Kommentar: Hitzige Entwicklung im Mai

VN / 03.06.2026 • 16:30 Uhr
Kommentar: Hitzige Entwicklung im Mai

Die letzten Wochen und Monate haben alarmierend viele Klima-Rekorde gebracht. Und das nicht nur in Österreich, sondern auch in Frankreich und Großbritannien. Aber der Reihe nach.

Die Rückblicke der Geosphere Austria auf Mai und Frühling haben es in sich. Im Vergleich zu 1961 – 1990 war der heurige Mai um 2,6 Grad Celsius zu warm. Das allein wäre schon bemerkenswert. Alarmierend wird es bei der Häufigkeit von Hitzetagen (Höchsttemperatur mindestens 30 Grad). An 46 Messstationen gab es diesbezüglich neue Rekorde, von Burgenland bis nach Vorarlberg. Am meisten waren es dabei in Lienz. Statt bisher drei waren es heuer acht Hitzetage, inklusive neuem Temperaturrekord (33,3 Grad). In Bregenz gab es eine Verdoppelung von zwei auf vier Hitzetage, und auch Feldkirch gehört zu den neuen Rekordhaltern.
Außerdem erlebten wir gerade den niederschlagsärmsten Frühling der Messgeschichte! „Die Niederschlagsdefizite betrugen bis zu 80 Prozent“ – etwa im Innviertel – im  Vergleich zu 1991 bis 2020, schreibt die Geosphere Austria. Flächendeckend waren es bis zu minus 50 Prozent.

Die Hitze war nicht nur auf Österreich beschränkt. In Frankreich gab es in mehr als der Hälfte des Landes neue monatliche Temperaturrekorde mit bis zu 37,8 Grad, schreibt Meteo France. Und auch in Großbritannien war die Hitze mehr als außergewöhnlich. Besonders sticht dabei die Station Kew Gardens in London hervor. Der neue Höchstwert im Mai von 35,1 Grad übertraf den bisherigen um fast 6 Grad. Normalerweise sind neue Höchstwerte nur wenige Zehntelgrad höher.

Zur gleichen Zeit entspann sich eine Diskussion über die zukünftige Klimaentwicklung. 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die einem Projekt des World Climate Research Programme (WCRP) angehören, haben nämlich das Szenario mit dem höchsten Treibhausgasausstoß (RCP8.5) als unplausibel bezeichnet. Solche Szenarien erlauben, Annahmen über die zukünftige gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in künftige Treibhausgasemissionen zu übersetzen. Und dies wird wiederum verwendet, um Klimamodelle mit Input zu füttern, die daraus dann Klimaprojektionen berechnen. Das sind dann die allseits bekannten Angaben darüber, wie heiß es bis 2100 werden wird – je nach Szenario. Von Zeit zu Zeit werden diese Szenarien mit neuen Erkenntnissen und Informationen überarbeitet. Daraus aber abzuleiten, dass der Klimawandel nicht so stark ausfallen werde, wie früher angenommen, ist ein falscher Schluss. Zudem sollen auch besonders niedrige Emissionsverläufe nicht mehr für neue Projektionen verwendet werden. Und wie man an den oben genannten Beispielen sieht, wirkt sich die Klimakrise schon jetzt extrem stark aus.

Der Vorarlberger Simon Tschannett ist Meteorologe und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Stadtklimatologie.