An diesen heimischen Seehäfen wird’s für Boote langsam zu trocken

Wasserpegel nähert sich historischem Tiefstand: Am Vorarlberger Bodenseeufer wächst langsam die Anspannung.
Höchst, Hard, Bregenz Es braucht ein bisschen Horizont, um das Wasser zu sehen. Am Ufer des Rohrspitz bei Höchst fängt der Blick zuerst Steine und vereinzelte Grashalme ein. “Der Wasserstand ist schon extrem niedrig”, meint Josef Koch (34), Geschäftsführer des Wasserverbandes Rheindelta. Er, der eigentlich für Hochwasser zuständig ist, hätte nichts dagegen, sollte es endlich regnen. “Ich bin ja selbst landwirtschaftlicher Facharbeiter und weiß um die Sorgen der Kollegen, wenn es so lange trocken bleibt”, erzählt der Burgenländer, der seit zwei Jahren in Vorarlberg ist.

Der weite Weg zum Wasser
Der Wasserstand am Rohrspitz ist derzeit so niedrig, dass selbst Familien mit Kindern weit in den See hineinspazieren können, ohne oberhalb des Knies nass zu werden. “Wie anders sah das noch vor zwei Jahren aus. Damals, ich war soeben nach Vorarlberg gekommen, hatten wir hier Hochwasser, das große Teile des gewöhnlich immer trockenen Uferbereichs überschwemmte”, erinnert sich Koch.
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Gelassenheit in Hard
In Hard steigt für Hafenmeister Martin Kleinbichler (30) die Aufmerksamkeit für den Wasserstand in “seinem Hafen” in dem Ausmaß, wie der Pegel sinkt. “Im Gegensatz zu anderen Häfen sind wir hier wohl begünstigt. Es ist sicher nicht dramatisch, und doch wird es für einige Boote eng.” Kleinbichler zeigt zum Grünen Damm und einigen dort vertauten Segelbooten.

“Für die wird es langsam schwierig. Auch die ersten zehn Liegeplätze bei der Pizzeria vorne bekommen durch den sinkenden Wasserpegel langsam Probleme.” Trotzdem: Den benötigten Tiefstand von 2,50 Meter gibt es praktisch überall noch. Gerne wendet sich der neue Hafenmeister an altgediente Harder Hafenkenner, wenn es um eine Expertise geht. “Der Bauhof steht mir bei allfälligen Problemen genauso wie der Bürgermeister stets gerne zur Verfügung.”

Tote Fische in Bregenz
Neu als Hafenmeister ist auch Jack Kian Rusch (25) in Bregenz. Hurtig schreitet er der Hafenmauer entlang zum Pegelmesser. Dort ist immer mehr Mauer und immer weniger Wasser. “Derzeit liegen wir bei 311 Zentimeter. Das ist sehr wenig.” Direkt im Hafen gibt es mit den großen und kleinen Booten noch kein Problem. “Aber vom Gondelhafen bringen sie uns immer wieder Boote her, die dort im Trockenen sitzen”, berichtet Rusch.

Dass die Situation nicht ideal ist, erkennt Rusch an anderen Zeichen. “Ich entdecke sehr häufig tote Fische im Wasser. Auch nehmen die Algen stark zu. Es braucht die Seekuh, um diese zu entfernen. Natürlich hat das alles mit dem niedrigen Wasserstand zu tun.”
Viel Zuversicht für eine Verbesserung der Situation versprüht Rusch nicht. “Es schaut nicht nach Regen aus. Und selbst wenn dieser kommt, wird es höchstens dafür reichen, dass der Pegel wenigstens gleich bleibt.”
Ein Blick auf die Wetterprognosen der kommenden Tage scheint Rusch zu bestätigen. Etwas Regen, verpackt in Gewitter, könnte es geben, danach deutet alles wieder auf eine stabile Hochdruckphase.