St. Jodok, ein viel zu seltener Besucher

VN / 22.05.2026 • 12:24 Uhr
Bei entsprechendem Wind erwartet die Passagiere ein großer Augenblick: sie dürfen das große Rahsegel setzen. PETER STRAUSS   
Bei entsprechendem Wind erwartet die Passagiere ein großer Augenblick: sie dürfen das große Rahsegel setzen. peter strauss

Lädine aus Immenstaad war wieder einmal zu Gast im „Vorarlberger Revier“ des Bodensees.

Hard, Immenstaad „Wir würden gerne öfters nach Vorarlberg kommen, aber es hat ganz einfach finanzielle Gründe“, räumt Benno Lindenkamp ohne Umschweife auf die Frage ein, weshalb sich der originalgetreue Nachbau eines Lastenseglers so selten im Obersee sehen lässt. Der Tag der Schifffahrt in Hard war – die VN Heimat berichtete – praktisch der einzige Anlass für St. Jodok, einen Vorarlberger Hafen anzulaufen.

Ehrensache für Lindenkamp, bei der großen Schau der Historischen Schifffahrt dabei zu sein, aber sonst: „Eine Fahrt von Immenstaad nach Hard oder Bregenz dauert rund drei Stunden. Noch einmal drei Stunden für die Rückfahrt – das rechnet sich einfach nicht“, gibt er zu bedenken.

Kapitän und Pächter

Seit drei Jahren hat Benno Lindenkamp das Kommando an Bord des einzigartigen Schiffs auf dem Bodensee. Er hat die St. Jodok vom Lädinen-Verein-Bodensee gepachtet, erzählt er den interessierten Besuchern. An Bord sind auch Peter Steiner und Thomas Hager. Die beiden machen ihre Ausbildung zum Schiffsführer, „100 praktische Fahrstunden auf der Lädine sind Teil davon“, verrät Steiner, begeisterter Segler im Kressbronner Segelclub.

Nach dem Besuch bei der Historischen Schifffahrt nimmt die Lädine St. Jakob in Geleitfahrt mit der Hohentwiel wieder Kurs auf ihren Heimathafen Immenstaad.
Nach dem Besuch bei der Historischen Schifffahrt nimmt die Lädine St. Jakob in Geleitfahrt mit der Hohentwiel wieder Kurs auf ihren Heimathafen Immenstaad.

600 Jahre Schifffahrtsgeschichte

Auch über die Lädine weiß er viel zu erzählen. „Vor etwa 40 Jahren entdeckten Taucher vor Immenstaad Fragmente eines Lastenseglers. In der Blütezeit beförderten davon auf dem Bodensee mehr als Tausend solcher Schiffe Güter wie Salz, Bauholz, landwirtschaftliche Produkte wie Wein und Branntwein, Zucker und Gewürze. Aber auch lebendes Vieh, Textilien und Leder. Auch der rote Sandstein aus Rorschach wurde für große Bauten ans deutsche Seeufer transportiert.“

Schifffahrt war auf dem Bodensee schon vor rund 2000 Jahren wichtiges Thema, wie die Anfang der 1970er Jahre im Zuge von Bauarbeiten am Bregenzer Leutbühel freigelegten Überreste eines Römerhafens beweisen. Vom 14. bis Mitte des 20. Jahrhunderts schrieben die Lastensegler die Geschichte der Bodensee-Schifffahrt. In der Blütezeit Mitte des 18. Jahrhunderts waren über Tausend Frachtsegler auf dem Bodensee unterwegs, davon etwa 150 Lädinen, die mit einer Länge von bis zu 32 Metern maximal 150 Tonnen Fracht aufnehmen konnten.

Der Bodensee vor Immenstaad, Friedrichshafen und Meersburg ist das Einsatzrevier der Lädine, die für Betriebsausflüge, Jubiläen, Geburtstage aber auch den beliebten Weinproben und romantischen Abendfahrten unterwegs ist.   
Der Bodensee vor Immenstaad, Friedrichshafen und Meersburg ist das Einsatzrevier der Lädine, die für Betriebsausflüge, Jubiläen, Geburtstage aber auch den beliebten Weinproben und romantischen Abendfahrten unterwegs ist.  

Kleinere Versionen der Lädine waren die sogenannten Segmer. Vier Arten davon waren bis zu 20 Meter lang und beförderten sieben bis 75 Tonnen Fracht. Bei entsprechendem Wind unter Segel, bei Flaute im tiefen Wasser gerudert oder im seichten Wassere durch Staken fortbewegt.

Vor 200 Jahren (1826) war die Zahl der Lädinen auf etwa 60 bis 70 geschrumpft, um 1900 fuhren nur noch ganz wenige und 1952 wurde die letzte in Bodman zu Brennholz verschrottet.

Wracks im See und Nachbau

Zeugen dieser Schifffahrts-Epoche liegen auch heute noch auf dem Seegrund – die Wracks sind beliebte Ziele für Sporttaucher. Eines dieser Wracks gab 1988 einer engagierten Gruppe von Lädinen-Fans den Anstoß zur Gründung des Lädinen-Vereins Bodensee, der es nach mehr als zehn Jahren geschafft hatte: Auf den Namen St. Jodok getauft lief die Lädine – korrekt: der Segmer – zu seiner Jungfernfahrt aus.

Eine 108-kW-Maschine sorgt dafür, dass die Lädine auch bei Flaute fährt, richtig romantisch wird es aber, wenn das Rahsegel gesetzt werden kann.
Eine 108-kW-Maschine sorgt dafür, dass die Lädine auch bei Flaute fährt, richtig romantisch wird es aber, wenn das Rahsegel gesetzt werden kann.

17 Meter lang, 5,30 Meter breit, 80 Zentimeter Tiefgang, 20,4 Tonnen schwer und für 55 Fahrgäste zugelassen. Eine 108-kw-Maschine sichert auch bei Flaute sichere Fahrt. Das Brummen des Diesels begleitete die Teilnehmer der Rundfahrt auch auf den See hinaus, wo sie – nachdem die Lädine „richtig“ in den Wind gestellt worden war – zum Höhepunkt der Fahrt das 60 Quadratmeter große Rahsegel setzen durften, um ein Stück windgetrieben über den See zu gleiten. STP

Benno Lindenkamp hat die Lädine vom Immenstädter Verein gepachtet und bietet den Nachbau des historischen Lastenseglers für Rundfahrten und Events an.
Benno Lindenkamp hat die Lädine vom Immenstädter Verein gepachtet und bietet den Nachbau des historischen Lastenseglers für Rundfahrten und Events an.
Wenn die Lädine unterwegs ist, wird sie gerne von Freizeitkapitänen begleitet.   
Wenn die Lädine unterwegs ist, wird sie gerne von Freizeitkapitänen begleitet.