Nie zu alt für einen neuen Ton

Arno Blum beweist: Musik und Gesang schenken Lebensfreude und ein junges Herz.
Höchst Sein Gesicht trägt die Spuren eines langen Lebens, aber ohne diese typische Müdigkeit, die man oft mit hohem Alter verbindet. Der Blick ist aufmerksam. Verschmitzt lächelt er, wenn er erzählt. Arno Blum ist 82 Jahre, wirkt jünger, als er tatsächlich ist. Warum das so ist? Zufriedenheit, Sport und Rhythmus. Er war in der Turnerschaft und im Faustball aktiv. Heute ist der Montag ein fixer Termin für drei- bis sechsstündige Wanderungen. Für Leben sorgt die Familie – acht Enkel- und acht Urenkelkinder. “Und meine Partnerin hat ebenso viel Nachwuchs”, sagt Arno und lacht. Dann sind da noch Gesang und Musizieren. Der Pensionist ist ein Urgestein im Männerchor Höchst, ist dessen Ehrenobmann. Er gehört zudem zu den Rheindelta-Shanties. Und zweimal im Monat erfreuen er und sein Bruder Heinz (88) als “SonnyBoys” die Bewohner verschiedener Seniorenheime mit Unterhaltungsmusik. Seit über 60 Jahren ein treuer Begleiter: sein Akkordeon.

Arnos Vater führte ein Dachdeckergeschäft, und Arno selbst wuchs als Jüngster von drei Buben auf. Musik war in der Familie stets ein Hobby. “Papa stammt aus einer Familie, in der jeder ein Instrument spielte”, erinnert er sich. Von Kindheit an widmet sich Arno mit Leidenschaft dem Akkordeonspiel und dem Gesang. Ob er schon immer musikverliebt war? “Akkordeonspiel war eigentlich nicht mein Traum. Als Neunjähriger wünschte ich mir zu Weihnachten nichts sehnlicher als eine Eisenbahn. Unter dem Christbaum lag dann ein Akkordeon – ganz im Sinne meines Bruders Heinz. Er spielte Gitarre und brauchte jemanden an seiner Seite”, erzählt der rüstige Senior. Und so wurde aus seinem Wunsch nach Schienen und Zügen der Beginn einer musikalischen Reise.
“Musik kennt kein Alter – sie hält das Herz jung und die Seele in Bewegung.”
Arno Blum, Pensionist und Hobbymusiker
Die Leidenschaft für Musik verbindet die Blum-Brüder: Der Älteste, Manfred, griff zum Bass, Heinz zur Gitarre, und Arno fand im Akkordeon seinen musikalischen Begleiter. Auch wenn er sich ursprünglich eine Eisenbahn gewünscht hatte, entdeckte er schon bald seine Liebe zur Handorgel. Fleißig lernte er sechs Jahre an der Musikschule, um das Instrument zu beherrschen. Und spielte es so gut, dass er schon als 15-Jähriger im Brüdertrio mit von der Partie war.

Über ein halbes Jahrhundert lang stand der Höchster gemeinsam mit seinen Brüdern in der Freizeit auf der Bühne – etwa als Trio Blum, Dachdeckertrio und “4 Amigos”. “Für unsere Livemusik waren wir bis in die Schweiz bekannt und begeisterten das Publikum.” Auf Veranstaltungen mit bis zu 3000 Gästen, aber auch zu Familienfeiern und Vereinsfesten, wurde aufgespielt. Als der Älteste der Brüder im Jahr 2015 mit 80 Jahren den Bass zur Seite legte, hätte das ein Abschied sein können – doch für Arno und Heinz war es das nicht. Sie fanden einen Gleichgesinnten und musizierten noch einige Jahre im Trio weiter. Seit 2023 spielen sie zu zweit, als “SonnyBoys”.
Beruflich ging der 82-Jährige einen ganz anderen Weg und wurde Schriftsetzer. Auf den ersten Blick scheinen Musik und Schriftsetzen wenig gemeinsam zu haben. Schaut man genauer hin, wird klar: Sowohl beim Musizieren als auch beim Schriftsetzen kommt es auf Rhythmus, Struktur und Präzision an. Noten müssen – wie Buchstaben – genau an ihrem Platz stehen, damit ein harmonisches Ganzes entsteht.

Die “schwarze Kunst” hat Arno längst an den Nagel gehängt, die musikalische Reise geht weiter. Nicht mehr über große Bühnen oder in Festzelten. Stattdessen bringt er mit seinem Bruder die Melodien dorthin, wo sie vielleicht am meisten berühren: in Seniorenheime. Dort schenken sie mit ihren Liedern Erinnerungen.
Zur Person
ARNO BLUM
GEBOREN 4. September 1944 in Gaissau
WOHNORT Höchst
FAMILIENSTAND verwitwet, in Partnerschaft
BERUF Schriftsetzer, Pensionist
HOBBYS Musizieren, Singen, Wandern, Familie