Gereizt, weil kurz vor Haftantritt: Chef von Feldkircher Bar attackiert

Bekanntes Innenstadtlokal im Zentrum der Stadt wurde zur Kampfarena.
Feldkirch Der 40-jährige Angeklagte wird zum Prozess am Landesgericht aus der Justizanstalt Klagenfurt nach Feldkirch gebracht. Der Mann hat sechs Vorstrafen, fünf davon einschlägig. Offenbar trinkt er gerne einen über den Durst. Das ist mit ein Grund, dass er am helllichten Tag gegen 15 Uhr in einem bekannten Feldkircher Innenstadtlokal in den Lauben grundlos wiederholt Passanten anpöbelte. Auch der Chef des Lokals saß zufällig gerade mit einem Stammgast an einem Nebentisch und trank Kaffee. Dem Gastwirt wurde das Fehlverhalten des Gastes unangenehm, weil sich die Pöbeleien auch in der Lautstärke zunehmend steigerten. Er bat den Rabauken zu zahlen und das Lokal zu verlassen.
Streit eskalierte
Mit den Worten “Ich schlag’ dich und dein Lokal zusammen”, reagierte der Aufgeforderte unwirsch. Daraufhin trug der Lokalbetreiber der Kellnerin auf, die Polizei zu rufen. “Dann erfolgte schon der erste Faustschlag”, erinnert sich der 49-Jährige als Zeuge beim Prozess. Der Schlag richtete sich gegen den Kopf des Lokalinhabers, doch dieser konnte ausweichen und der Schlag traf ihn gegen den Hals. Der Mann fiel in die Sitzmöbel, weitere Faustschläge kamen von hinten, er fiel zu Boden. Die Freundin des Opfers wollte helfen, ging dazwischen und bekam ebenfalls zwei Faustschläge des aggressiven Angreifers ab. Dabei ging ihr Handy zu Bruch. Erst als weitere Gäste einschritten und den Rabauken am Boden fixierten, beruhigte sich die Situation allmählich. Schlussendlich nahm die Polizei den Betrunkenen mit. Nun sitzt er wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung auf der Anklagebank. Die beiden Opfer erlitten Prellungen, Schürfwunden, eine gerissene Sehne des kleinen Fingers. Der Wirt musste zwölf Wochen eine Schiene tragen, hat heute noch Schmerzen.
Teilweise schuldig
Der Angeklagte bekennt sich teilschuldig, Drohungen schließt er aber aus. “Ich war kurz vor einem Haftantritt, deshalb war ich auch etwas gereizt”, gibt er vor Gericht an. Verteidiger Manfred Keller ist überzeugt, dass gegenseitige Provokationen zu dem Streit führten. Für Staatsanwalt Elias Zortea ist die Verantwortung des Angeklagten von einem Geständnis weit entfernt. “Es war ein grundloser, brutaler Angriff mit Fäusten gegen zwei Personen”, so der Ankläger. Und das, obwohl der Mann bereits zuvor einmal zu sechs und einmal zu 15 Monaten Haftstrafe verurteilt worden war. Auch das Gericht wertet den raschen Rückfall des Mannes erschwerend. “Sie haben ohne jeden Anlass Leute angegriffen, die Sie nicht kennen, und ein Opfer schwer verletzt”, so die Richterin. Die Strafe wird mit drei Jahren Gefängnis bemessen. Dem Lokalchef werden 1000 Euro, seiner Freundin 500 Euro Teilschmerzengeld zugesprochen. Das Urteil ist rechtskräftig.