Sarah (8) müsste ihre Schule verlassen – doch Gurtis gibt nicht auf

VN / 01.06.2026 • 16:25 Uhr
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Martin Jussel mit Sarah, die in Zukunft auf eine andere Schule gehen muss. Hier in Gurtis hätte sie ihre Freunde. Bilder: VN/JUN

Die Entscheidung scheint gefallen. Doch in Gurtis wächst der Widerstand gegen das Aus der Volksschule.

Nenzing Es ist 11.20 Uhr. Die Eltern warten vor der Volksschule Gurtis auf ihre Kinder. An diesem Freitag herrscht nur ein Gesprächsthema: die Schließung der Volksschule. Am Vorabend fand ein Gespräch zwischen Bildungsdirektion, Gemeinde und Eltern statt. „Die Bildungsdirektion hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt“, resümiert Martin Jussel.

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Die Eltern wollen für den Erhalt der Volksschule Gurtis kämpfen.

Weder die Eltern noch die Gemeinde oder Lehrerin wollen, dass die Volksschule geschlossen wird. Als Grund für die Schließung werden Lehrer- und Kindermangel genannt.

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Elfriede Waldhart ist seit zwölf Jahren Lehrerin an der Volksschule Gurtis.

Lehrerin Elfriede Waldhart hat nur noch vier Jahre bis zur Pension. „Es wäre schön, wenn ich meine letzten Jahre an dieser Schule verbringen könnte.“ Doch aufgrund des akuten Lehrermangels benötigt die Bildungsdirektion sie an anderer Stelle. Zur ersten Sitzung mit der Bildungsdirektion wurde Waldhart nicht einmal eingeladen. Die Kommunikation sei „schräg“ gewesen, sagt die 60-Jährige.

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Eugen Konzett mit Lotta auf dem Arm: Auch sie ist in Zukunft von der Schulschließung betroffen.

Der Kindermangel sei nur vorübergehend. In drei bis vier Jahren würden wieder 20 Kinder die Volksschule besuchen. Doch alle Lösungsvorschläge, etwa Homeschooling oder eine privat geführte Übergangsschule, seien von der Bildungsdirektion „sofort abgewürgt“ worden, kritisiert Amora Schubert und spricht von einer politisch motivierten Entscheidung.

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Das Klassenzimmer mit Holzstühlen, Holztischen und Kreidetafel.

Reaktivierung sei Wunschdenken

Würden Kinder aus dem Ortsteil Latz die Volksschule Gurtis besuchen, wäre auch die Mindestzahl von zehn Kindern erfüllt. Die Bereitschaft der Eltern sei da, die Gemeinde müsse dafür lediglich den Schulsprengel ändern. Nach einer Stilllegung wäre eine Wiedereröffnung praktisch ausgeschlossen: Dafür wären mindestens 30 Kinder nötig, die Volksschule Gurtis bietet aber nur Platz für rund 20 Kinder. „Eine Reaktivierung der Volksschule ist Wunschdenken“, sagt Angelika Feuerstein.

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Am 17. Mai bekamen ein paar Eltern diesen Brief der Marktgemeinde Nenzing. Der Vorwurf seitens der Eltern: Nicht alle hätten diesen Brief bekommen und erfuhren erst im Radio über die Schulschließung.

Petition gestartet

Die Eltern haben eine Petition zum Erhalt der Volksschule gestartet und bereits mehr als 1000 Unterschriften gesammelt. „Man macht etwas kaputt, das gut läuft“, moniert Angelika Feuerstein. „Die Schule ist tot und kommt nie wieder.“ Viele Familien seien eigens wegen der Volksschule nach Gurtis gezogen, ergänzt Eugen Konzett. „Wir wollen kein Geisterdorf.“

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Sarah möchte lieber in Gurtis zur Schule gehen.

Es ist Schulschluss: Sarah (8) findet es „nicht so cool“, wenn sie im neuen Schuljahr eine andere Schule besuchen müsste, in der sie nicht einmal Schulfreunde hätte. Valentina (10) schätzt die Kleinschule mit ihrem jahrgangsübergreifenden Unterricht sehr. „Wir sind ein cooles Team. Unsere Lehrerin ist nett und beantwortet alle Fragen. Man kann sich gut konzentrieren.“

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Kathrin Kreidl mit Frieda: In wenigen Jahren würden wieder 20 Kinder die Volksschule Gurtis besuchen.

„Völlig undemokratisch“

Ortsvorsteher Christoph Seeberger empfand die Gesprächsrunde mit der Bildungsdirektion als „völlig undemokratisch und unemanzipiert“, da die eingebrachten Lösungsvorschläge von der Gemeinde und Bevölkerung nicht weiterverfolgt worden seien. „Die sind einfach über uns drübergefahren.“ Wenn die Bildungsdirektion keinen Lehrer mehr stelle, könne die Schule nicht weitergeführt werden. „Das wurde über den Kopf der Gemeinde hinweg entschieden.“

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Christoph Seeberger ist Ortsvorsteher von Gurtis und kritisiert die Bildungsdirektion, dass diese nicht an einer Lösung interessiert sei.

Bürgermeister Michael Hartmann bedauert die Stilllegung der Volksschule Gurtis. Er habe sich nachdrücklich für den Erhalt des Schulstandortes eingesetzt, jedoch ohne Erfolg. „Für Gurtis wünsche ich mir, dass das Dorf trotz dieser schwierigen Entscheidung zusammenhält.“ Nun geht es darum, den künftigen Schulbesuch zu organisieren, die Busverbindung abzustimmen und die Familien zu begleiten.

“Angespannte Personalsituation”

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Die Volksschule Gurtis muss schließen.

Pressesprecherin der Bildungsdirektion Elisabeth Mettauer begründet die Schließung mit den künftig zu niedrigen Schülerzahlen und der angespannten Personalsituation. Für einen Schulstandort brauche es „eine gewisse Planungssicherheit“, die in Gurtis langfristig nicht gegeben sei.