92 Jahre alt und noch kein bisschen arbeitsmüde. “Solange ich gesund bin, mache ich weiter.”
Musik gehört nach wie vor zu ihrem Leben. Besonders gerne hört sie übers Handy alte Schlager. Vor sechs Jahren traf sie ein schwerer Schlag. “Der Tod nahm mir den besten Musikanten. Johnny, mein Duopartner, starb.” Mit ihm spielte sie regelmäßig in Gasthäusern, unter anderem in Höchst und Lustenau. “35 Jahre lang sind wir zusammen aufgetreten.” Sie stand auch öfters mit den Original Bregenzerwälder Dorfmusikanten auf der Bühne. Mit ihnen kam die Sängerin und Musikerin bis nach Teneriffa, Rhodos und Tunesien.

Helga blickt zufrieden auf ihr langes Leben zurück. “In meinem Leben gab es Höhen und Tiefen. Am glücklichsten war ich beim Musizieren und Singen”, sagt sie und freut sich schon auf den nächsten Musikantentreff am 3. Juni (ab 19 Uhr) im Gasthof Sternen in Hard.