Streiflicht: Espresso statt Endzeit

VN / 02.06.2026 • 18:20 Uhr
Streiflicht: Espresso statt Endzeit

Es riecht schon anders. Ach was, es duftet! Nach frisch gerösteten Bohnen und goldbraunen Butterhörnchen, die dampfend aus dem Ofen kommen. Nicht, dass man nach der kurvigen Fahrt über die Alpenpässe eine Belohnung nötig hätte, aber das Bild war die ganze Zeit im Kopf lebendig: Die engen Gassen, das Hupen, die Stimmen, die vor allem!

„La Mama“ ruft nach ihren Buben, während junge Männer lässig mit den Mädchen flirten. Zwei Carabinieri schlendern über die Piazza, zum Niederbrechen fesch. So muss sie sein, die Welt hinterm Brenner: Wie eine endlose Opera Buffa, voller Melodie und Lebensfreude. Eine betörende Anarchie, die den Alltag in etwas Besonderes verwandelt. Für die Touristen der 1950er Jahre war es eine Reise ins Wunderland, und das ist es bis heute.

Kein Wunder, dass die Schweizer Schriftstellerin Sibylle Berg in ihrer dystopischen Roman-Trilogie den Neuanfang in Italien ansiedelt, nachdem die Welt des ungebremsten Kapitalismus und der totalen Überwachung zerbricht. „Der beste Ort, um auf Ruinen etwas Neues zu errichten“, sagt sie. Ein Espresso in der „Bar Sport“ ist schon mal ein guter Anfang.