Kinder lernen, wie aus Kräutern Medizin wird

Im inatura-Kräutergarten stellten Kinder mit dem OGV Dornbirn natürliche Hausmittel her.
Dornbirn “Mmmmh, das schmeckt ja richtig lecker”, ruft Theresa und schleckt vorsichtig den Finger ab, den sie eben noch in die klebrige Masse im kleinen Schüsselchen getaucht hat. Neben ihr beginnt Zoe demonstrativ zu husten. “Ich glaube, ich brauche dringend einen Hustensaft”, lacht sie. Im Kräutergarten der inatura Dornbirn wird an diesem Freitagnachmittag allerdings nicht nur gekostet, sondern fleißig produziert. Hustensaft und Erkältungssalbe stehen beim Kinderworkshop des Obst- und Gartenbauvereins Dornbirn auf dem Programm.

Großes Interesse
“Der Kurs war rasch ausgebucht”, erzählt Kräuterpädagogin Bernadette Winder erfreut. Gemeinsam mit Rosi Schwer zeigt sie den Kindern, wie aus heimischen Pflanzen eine kleine Hausapotheke entsteht. Vor den jungen Teilnehmern liegen Spitzwegerich, Thymian und frische Tannenwipfel auf einem großen Tuch ausgebreitet. “Wisst ihr, was das ist?”, fragt Winder in die Runde. Sofort werden mehrere Hände gehoben. Die Tannenwipfel erkennen die meisten sofort – dass darin aber echte “Zauberkräfte” stecken, erfahren sie erst an diesem Nachmittag.

Mit Konzentration schichten die Kinder Rohrzucker und Kräuter in kleine Gläser. Dazwischen wird mit einem Holzstück vorsichtig gestampft und gemörsert. “Immer mit Zucker abschließen, damit die Kräuter nicht schimmeln”, erklärt Winder geduldig. Aus den Kräutern entsteht so ein sogenannter Erdkammer-Sirup – eine traditionelle Methode, bei der die Gläser später zu Hause im Garten vergraben werden. Dort zieht der Zucker langsam die wertvollen Inhaltsstoffe aus den Pflanzen. Früher wurden solche Gefäße oft wochenlang in der Erde gelagert. Die schonende Herstellung gilt bis heute als besonders wirkungsvoll.

“Wir brauchen noch Spitzwegerich”, ruft Nils. Bernadette Winder sorgt für Nachschub. Dass die unscheinbare Pflanze als “Wiesenpflaster” bekannt ist und sogar schon einmal zur Heilpflanze des Jahres gewählt wurde, beeindruckt die Kinder. Zwischendurch dürfen sie bereits fertigen Sirup kosten. Abgefüllt wird dieser später in kleine Pipettenfläschchen. “Da reicht dann ein Tropfen, fünf- bis sechsmal täglich bei Husten”, erklärt Winder. Danach heißt es, Etiketten für den selbst gemachten Hustensaft anfertigen.

Nebenan köchelt auf einer Herdplatte schon Majoran in Öl. Nach dem Abkühlen wird die Mischung mit Bienenwachs verrührt und zu einer Erkältungssalbe weiterverarbeitet. Die Wirkung sei ähnlich wie jene bekannter Salben aus der Apotheke – nur eben vollkommen natürlich. “Bei Schnupfen unter die Nase, bei Husten auf die Brust”, erklärt die Kräuterpädagogin. Wo genau sie die Gläser vergraben werden, weiß noch keines der Kinder. Gut, dass aber alle einen Garten daheim haben. Und: “Der Herbst und der Husten können kommen”, hört man in der Runde. So hat sich wohl noch nie jemand auf eine Erkältung gefreut.

Auch in den kommenden Wochen stehen noch spannende Termine für Kinder beim OGV Dornbirn an. Am Samstag, 20. Juni, werden beim Spielefest Pilze gebastelt, Kräuterbutter und Klatschbrot gemacht und am Freitag, 17. Juli, bietet der Verein einen Imkerkurs für den Nachwuchs an. Es gibt noch Restplätze. Anmeldung unter bernadette.winder73@gmail.com. cth









